Do., 18.05.2017

Fußball: 3. Liga Bei der Preußen-Ausgliederung geht Transparenz vor Schnelligkeit

Präsident Christoph Strässer (l.) und Aufsichtsratschef Frank Westermann sind weiterhin guter Dinge, die Ausgliederung vollziehen zu können.

Präsident Christoph Strässer (M.) und Aufsichtsratschef Frank Westermann (r.) sind weiterhin guter Dinge, die Ausgliederung vollziehen zu können. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Den ursprünglichen Plan, die Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft vor der Sommerpause zu vollziehen, hat der SC Preußen über Bord geworfen. Dennoch bleibt Präsident Christoph Strässer für die angestrebte GmbH & Co. KGaA zuversichtlich.

Von Alexander Heflik

Der Zeitplan für die Pläne zur Ausgliederung der Profiabteilung beim SC Preußen Münster hat sich nach hinten verschoben. Das Ziel der Gremien, möglichst im ersten Halbjahr 2017 die Dinge geregelt zu haben, war ambitioniert. Nun aber sind nicht alle Themen und Probleme abschließend besprochen, sodass die Mitglieder des 1906 gegründeten Vereins um Zustimmung gefragt werden könnten. „Wir wollen rechtssicher und transparent die Dinge im Verein vortragen. Alle betriebswirtschaftlichen Schwierigkeiten müssen geklärt sein“, sagt Clubchef Christoph Strässer.

Die Preußen, das war in den vergangenen Tagen für den Bundestagsabgeordneten der SPD eine Ablenkung bei der Arbeit in Berlin. Seine Partei hat aktuell ebenfalls eine Menge offener Fragen zu klären. Die eigentlich für den 11. Juni angestrebte Abstimmung bei den Preußen, zu der rund 2000 Vereinsmitglieder das Stimmrecht hätten, wird auf einen „Anlauf im Herbst“ verlegt.

So funktioniert eine GmbH & Co. KGaA

Die favorisierte Rechtsform der ausgegliederten Kapitalgesellschaft ist die GmbH & Co. KGaA. Per Definition funktioniert dieses Gebilde so: „Die GmbH & Co. KGaA ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), deren Komplementär eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist. Durch die Wahl dieser Mischform lässt sich die Haftung der Kommanditgesellschaft auf das Vermögen der GmbH beschränken, ohne die Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien aufgeben zu müssen. Die Kommanditisten dieser Gesellschaft sind weiterhin die Kommanditaktionäre der KGaA. Dabei ist die GmbH & Co. KGaA eine relativ junge Gesellschaftsform, da in der Rechtswissenschaft lange Zeit umstritten war, ob eine juristische Person (GmbH) persönlich haftender Gesellschafter einer KGaA sein kann. Erst der bestätigende Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 24. Februar 1997 schuf Rechtssicherheit und verhalf der GmbH & Co. KGaA so zu einer gewissen praktischen Relevanz. Zu den Unternehmen, die diese Rechtsform (wegen der 50+1-Regel) gewählt haben, zählen beispielsweise die Lizenzspielerabteilungen mehrerer Vereine der Fußball-Bundesliga wie Borussia Dortmund.“

In einem offenen Brief der Fanszene – angeführt von der Ultra-Gruppierung „Deviants“ sowie der „Gruppo Resistente“, zudem unterzeichnet von 18 weiteren Zusammenschlüssen von Anhängern – werden zehn „Anforderungen an eine mögliche Ausgliederung“ und den damit verbundenen Konsens gestellt. Es geht unter anderem um Werte und Embleme, transparente Bilanzen, regelmäßige Auskünfte an das Fanprojekt, die Übernahme von Verbindlichkeiten des Stammclubs sowie Rücksprache bei Kapitalerhöhung oder Anteilsverkäufen. Das Fanprojekt hat aus einer durchaus brisanten Podiumsdiskussion ein „öffentliches Treffen“ am 28. Mai gemacht. Tenor sei, dass „viele Fans vom bisherigen Ablauf enttäuscht sind“. Man warte auf Antworten des Clubs. Dass dieser den Fuß vom Gaspedal nimmt, ist im Sinne der Szene.

Das Präsidium hatte bereits in einer Fan-Versammlung über die Pläne berichtet und sich den Sportrecht-Experten Christoph Schickhardt als Berater an die Seite geholt. Seine Vorstellung an dem Abend überzeugte viele, die Frage- und Antwortrunde verlief überraschend positiv. Seitdem türmt sich die Arbeit beim Club aber.

Dotchev folgt Bischoff

Der Fußball schreibt nicht selten skurrile Geschichte. Dass Spieler ihrem Lieblingstrainer zu einem Verein folgen, ist gang und gäbe. Der umgekehrte Weg ist allerdings selten und ungewöhnlich. Zwei frühere Preußen beschreiten ihn dennoch jetzt. Amaury Bischoff wechselte im Winter aus Münster zum Drittliga-Rivalen Hansa Rostock. Nun schlägt Pavel Dotchev die gleiche Richtung ein. Die Vertragslaufzeit für den früheren SCP-Coach (Januar 2012 bis September 2013) an der Ostsee, wo Trainer Christian Brand am Wochenende nach dem 1:2 gegen RW Erfurt beurlaubt worden war, wurde noch nicht bekannt. Ebenso wenig, ob er am letzten Spieltag in Chemnitz. schon auf der Bank sitzt

Vor fünf Jahren holte Dotchev aus der zweiten portugiesischen Liga Bischoff an die Hammer Straße. Die erste Saison des Franzosen in Münster war mit Abstand seine beste, weil er auf dem Platz viele Freiheiten genoss und der Coach die Mannschaft auf seine Stärken ausrichtete. Nach dem um Haaresbreite und mit 72 Punkten verpassten Aufstieg sowie der Freistellung seines bulgarischen Förderers fiel der Spielmacher in ein Loch, aus dem er sich zwar teilweise befreite – doch unter den Dotchev-Nachfolgern Ralf Loose, Horst Steffen und Benno Möhlmann fand er nie wieder seine Gala-Form.

„Ich verstehe die Skepsis, die Kritik ist angekommen“, stellt Strässer klar. Schließlich hat er selbst gesagt, dass eine breite Zustimmung bei einer Mitgliederabstimmung praktisch ein Imperativ sei. Die Rede ist von 75 Prozent. Zwar fordere das die aktuelle Vereinssatzung nicht, dennoch könnte das im Sinne des bei der Ausgliederung geltenden Umwandlungsgesetzes doch relevant werden: Gemeint ist die breite Zustimmung der Mitglieder.

Auch Aydin geht

Der sechste Abgang am Saisonende steht fest. Mirkan Aydin verlässt die Preußen nach fünf Monaten. Der 29-Jährige war erst im Januar vom schwedischen Zweitligisten Dalkurd FF gekommen und kam in 13 Partien auf fünf Tore und zwei Assists. Allerdings war der Stürmer auch länger verletzt und musste oft auf dem linken Flügel ran.

Es bleibt einiges zu tun, eine Reihe von juristischen und wirtschaftlichen Fragen sind zu klären. Möglicherweise ist die darauf spezialisierte Unternehmensberatung KPMG bald damit beschäftigt. Der Verein benötigt „Hilfe von außen“ (Strässer) bei der Bewältigung der komplexen Hausaufgaben. Der Präsident und seine Mitstreiter um den Aufsichtsratschef Frank Westermann bleiben aber optimistisch, dass ein großer gemeinsamer Weg gefunden wird. Die Ausgliederung sei, so Strässer, der Schlüssel auf dem Weg in eine gute Zukunft.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4854520?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F