Fußball: 3. Liga
In Siebenmeilenstiefeln unten raus – Preußen Münster schlägt Hansa Rostock

Münster -

Was für ein Abend: Im dritten Flutlichtspiel unter der Regie von Marco Antwerpen im Preußen-Rund gab es den dritten Sieg. Mit 2:0 wurde Hansa Rostock aus dem Weg geräumt. Münster springt auf Rang zwölf. Stark.

Dienstag, 27.02.2018, 15:02 Uhr

Mit besten Genesungswünschen: Torschütze Martin Kobylanski hält das Trikot des verletzten Danilo Wiebe hoch. Da ist was zusammengewachsen bei den Preußen.  
Mit besten Genesungswünschen: Torschütze Martin Kobylanski hält das Trikot des verletzten Danilo Wiebe hoch. Da ist was zusammengewachsen bei den Preußen.   Foto: Jürgen Peperhowe

Und plötzlich geht es in Siebenmeilenstiefeln raus aus dem Keller, dem Untergeschoss der 3. Liga. Die Bilanz im Jahr 2018 ist, ja, schon beeindruckend. Unter Marco Antwerpen wurden alle drei Heimpartien gewonnen, zwölf von 18 möglichen Zähler gefischt. Der eigentlich ungefährdete 2:0 (1:0)-Heimsieg über Hansa Rostock, immerhin Vierter, vor 8310 Zuschauern sah einen durch und durch überzeugenden SC Preußen Münster. Das Polster zu den Abstiegsrängen wächst schneller, als Osterglöckchen im Frühjahr. Sind das die gleichen Spieler, die im Herbst den eigenen Anhang zunächst zur Weißglut trieben und dann fast schon in eine fassungslose Lethargie befördert hatten? Ja, das sind sie, und die Kerle können viel besser kicken, als man denkt.

„Das 1:0 war sensationell, auch wie die Mannschaft Martin Kobylanski dafür freigespielt hat. Dann sind wir auch in der zweiten Halbzeit sehr präsent gewesen“, resümierte Coach Antwerpen zufrieden. Er ist angekommen beim SCP, wo er drei Mal als Profi in seiner aktiven Karriere aktiv war. Jetzt ist er der Vorturner, der Taktgeber, der Hoffnungsträger. Manche nennen das eine Punktlandung, was er gemeinsam mit Co-Trainer Kurtulus Öztürk in den letzten Wochen zustande gebracht hat. Der SCP macht wieder positiv von sich reden, und Antwerpen kündigt mutig an: „Es ist schwer für die Gegner in Münster, einen Rückstand aufzuholen. Hier werden noch andere verlieren.“

Diese Worte richtete Antwerpen an Rostocks Übungsleiter Pavel Dotchev, es sollte irgendwie tröstlich sein für einen Club, der im Aufstiegsrennen einen herben Dämpfer hinnehmen musste. Der, also Dotchev, war sichtlich angefasst nach der Partie. Wegen der Niederlage, wegen der Leistung seiner Schützlinge, wegen der atmosphärischen Schwingungen zwischen den Reservebänken und in der Coaching-Zone. Dass sich Co-Trainer Öztürk an ihn gewandt hätte im Spiel, würde wohl gar nicht gehen, befand Dotchev. War das wirklich Majestätsbeleidigung? Die Redefreiheit gestattete Dotchev nur den Cheftrainern, so oder so ähnlich meinte er das. Marco Antwerpen wollte kein Fass aufmachen, wieso auch nach einem Sieg. Aber zumindest fügte er an: „Das steht doch wohl nirgends geschrieben, dass sich der Co-Trainer nicht einmischen darf am Spielfeldrand. Außerdem finde ich es nicht korrekt, dass Gelbe Karten für die Gegner gefordert werden.“ Es war ein Fingerzeig Richtung Rostocker Reservebank. Dann gab man sich die Hand.

Denn rein sportlich gab es keine zwei Meinungen über die Mannschaft, die dieses Spiel gewonnen hatte. Münster hatte verdient die Punkte behalten. Ein fulminanter Fernschuss von Martin Kobylanski in das obere rechte Toreck nach zehn Minuten wies den Weg. Von da an war der SCP griffiger, energischer in den Zweikämpfen, schneller im Aufbau, und auch die Truppe, die einige richtig gute Torchancen hatte. Nach 56 Minuten war der Drops gelutscht, als Simon Scherder die kluge Kopfball-Verlängerung von Ole Kittner zum 2:0 einköpfte. Adriano Grimaldi und Philipp Hoffmann hatten weitere Hochkaräter, während der Tabellenvierte aus Rostock erst kurz vor Schluss durch Pascal Breier gefährlich vor Münsters Schlussmann Max Schulze Niehues auftauchte. Das war zu wenig an diesem Abend.

„Die Jungs haben sich komplett belohnt“, frohlockte Antwerpen. Wieder blieb der SCP im eigenen Stadion ohne Gegentor wie schon gegen Würzburg (1:0) und Erfurt (5:0). Wieder zogen alle an einem Strang – Härtefälle wie dieses Mal Michele Rizzi als Ersatzspieler begehrten nicht auf. Sorgenkindern wie Tobias Warschewski wurde mit einem Kurzeinsatz signalisiert, dass er voll dazugehört. Sprach das Team in den letzten Monaten stets davon, dass trotz der sportlichen Talfahrt alle gut miteinander können, so wird das jetzt auch auf den Platz transportiert und sichtbar. Der Lohn war der Sieg, der Hüpfer auf Platz zwölf, das dicke Polster zu den Abstiegsrängen, ein richtig gutes Gefühl – und zwei trainingsfreie Tage am Sonntag und Montag. Profifußball kann manchmal einfach nur schön sein, oder?

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