Jubeln wie Ribéry
Schweiz greift bei Eishockey-WM nach Medaille

Das junge deutsche Nationalteam von Bundestrainer Marco Sturm reiste knapp drei Monate nach der Olympia-Sensation von der Eishockey-WM schon nach der Vorrunde wieder ab. Ein anderer Außenseiter sorgt nun aber bei dem Turnier in Dänemark für Furore.

Freitag, 18.05.2018, 13:05 Uhr

Die Schweizer kämpfen im Halbfinale gegen Kanada um eine Medaille.
Die Schweizer kämpfen im Halbfinale gegen Kanada um eine Medaille. Foto: Salvatore Di Nolfi

Kopenhagen (dpa) - Ihre sensationelle Medaillen-Chance bei der Eishockey-WM feierten die furiosen Schweizer im Stile von Bayern-Star Franck Ribéry.

«Jubeln», schrien sie ausgelassen in der Kabine, als sie sich mit dem 3:2-Coup über Mitfavorit Finnland in das Halbfinale gegen Kanada gekämpft hatten. Vorbild war der französische Fußball-Star, der so - nach der Aufforderung, mit der Meisterschale in die Kamera zu jubeln - für Lacher gesorgt hatte. Die Eidgenossen bewiesen Humor und haben noch nicht genug.

Wie Finnland trat auch Rekordchampion Russland bereits die Heimreise an. Die Schweiz will sich auch vom Eishockey-Mutterland Kanada nicht aufhalten lassen und sich wie beim Silbermärchen vor fünf Jahren Edelmetall sichern. «Jetzt wollen wir mehr», sagte NHL-Verteidiger Roman Josi vor dem Halbfinale am Samstag in Kopenhagen (19.15 Uhr).

26 WM-Titel, ein NHL-Ensemble angeführt von Superstar Connor McDavid - die Trophäensammlung und Kaderliste der Kanadier könnte durchaus einschüchtern. Anders als die Deutschen bei ihrem bedeutungslosen WM-Abschluss (0:3) wollen die Schweizer aber nicht zu viel Respekt zeigen. «Das ist wirklich aufregend fürs Schweizer Eishockey», sagte NHL-Stürmer Timo Meier. «Wir sind definitiv noch nicht satt.»

Im anderen Halbfinale stehen sich Titelverteidiger Schweden und die USA gegenüber (15.15 Uhr). Die Schweizer mischen als einzige kleinere Nation noch mit und träumen von der zweiten WM-Medaille seit 1953.

Schnell werden Erinnerungen an 2013 wach, als famose Eidgenossen mit dem Finaleinzug in Schweden verzückten. Auch wenn ihnen der erste WM-Titel gegen den Gastgeber verwehrt geblieben war, hatten sie ihr ganzes Land in kollektive Ekstase versetzt. Damals besiegten sie auf ihrem Weg mit neun Siegen in zehn WM-Spielen Kanada.

Diesmal hatte im Viertelfinale wenig für die Schweiz gesprochen. Auch die Deutschen hatten in der Vorrunde die Finnen zwar mit dem 3:2 nach Verlängerung erstmals seit 25 Jahren überrascht. Die Schweizer hatten aber gar seit 1972 keinen WM-Sieg gegen den zweimaligen Champion gefeiert. Dann legten am Donnerstagabend im beschaulichen Herning drei Treffer durch Enzo Corvi, Joël Vermin und Grégory Hofmann in weniger als vier Minuten im Mitteldrittel die Basis für den Jubel. Von «magischen 235 Sekunden» schrieb die Schweizer Nachrichtenagentur sda. «Ein großer Sieg für die Schweiz», sagte Kapitän Raphael Diaz. 

Sind die Schweizer tatsächlich gut genug für den nächsten Coup? Die drei Erfolge in bislang 30 WM-Duellen mit Kanada stammen aus den vergangenen acht Jahren. Und vor dem 5:4 nach Verlängerung im Prestigeduell mit den Russen quälte sich der Favorit in der Vorrunde.

Die Eidgenossen müssen allerdings Topstar McDavid stoppen, der in Edmonton Teamkollege von Leon Draisaitl ist. Gegen die Sbornaja bereitete er drei Tore, darunter auch den Siegtreffer durch Ryan O'Reilly, vor. «Er ist einer der besten Spieler der Welt», schwärmte der kanadische Trainer Bill Peters. «Ich versuche immer noch herauszufinden, wie man mit dem Puck so schnell sein kann. Ich habe jeden gefragt, aber niemand hat darauf eine Antwort.»

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