Sa., 30.01.2016

Fußball: 3. Liga Preußen vor Neubesetzung des Sicherheitspostens - aber noch viele offene Fragen

Fußball: 3. Liga : Preußen vor Neubesetzung des Sicherheitspostens - aber noch viele offene Fragen

Die 2. Strafkammer des Landgerichts Münster gab am Freitag der Beschwerde von Roland Böckmann, Sicherheitsbeauftragter des SC Preußen, gegen den gegen ihn vor 14 Tagen erwirkten Durchsuchungsbeschluss statt Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Die Position des Sicherheitsbeauftragten dürfte bei Preußen Münster auch langfristig aus den Reihen der Security-Firma Stölting besetzt werden. Rund um die Demission des bisherigen Amtsträgers Roland Böckmann und die Rolle von Staatsanwaltschaft und Polizei bleiben allerdings noch einige offene Fragen. Auch der DFB hat die Geschehnisse auf dem Schirm.

Von Thomas Rellmann

Die Reaktionen aus der Kurve blieben am Tag nach der Blamage für Polizei, Staatsanwaltschaft und auch Amtsgericht weitgehend aus. Im Preußen-Heimspiel gegen RW Erfurt taten die Ultras des Fußball-Drittligisten eher ihren Unmut über Betretungs- und Stadionverbote kund als über die Behandlung des bisherigen SCP-Sicherheitsbeauftragten Roland Böckmann. Dennoch waren die besagten Vorkommnisse im Stadion ein großes Thema. Am Freitag hatte das Landgericht den Durchsuchungserlass gegen den 45-Jährigen aufgehoben, da nicht einmal ein Anfangsverdacht der Strafvereitelung in den Augen der letzten Instanz aufrecht zu erhalten war. Der langjährige und verdiente Vereinsmitarbeiter hat dennoch für sich entschieden, nicht mehr auf seinen Posten zurückzukehren.

Damit ist der Club gefordert, einen neuen fest installierten Mann für diese extrem heikle Aufgabe zu finden. Gut möglich, dass die Interimslösung der 14 Tage seit Bekanntwerden der Ermittlung - mit einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Stölting - zu einer dauerhaften wird. Der Preußen-Vorstand hatte sich früh hinter Böckmann gestellt und die fragwürdigen Vorgänge ungewohnt offen kritisiert. Eine Stellungnahme zur neuesten Entwicklung ist in der kommenden Woche zu erwarten.

Dennoch bleiben Fragen. Warum hat der Polizist, der das Vernehmungsprotokoll mit dem Sicherheitsbeauftragten führte, nicht frühzeitig durchblicken lassen, dass der Beschuldigte durchaus Namen genannt hatte (nur eben die, die auch die szenekundigen Beamten identifiziert hatten)? Warum missinterpretierte die Staatsanwaltschaft den Vermerk "keine relevanten Angaben" als "gar keine Angaben" und stützte darauf sämtliche Vorwürfe? Und warum erkundigte das Amtsgericht, das den Durchsuchungsbeschluss bewilligte, sich nicht nach dem exakten Inhalt dedr Vernehmung? Anhaltspunkte, dass Böckmann darüber hinaus weitere, von den szenekundigen Beamten nicht benannte, Verdächtige erkannt und nicht identifiziert habe, gab es nicht.

Anwalt Detlev Ströcker ist sich sicher, dass die Behörden über die konfiszierten Daten seines Mandanten, die sie gegen diesen nun nicht mehr verwenden dürfen, benötigten, um Beweise gegen Verdächtige aus der Szene zu sammeln. Ein bislang unbekannter Aspekt der Ermittlungen: Aus einem Chatverlauf mit einem Mitglied der Ultra-Szene geht hervor, dass Böckmann bei einer Vernehmung nach einem Preußen-Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld in der Saison 2014/15 wörtlich "vermutlich keinen erkennen" werde.

Das Landgericht sah allerdings auch in dieser Angelegenheit keinen Anfangsverdacht begründet, zumal diese von der Staatsanwaltschaft nicht weiter verfolgt oder geprüft wurde und bei der örtlichen Polizei kein Bildmaterial vorlag. In diesem Zusammenhang allerdings durchaus interessant: In der Begründung heißt es auch "Er ist oder war als Sicherheitsbeauftragter des Vereins Preußen Münster Bindeglied zwischen Polizei und den Fangruppen. Für eine erfolgreiche Arbeit benötigte er das Vertrauen beider Seiten. Um das Vertrauen insbesondere seitens der Ultras nicht zu gefährden, durfte er nicht den Eindruck erwecken, er arbeite in erster Linie zwecks Strafverfolgung mit der Polizei zusammen.

Dies schließt andererseits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Polizei im Rahmen seiner Möglichkeiten nicht aus. Die von ihm gewählte Formulierung allein ist deshalb nicht geeignet, einen die Durchsuchung rechtfertigenden Anfangsverdacht gegen den Beschuldigten zu begründen." Ströcker sagt: "Dass jemand in dieser Form rehabilitiert wird, habe ich noch nicht erlebt. Der Staatsanwaltschaft müssen die Folgen klar gewesen sein. Sie konnte ahnen, dass ihr Erkenntnisstand nicht reicht.

"Fakt ist, dass das Verhältnis zwischen Sicherheitsbehörden und Fanszene durch die Geschehnisse um den bislang so erfolgreichen Bindeglied zwischen beiden Polen nun noch um ein Vielfaches mehr belastet wird. Die Strategie der Staatsanwaltschaft wird immer deutlicher: so rigoros wie eben möglich, mit allen verfügbaren Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste gegen die immer wieder auffällig werdenden Gruppen der Ostkurve vorzugehen. Ins Bild passt auch die massive Zahl von Betretungsverboten (44), die am Samstag für vier Partien in Kraft traten. Münsters Ultras provozieren immer wieder hohe Geldstrafen durch einen völlig uneinsichtigen Umgang mit Pyrotechnik.

Zwar halten sich die Vorfälle außerhalb des Stadions (zumindest die bekannt gewordenen) in Grenzen, doch aus der Gemengelage hat sich eine Art Machtspielchen zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft auf der einen sowie Ultras auf der anderen Seite entwickelt. "Ein Kurswechsel ist in letzter Zeit klar erkennbar", sagt Ströcker. "Es war deutschlandweit das erste Mal, dass ein Sicherheitsbeauftragter so ins Visier von Ermittlungen geraten ist. Dabei muss er in seiner Funktion eigentlich einen besonderen Schutz genießen." Womöglich dieser Argumentation folgend hat auch der DFB, der Böckmann erst 2014 ein hervorragendes Zertifikat ausgestellt hatte, angekündigt, die Vorgehensweise zu prüfen.

"Wir sind an einer lückenlosen Aufklärung interessiert", wurde Sicherheitschef Hendrik Große-Lefert zitiert. Der Ex-Sicherheitsbeauftragte des SCP darf sich derweil zunächst als "rein gewaschen" betrachten, auch wenn formal noch eine weitere Strafverfolgung denkbar ist. Die bisherigen Kosten muss er nicht tragen. Ob es darüber hinaus noch Entschädigungsansprüche geben kann, ist bislang nicht bekannt.

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