Fußball: 3. Liga
Preußen gönnen sich vor und nach Akono-Tor Auszeiten gegen Halle

Münster -

Dieser Nachmittag war einer zum Vergessen für Preußen Münster. Statt des 100. Drittliga-Siegs gab es eine 1:2-Heimpleite gegen den Halleschen FC. Es war gleichzeitig die erste Niederlage zu Hause unter Trainer Marco Antwerpen.

Sonntag, 22.04.2018, 20:04 Uhr

Verbissener Kampf: Ex-Preuße und Torschütze Erik Zenga (links) und Sandrino Braun.
Verbissener Kampf: Ex-Preuße und Torschütze Erik Zenga (links) und Sandrino Braun. Foto: Jürgen Peperhowe

Nun gut, so richtig schwer ins Gewicht fällt diese Niederlage nicht. Der Klassenerhalt ist geschafft, die Luft ist nun etwas raus, Punktspiele gegen Konkurrenten, denen es ähnlich ergangen ist, sind dann auch Wundertüten. Mal ist etwas Besonderes zu finden, mal weniger. Der SC Preußen Münster hatte sich das mit fast allen der 5786 Zuschauer anders ausgemalt, dieses vorletzte Heimspiel am 35. Spieltag der Saison 2017/18 in der 3. Liga. Am Ende war das Team von Trainer Marco Antwerpen mit der 1:2 (1:1)-Niederlage gegen den Halleschen FC sogar noch redlich bedient.

Das Positive vorweg: Cyrill Akono traf nach 35 Minuten auf Vorarbeit von Adriano Grimaldi und auch San­drino Braun zum 1:0. Der 18 Jahre alte angehende Abiturient aus Südkirchen, der dieser Tage die Abschlussklausuren in Deutsch und Mathe vor der Brust hat, hatte sich im Training förmlich aufgedrängt. „Letztlich bringt das nichts für die Mannschaft und mich. Das Tor würde ich sofort gegen einen Sieg eintauschen“, sagte er. Nach 54 Minuten war sein Arbeitstag beendet, weil Coach Antwerpen taktisch versuchte, das Unheil zu stoppen. Der SCP-Trainer fand jedenfalls: „Das war gut von ihm. Wenn er in solche Situationen kommt, dann bleibt er kühl.“ Münsters glückliche Führung währte allerdings auch nur sechs Minuten.

Drei Fragen an Philipp Hoffmann

Etwas überraschend kam Philipp Hoffmann als verkappter Rechtsverteidiger für den gesperrten Fabian Menig zum Einsatz – und nicht Lennart Stoll.

 

Wie lief es in ungewohnter Rolle?

Hoffmann: Es war auf jeden Fall eine Umstellung, aber früher in Saarbrücken habe ich das auch öfter schon gespielt. Es war ein Test. Variabel einsetzbar zu sein, ist immer gut.

Warum kam Ihr Team nicht in Tritt?

Hoffmann: Es war eine Stufe schlechter als letzte Woche in Köln. Oft war im Mittelfeld schon der Aufbau nicht gut.

 

Gibt‘s am Sieg für Halle etwas zu deuteln?

Hoffmann: Nein, der Gegner hatte die klareren Chancen, das war schon verdient, auch wenn es in der zweiten Halbzeit relativ ausgeglichen war.

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Davor und danach hatten die Preußen an diesem Sonntag wenig zu bestellen. Ein gebrauchter Tag irgendwie. „In der Vorwoche in Köln hat alles gepasst“, meinte Antwerpen in Anspielung auf den 4:2-Auswärtserfolg bei der Fortuna, mit dem letzte Restzweifel am Ligaerhalt eindrucksvolle ausgeräumt worden waren. Nun sagte er: „Diesmal sitze ich hier und erkläre meine erste Heimniederlage. Wir haben die ganze Zeit um ein Tor gebettelt.“

Cueto schaut nur zu

Lucas Cueto war zum zweiten Mal nicht im Drittliga-Spieltagskader zu finden. Er sollte zum zweiten Mal in der U-23-Auswahl der Preußen in Clarholz aushelfen und Spielpraxis sammeln. „Er hat muskuläre Probleme“, sagte Sportchef Malte Metzelder kurz und knapp eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff des Preußen-Heimspiels gegen Halle. Auf der Bank der Hausherren nahmen so oder so nur fünf statt sechs Feldspieler Platz. Cueto saß derweil auf der Tribüne und sah dem Treiben der Kollegen zu. „Er muss mehr zeigen, wenn er sich als Spieler in der 3. Liga durchsetzen will“, hatte Trainer Antwerpen am Freitag noch gesagt. Es klang wie ein Aufforderung und unterstrich die Unzufriedenheit des Fußballlehrers mit seinem Spieler. Es könnte also gut sein, dass auch der 22-Jährige sich im Sommer auf dem Markt umschauen muss.

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Tatsächlich konnte der SCP nicht an die teilweise hervorragenden Leistungen der Vorwochen anschließen. Weder Kampf noch Kondition oder Kunst. Schon nach einer Viertelstunde hätten die Hausherren deutlich zurückliegen müssen und konnten sich vor allem bei Torwart Max Schulze Niehues bedanken, dass die Null noch stand. Zudem klärte für ihn Lion Scheers spektakulär auf der Linie einen Schuss von Klaus Gjasula (11.).

Doch Halle war an diesem Tag einfach die bessere Mannschaft. Einziges Manko: die mangelhafte Chancenverwertung. Was er – bitteschön – noch hätte anders machen sollen, fragte Antwerpen rhetorisch. Münster habe das System geändert, einen Sechser eingewechselt, einen Stürmer gebracht, dieses und jenes. Es funktionierte nicht. „Das war in Summe keine gute Mannschaftsleistung“, befand er. Die Gäste dagegen liefen 90 Minuten wie Duracellkicker über das Feld. Dem Ausgleich durch den Ex-Preußen Erik Zenga (41.) ging eine tolle Kombination auf der linken Seite voraus, kurz vor der Pause war der HFC zurück. Chancen eben in Hülle und Fülle. Die Preußen liefen dagegen nur der Musik hinterher. Zenga: „Das 0:1 ist blöd gelaufen, aber wir waren die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen.“ Auch nach der Pause fand Münster nicht ins Spiel, Chancen blieben Mangelware, bis auf einen Lattenkopfball von Simon Scherder (80.). Halle hätte da schon längst auf der sicheren Seite sein können. Aber das 2:1 durch Mathias Fetsch (77.) spiegelte die Verhältnisse korrekt wieder. Das war nichts für die Preußen.

Schlüsselszene nach 33 Minuten

Eine Szene nach 33 Minuten hatte es in sich: Nach einem langen Ball von Simon Scherder fing HFC-Keeper Tom Müller den Ball im Sechzehner, machte aber notgedrungen im Laufen einen Schritt über die Linie. Also gab es Gelb und Freistoß für den SCP. Nach kurzem Zwiegespräch setzte Adriano Grimaldi sich durch gegen Martin Kobylanski (nächste Woche nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt) – und jagte den Ball in die Mauer. Nicht weiter bedenklich, ein echter Streit ging dem nicht voraus. Halles Trainer Rico Schmitt aber sagte: „Das war die Schlüsselszene, als sich vier, fünf meiner Jungs reingeworfen haben. Da habe ich gemerkt: Sie wollen das Spiel gewinnen, trotz der vorher vergebenen Chancen.“

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