Fußball: Amateure vs. Profis
Zweikampf statt Doppelpass – Kluft zwischen Basis und Beletage wird größer

Lüdinghausen -

Spieler, die für 222 Millionen Euro den Verein wechseln. Revierderbys am Sonntagnachmittag. Champions-League-Partien am frühen Abend. Und die Amateurklubs sind angeschmiert. Die WN haben sich an der Basis umgehört.

Freitag, 22.06.2018, 18:56 Uhr

Wenn die beiden großen Revierclubs Schalke und Dortmund an einem Sonntagnachmittag – so geschehen im April – aufeinandertreffen, schauen die Amateurvereine in die Röhre.
Wenn die beiden großen Revierclubs Schalke und Dortmund an einem Sonntagnachmittag – so geschehen im April – aufeinandertreffen, schauen die Amateurvereine in die Röhre. Foto: dpa

Manuel Neuer, Mats Hummels, Toni Kroos, Timo Werner: Sie alle spielen in diesen Tagen für die deutsche Nationalmannschaft. Dass sie in Russland auf dem Platz stehen, haben sie nicht zuletzt den Amateurvereinen zu verdanken, bei denen sie als Kinder die Begeisterung fürs Kicken gewonnen haben. Und auch der DFB wird nicht müde, in Kampagnen wie „Unsere Amateure. Echte Profis“ die Wichtigkeit des Amateurfußballs zu unterstreichen. Doch kümmern sich die großen Verbände wirklich genug um die Basis? Oder sind die Slogans am Ende leere Versprechen? Nachfrage vor Ort bei Union Lüdinghausen, BW Ottmarsbocholt und dem TuS Ascheberg.

Union-Vize bedient

Spricht man Daniel Schürmann auf den DFB an, gerät er in Rage: „Der Amateurfußball wird vom DFB systematisch kaputt gemacht“, meint der Vize-Abteilungsleiter Fußball von Union. Seine Liste der Probleme ist lang: Horrende Verbandsausgaben, Aufstiegsspiele, die ein Team um den Lohn einer kompletten Saison bringen und die Sonntagsspiele in der Bundesliga. „Die Imagekampagnen finde ich scheinheilig, bisher hat sich noch niemand hier blicken lassen. Einen Austausch gibt es einfach nicht“, erklärt er.

Ein Eindruck, den Manfred Trahe vom TuS Ascheberg bestätigen kann. „Mit unserem Fußballkreis läuft die Zusammenarbeit gut, aber von weiter oben kommt wenig bis gar nichts. Dabei wäre gerade ein Dialog in Sachen Spieltagsgestaltung förderlich. Spielt einer der großen Revierclubs am selben Tag wie wir, können wir uns auf Verluste bei den Einnahmen einstellen“, kritisiert der TuS-Abteilungsleiter.

Weniger Zuschauer, weniger Einnahmen

Das Problem mit Bundesligapartien am Sonntag kennt auch Christian Schmauck, Abteilungskoordinator des SC Blau-Weiß Ottmarsbocholt, obwohl es bei seinem Verein nicht ganz so stark ins Gewicht falle. Ihn nervt da eher eine Regelung im Jugendbereich: „Früher war Stichtag bei den Mannschaftseinteilungen der August, seit einiger Zeit ist es der Januar – was leider Kinder aus derselben Schulklasse auseinanderreißt. Das ist gerade für kleinere Orte natürlich ärgerlich“, so Schmauck.

Jugendfußball ist auch für Schürmann ein gutes Stichwort: „Persönlich meide ich mittlerweile die Bundesliga. Ich frage mich halt: Warum das ganze Geld? Da kann man sich besser ein Nachwuchsspiel angucken, bei dem die eigenen Kinder mit Spaß dabei sind“, findet er.

Champions League zur besten Trainingszeit

Doch natürlich sind sich die hiesigen Funktionäre der Popularität des Profifußballs bewusst. „Wer eine Dauerkarte hat, der lässt diese ungern verstreichen. Zudem ist das Bedürfnis nach Spitzensport und seinem Lieblingsverein ja einfach da“, erklärt Trahe. Eine Verbindung beider Hobbys – selbst spielen und den Idolen zuschauen – wird jedoch immer schwieriger. Zur kommenden Champions-League-Saison hat die Uefa die Anstoßzeiten von vorher einheitlich 20:45 auf nun 18:55 und 21 Uhr angesetzt. Schon jetzt befürchten die Abteilungsleiter deshalb Auswirkungen auf ihren Trainingsbetrieb.

Die Verbände vergrößern also weiter die Kluft zwischen Profi- und Amateurfußball. Dabei wäre ein Miteinander die bessere Lösung – für beide Seiten.

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