Fußball: 3. Liga
Der Absturz der Preußen auf Platz 19 hat mehrere Gründe

Münster -

Der Absturz in der Tabelle lässt sich nicht mehr ausblenden, zuletzt stimmte aber auch die Leistung der Preußen nicht mehr. Nach dem Saison-Tiefpunkt in Jena kommt es zum Derby gegen Osnabrück. Für den Niedergang gibt es Gründe.

Dienstag, 26.09.2017, 01:09 Uhr

Nichts zu machen: Preußen-Stürmer Tobias Rühle (r.) ist kein Knipser und brachte den Ball auch in Jena nicht an Keeper Raphael Koczor vorbei.
Nichts zu machen: Preußen-Stürmer Tobias Rühle (r.) ist kein Knipser und brachte den Ball auch in Jena nicht an Keeper Raphael Koczor vorbei. Foto: Thomas Corbus

Im siebten Drittliga-Jahr haben die Preußen zum dritten Mal einen Fehlstart hingelegt. Entweder Münster ist nach zehn Runden ganz oben dabei – oder aber steckt entsprechend der aktuellen Lage tief im Keller. So wie 2013, als Trainer Ralf Loose gerade Pavel Dotchev abgelöst hatte und nach dem 1:2 beim 1. FC Heidenheim weiter 17. war. Wie 2016, als Coach Horst Steffen als 19. mit dem 0:1 beim VfR Aalen seinen Hut nehmen musste.

Dessen Nachfolger wurde Benno Möhlmann. Und der hat nun mit seiner Elf erneut das erste Viertel der Spielzeit in den Sand gesetzt. Abgerutscht von Rang zwölf auf 19 mit dem 0:2 in Jena. Erst neun Punkte (zwei mehr als im Vorjahr) und natürlich miese Stimmung. Anders als seine Vorgänger ist der Trainer-Routinier derzeit nicht gefährdet. „Unser erster Gedanke ist, die Probleme gemeinsam zu lösen“, sagt Malte Metzelder , als Sportchef selbst noch in der Rookie-Phase. Würde er Möhlmann feuern, müsste er ihn eigentlich als Feuerwehrmann gleich wieder einstellen.

Trainerwechsel kein Thema

Denn das Profil, das der Mannschaft helfen könnte, wäre kein anderes als im Vorjahr. Klar ist aber auch, dass die finanzielle Lage kaum Spielraum lässt. Und wer würde solche Entscheidungen eigentlich mit Metzelder einleiten? Bruder und Aufsichtsrat Christoph? Dessen Gremiumskollege Jochen Terhaar? Präsidiumsmitglied Walther Seinsch, der sich zuletzt weit zurückgezogen hat?

Nein, ein Trainerwechsel ist kein Thema. Vielmehr fordert Metzelder die Mannschaft. „Jeder muss sich hinterfragen, ob er alles gibt“, sagt der 35-Jährige. „Die Spieler müssen für sich beantworten, ob sie bereit sind, alles abzurufen, und warum sie die Dinge nicht umsetzen, die abgesprochen sind.“

Sportlich ausgeglichene Liga

Fairerweise muss man sagen, dass der SCP in dieser Saison wenig Glück mit Schiedsrichter-Entscheidungen hatte (Rostock, Zwickau, Paderborn, Jena), dass ein klares Plus an Ballbesitz und Chancen unbelohnt blieb (Bremen, Magdeburg, Zwickau), dass gegen Aalen in der Nachspielzeit das Gegentor fiel.

Und zur Wahrheit gehört auch, dass es nur vier Zähler bis zu Platz sieben sind. Die 3. Liga ist enger denn je. „Aber Jena etwa war ein äußerst schwacher Auftritt“, sagt Metzelder. „Das darf sich nicht wiederholen. Gegen Zwickau war es ähnlich desolat. In Paderborn und gegen Aalen hatte ich das Gefühl, dass wir eine gewisse Stabilität haben.“

Fußball: 3. Liga: FC Carl Zeiss Jena vs. Preußen Münster

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Am Samstag (14 Uhr) kommt es zum Derby gegen den VfL Osnabrück. Bis dahin wird Möhlmann seine Mannschaft gezielt vorbereiten. Der 63-Jährige wird als Motivator weniger gefragt sein denn als Taktikfuchs. Die Probleme seiner Elf sind ihm seit Wochen bekannt.

Aktuelle Defizite

►  Keine Stabilität im Mittelfeld: Das 4-1-4-1 funktioniert nicht, auch mangels passenden Personals. Danilo Wiebe war als alleiniger Sechser zu zweikampfschwach, für Simon Scherder ist es nicht die Idealposition. Am besten schlug sich noch Innenverteidiger Sebastian Mai. Dass Martin Kobylanski selten Zweikämpfe führt und Michele Rizzi vor der Pause zu oft abtaucht, verschärfte den Zustand. Mit Nico Rinderknecht kam etwas mehr Robustheit. Nun könnte noch mal die Stunde des zumindest laufstarken Sandrino Braun schlagen.

►  Keine Flügel-Impulse: Ein massives Defizit. Die Außenverteidiger Stéphane Tritz und Fabian Menig sind vornehmlich auf Defensive gepolt. Davor fehlt Moritz Heinrich, Philipp Hoffmann, Jeron Al-Hazaimeh , Tobias Rühle oder Kobylanski trotz ordentlicher Ansätze jede Konstanz. Eine Wunschbesetzung? Existiert nicht.

►  Der Abschluss: Adriano Grimaldi und Tobias Warschewski sind verletzt. Jetzt klemmt es erst recht. Nur acht Tore sind ein kläglicher Wert. Sinnbildlich, wie Rühle in Jena vergab. Aber auch die Kollegen sind ja nicht besser. Gegen Bremen, Magdeburg, Rostock, Zwickau oder Aalen blieben Chancen ohne Ende liegen.

Der Kader für die Saison 2017/18 - Kurzporträts

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  • Das ist das Aufgebot des SCP für die neue Saison:
    (oben von links) Nico Rinderknecht, Fabian Menig, Simon Scherder, Adriano Grimaldi, Sebastian Mai, Ole Kittner, Jeron Al-Hazaimeh, Lion Schweers, Lennart Stoll, Philipp Hoffmann, (Mitte von links) Trainer Benno Möhlmann, Co-Trainer Sven Kmetsch, Torwarttrainer Milinko Gilic, Benjamin Schwarz, Stéphane Tritz, Sandrino Braun, Michele Rizzi, Tobias Rühle, Athletiktrainer Christian Krabbe, Physiotherapeut Matthias Haase, Teammanager Harald Menzel, Sportdirektor Malte Metzelder, (unten von links) Zeugwart Norbert Bussmann, Zeugwart Jürgen Keseberg, Martin Kobylanski, Nils Körber, Max Schulze Niehues, Luis Klante, Lucas Cueto, Mannschaftsarzt Dr. Cornelius Müller-Rensmann, Mannschaftsarzt Dr. Tim Hartwig. Auf dem Mannschaftsbild fehlen Tobias Warschewski und Moritz Heinrich.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Max Schulze Niehues (28 Jahre/Rückennummer 35): Die Ruhe selbst, immer mindestens solide, keine Extravaganzen. Der Freckenhorster war schon in der Jugend Preuße und ist es nun schon seit 2011 wieder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nils Körber (20/1): Herausforder aus der Hauptstadt. Das Hertha-Talent ist für ein Jahr ausgeliehen. Er pflegt einen draufgängerischeren Stil. Hatte Glück und konnte sich in den Tests öfter auszeichnen. Beherrscht den Strafraum, kommt früh raus.

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  • Luis Klante (18/37): Klar definierte Rolle als Nummer drei, steht in der Regel für die U 19 im Bundesliga-Tor. Zuletzt ausgebildet in Hoffenheim.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz (30/2): Unter Trainer Benno Möhlmann aufgeblüht. Nie spektakulär, nie torgefährlich, aber dafür glänzend im Stellungs-, clever im Passspiel. Der Franzose ist, klammert man Schwarz aus, inzwischen der Oldie.

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  • Sebastian Mai (23/26): Der Sachse macht den Mund auf, Sprecher der Viererkette. Hat großartige Anlagen, leistete sich aber immer wieder Fehler. Dass er ein etwas verrückter Typ ist, sagt er selbst.

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  • Lion Schweers (21/25): Shootingstar der vergangenen beiden Jahre. Für sein Alter mit einer bemerkenswerten Ruhe am Ball und im Zweikampf – womit der Dortmunder durchaus bereits Proficlubs auf sich aufmerksam gemacht hat.

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  • Jeron Al-Hazaimeh (25/29): Darf seinen oftmals immensen Vorwärtsdrang neuerdings auch im Mittelfeld ausleben. Extrem treffsicher für einen Außenverteidiger. Kleine Konzentrationsschwächen im Rückwärtsgang. Neben dem Platz ein höflicher, aber eher stiller Vertreter.

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  • Ole Kittner (29/13): Ein echter Anführer, wären da nicht die häufigen kleineren Wehwehchen. Strahlt auf dem Feld Ruhe aus, kommt im Mannschaftskreis super an. Der gebürtige Münsteraner war bis letzten Sommer für über drei Jahre auch aufgrund diverser Knieverletzungen vereinslos und ohne Praxis.

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  • Fabian Menig (23/5): Erfahrenster Neuzugang aus Aalen, hat die Freiburger Fußballschule absolviert. In der Defensive kann er alles spielen, jede Position in der Viererkette und sogar auf der Sechs. Hat sich schnell eingelebt und von Beginn an immer ein Lachen im Gesicht.

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  • Simon Scherder (24/15): Ihn durfte der SCP nicht gehen lassen. Seit 2006 Preuße, das wirft man auch nach zwei Jahren Kreuzband-Pause nicht weg. Der Junge aus Dreierwalde tastet sich nun langsam, aber durchaus erfolgreich wieder ran.

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  • Michele Rizzi (29/8): „Hinrunde Schrott, Rückrunde top“ – so fasste der Mittelfeldmann die Vorsaison zusammen. Auch er selbst steigerte sich nach der Winterpause deutlich. Nachdem er die Kapitänsbinde abgab, ist er nun wieder Vize. Ein echter Fixpunkt.

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  • Danilo Wiebe (23/21): Am Ball mit allen Fähigkeiten, kann ein Spiel lesen. Doch noch taucht er zu oft ab. Cleverer Bursche, der in dieser Saison im 4-1-4-1 mehr Verantwortung trägt und nun den nächsten Schritt in der Entwicklung gehen muss.

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  • Sandrino Braun (29/6): In seinem ersten Preußen-Jahr fand er kaum seinen Rhythmus und leistete sich rätselhafte Ballverluste. Nun will (und muss) der Träger stylischer Hüte allen Kritikern zeigen, dass er mit fast 150 Drittliga-Partien kein Fehleinkauf ist.

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  • Nico Rinderknecht (19/17): Für ein Jahr aus Ingolstadt ausgeliehen, wo er als zentraler Mittelfeldspieler in der Reserve sechs Tore machte. Hat auch schon fünf Minuten (für Eintracht Frankfurt, gegen Borussia Dortmund) in der Bundesliga gekickt. Kurz vor dem Saisonstart im Pech und durch eine Verletzung zurückgeworfen.

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  • Benjamin Schwarz (30/23): Erfahrung, Energie und Laufbereitschaft des Routiniers mit dem bayrischen Akzent täten der jungen Truppe gut. Doch frühestens im Frühjahr wird er nach seiner x-ten Knie-OP wieder ein Thema. Der Ur-Münchener würde seine Karriere danach gerne in Münster fortsetzen.

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  • Lennart Stoll (21/18): Backup hinten rechts? Oder Allrounder im Mittelfeld? So oder so hält Möhlmann eine Menge vom wissbegierigen und waschechten Münsteraner, der nicht mehr weit weg ist von einem Stammplatz.

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  • Lucas Cueto (21/7): Für den 1. FC Köln schoss er einst die Tornetze der Jugend-Bundesliga auseinander. In der Schweiz beim FC St. Gallen folgte ein kleiner Knick, auch aufgrund von Verletzungen. Die bremsten ihn bisher auch bei den Preußen weitgehend aus.

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  • Philipp Hoffmann (25/20): Sympathieträger neben dem Feld, Hoffnungsträger auf dem Rasen. Ein Patellasehnenriss kostete ihn fast ein Jahr der Karriere. Nun hat er sich wieder ganz nah an die erste Elf herangerobbt. Findet er seine alte Form, ist er eine variable Waffe.

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  • Martin Kobylanski (23/10): Stolzer neuer Träger der Nummer 10. Wie aus der Pistole geschossen antwortete er auf die Frage nach dem Preußen-Gründungsjahr – „1906“! Hat sich als Winter-Einkauf von der ersten Sekunde an komplett auf den neuen Club eingelassen. Feste Größe, muss aber noch Konstanz finden.

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  • Moritz Heinrich (20/27): Ein Löwe, seit er sechs ist. Nun plötzlich im Adlerhorst gelandet. Spannende Vita, in Münster will er seiner Laufbahn wieder neuen Schwung verleihen. Möhlmann fand ihn als A-Junioren bei den Sechzigern schon spannend.

    Foto: Thomas Rellmann
  • Tobias Rühle (26/11): Kann mehr als nur Freistöße und Elfmeter herausholen. Stets unterwegs, muss sich von Hintermann Tritz oft ein „Rülle, Rülle“ anhören. Fehlt in keiner Wunschelf – jedoch dürfte es etwas mehr als nur ein Tor in der Saison sein.

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  • Adriano Grimaldi (26/39): In seiner Rolle als Kapitän geht er förmlich auf. Hält die Bälle, leitet sie weiter, drückt sie mit Fuß oder Kopf ins Tor. Aktuell ist er der Schlüsselspieler schlechthin. Bleibt er diesmal fit, wird er wahrscheinlich noch mal für Zweitligisten interessant.

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  • Tobias Warschewski (19/16): Kaum zu glauben, nun beginnt sein erstes echtes Seniorenjahr. Will gerne mehr sein als nur Joker, sammelte Erfahrung bei der U-19-Nationalelf, steht auf der Wunschliste diverser Bundesligisten. Doch Preußen will ihn natürlich auch längerfristig binden. Ist noch etwas unorganisiert, dafür als Youngster durchaus anerkannt im Team.

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