Do., 31.10.2013

Interview mit Prof. Dr. Martin Nolte über Sanktionen und „saubere Sportler“ Sportrechtler: Doping-Freigabe löst Problem nicht

Eine Laborantin dekantiert im Institut für Biochemie in der Sporthochschule in Köln eine Urin-Dopingprobe (Archivbild).

Eine Laborantin dekantiert im Institut für Biochemie in der Sporthochschule in Köln eine Urin-Dopingprobe (Archivbild). Foto: Oliver Berg

Münster - 

Nach dem Prozess gegen den Doping-geständigen Radprofi Stefan Schumacher ist die Diskussion, wie und mit welchen strafrechtlichen Sanktionen Doping im Sport begegnet werden sollte, wieder voll entbrannt. Unser Redakteur Jürgen Beckgerd befragte den renommierten Sportrechtler Prof. Dr. Martin Nolte. Der 46-Jährige lehrt seit 2011 an der Deutschen Sporthochschule Köln mit dem Schwerpunkt Sportrecht.

Von Jürgen Beckgerd

Herr Professor Nolte , wie und nach welchen Grundlagen wird ein überführter Dopingsünder heute bestraft?

Prof. Dr. Martin Nolte: Nach staatlichem Recht nach dem Betrugsstraftatbestand, sofern der gedopte Sportler im Wettbewerb einen Gewinn erwirkt oder im Zusammenhang mit Sponsoring steht, macht er sich strafbar. Allerdings ist die Einnahme von Doping-Substanzen straflos.

Das geltende Arzneimittelrecht, das ja oft als Anti-Doping-Gesetz-Ersatz gesehen wird, greift also nicht ausreichend?

Nolte: Genau, weil es nicht die Chancengleichheit im Auge hat, sondern das In-Verkehr-Bringen von Dopingmitteln beispielsweise durch Ärzte oder das Umfeld des Sportlers ahndet.

Brauchen wir denn ein Anti-Doping-Gesetz?

Nolte: Was soll denn da drinstehen? Der Ruf nach dem Staat stellt sich leicht. Aber wenn man gesetzliche Grundlagen schafft, muss man sich im Klaren sein, was da geregelt werden soll. Etwa als „Schutzgut“ der wirtschaftliche Wettbewerb?

Welche Grundlage hat denn die Forderung nach „sauberen Sportlern“: Nur den der Fairness, soll der Staat also unmoralisches Handeln ahnden?

Nolte: Genau. Nach dem Nada-Code ( Nationale Anti-Doping-Agentur ) geht es um Fair Play, Chancengleichheit und die Gesundheit des Sportlers. Wie Sie schon gefragt haben, resultiert Fairness in erster Linie aus einem ethisch-moralischen Grundsatz. Wenn der Staat sich dessen annehmen würde, wäre das ja das Gleiche, wie wenn er sich des Ehebruchs annimmt. Das hat doch nichts mit strafrechtlichen Grundlagen zu tun.

Also: Ist der staatliche Eingriff in das selbstbestimmte Wohl und Wehe des Sportlers denn dann überhaupt legitim. Muss man den dopenden Sportler vor sich selbst schützen?

Nolte: Nein. Der kann tun, was er will. Sonst müsste man ihm ja auch das Rauchen und Alkohol trinken verbieten.

Zurück zum Betrugsstraftatbestand. Ist der denn anwendbar auf dopende Sportler?

Nolte: Ja. Ähnlich dem Fall Ullrich : Wenn Sponsoring, also die Vermarktung des Wettkampfes, unter dem Einfluss von Doping stattgefunden hat.

Wenn aber alle dopen (dürften) – dann gäbe es doch auch keine Geschädigten?

Nolte: Das ist ja das Sibyllinische an den Aussagen von Jan Ullrich, er habe niemanden betrogen; es hätten ja alle gedopt. Eine Freigabe wäre meines Erachtens keine Lösung des Problems und würde das Ansehen des Sports schädigen, wäre zudem konträr dem Gesundheits- und Wohlfahrtsgedanken. Da hinein spielt auch eine staatliche Förderung des (Nachwuchs-)Sports, die im Falle einer Dopingfreigabe hinfällig werden würde.

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