Badminton, Skeet: Olympische Spiele 2016
Die Laute und die Leise

Lüdinghausen/Schale -

Was haben Badminton und Skeet-Schießen gemeinsam? Auf dem ersten Blick nicht viel. Das eine ist laut, das andere leise, das eine in der Halle, das andere draußen. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, haben Karin Schnaase und Christine Wenzel herausgefunden.

Dienstag, 02.08.2016, 17:08 Uhr

Schon im Olympia-Fieber: Badmintonspielerin Karin Schnaase (l.) vom SVC Union Lüdinghausen und Schützin Christine Wenzel (SSC Schale).
Schon im Olympia-Fieber: Badmintonspielerin Karin Schnaase (l.) vom SVC Union Lüdinghausen und Schützin Christine Wenzel (SSC Schale). Foto: dpa/ Grafik Lisa Stetzkamp

Reaktionsschnell sind sie beide, die eine ist dabei beinahe lautlos, die andere macht mächtig Lärm. Die eine feiert in Rio bereits ihre dritten Olympischen Spiele, die andere ist Newcomerin. Beide sind erfolgreiche Athletinnen in jeweils Randsportarten. Im Doppel-Interview sprechen „die Leise“, Badmintonspielerin Karin Schnaase (Lüdinghausen), und „die Laute“, Skeet-Schützin Christine Wenzel (Schale), über ihren Sport, ihre Ziele in Rio und ihre Hoffnungen.

Zur Person

Christine Wenzel (35), geboren in Ibbenbüren, tritt im Skeet-Schießen an. Die Sportlerin des SSC Schale nimmt in Rio zum dritten Mal an den Spielen teil. Karin Schnaase, Badmintonspielerin beim Bundesligisten SC Union Lüdinghausen, feiert in Rio ihre Olympia-Premiere. Die 31-Jährige wurde 2013 Europameisterin mit der Mannschaft.

...

Frau Schnaase, Frau Wenzel: Vor einer Premiere kommt es bekanntlich auf die Generalprobe an. Wie sind Ihre jeweils gelaufen?

Karin Schnaase: Gut. Ich war vergangene Woche noch im Olympia-Camp in Birmingham, zusammen mit Sportlern aus Irland, Deutschland, Polen und Dänemark. Wir konnten Wettkampf- und Realsituationen richtig gut simulieren, inklusive der Windverhältnisse, wie wir sie in Rio wegen der Klimaanlagen in den Hallen erwarten. Es war ein guter Test, raus aus der „Wohlfühl­oase“ im Bundesstützpunkt Mühlheim, wo ich normalerweise trainiere.

Christine Wenzel: Welche Generalprobe meinen Sie? Ich bin ja ständig unterwegs. Die wirkliche Probe ist für mich der Wettkampf in Rio.

Sie beide fahren zum ersten beziehungsweise bereits zum dritten Mal zu den Spielen. Mit welchem Gefühl?

Schnaase: Mit einem Gefühl der totalen Nervosität. Es war ja schon im April klar, dass ich fahren werde. Da hat man viel Zeit, immer nervöser zu werden. Ich sage mir: „Bitte, bitte, lass es endlich losgehen.“

Wenzel : Ich fahre nun zum dritten Mal, diesmal mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich auf die Spiele, andererseits ist da ja noch der Aspekt der Sicherheit in Rio de Janeiro.

Frau Schnaase: Sie sind als Einzige für das Dameneinzel gemeldet. Erklären Sie doch mal das System.

Schnaase: Oh je. Das ist kompliziert. Der DOSB betrachtet Badminton als Einzelsportart, obwohl es ja ein Mannschaftssport ist: Herren- und Damen-Doppel, sowie -Einzel und Mixed. Es werden pro Nation je zwei Athleten gemeldet, wenn sie unter den Top 16 der Welt sind. Olga Konon ( deutsche Qualifikationskonkurrentin aus Saarbrücken, d. Red. ) oder ich, das war zwischenzeitlich sehr eng. Den Ausscheidungswettkampf habe ich dann zum Glück gewonnen.

Wenzel: Beim Schießen gibt es ja nur Einzelwettbewerbe, die Mannschaft ist nicht olympisch wie bei EM und WM. Schade. Der Teamgeist fehlt.

Ist es unfair, Sie nach Ihren Zielen in Rio zu fragen?

Schnaase: Nein. Mein Ziel war es von Vornherein, die Gruppenphase zu überstehen und dann mit dem folgenden Freilos direkt ins Viertelfinale einzuziehen.

Wenzel: Das Halbfinale zu erreichen, ist mein Ziel, und dann werde ich sehen, was noch geht. Nach dem Vorkampf wird alles auf null gestellt, es gibt eine neue Taubenkombination, und dann geht’s gegen sechs Mädels auf die Runde.

Die Gruppenauslosung hat schon stattgefunden. Sind Sie zufrieden mit dem Los?

Schnaase: Es hätte schlimmer, aber auch deutlich besser kommen können. Es geht gegen die Nummer zwei aus China, Wang Yihan, und gegen die starke Irin Chloe Magee. Ich will mein bestes Badminton spielen.

Vor Olympia steht der ganze Wust an Vorentscheidungen, Qualifikationen und Trainingslagern an. Sind Sie schon vor den Spielen geschlaucht?

Wenzel: Ich habe es diesmal anders gemacht als 2012, als ich unendlich viel trainiert habe und gereist bin. Jetzt habe ich geplant, wie ich es wollte. Nach den Ausscheidungskämpfen war ich im Urlaub, habe die EM abgesagt und bin nun deutlich entspannter.

Schnaase: Na ja. Letzte Woche, nach dem Showdown in England, war ich echt kaputt. Danach gab es auch noch Pressetermine. Aber am Wochenende hatte ich frei – ich habe mich ganz gut erholt.

Wie machen Sie das?

Schnaase: Ich schlafe viel, treffe mich mit Freunden und mache, was mir Spaß macht. Das Immunsystem wird gestärkt . . .

. . . Haben Sie Angst?

Schnaase: Vor dem Zika- Virus? Am Anfang nein, aber als mich eine Freundin in Brasilien darauf angesprochen hat. Na ja. Ich werde mich mit Anti-Brumm eindecken. Ich bin da ganz entspannt. Aber nach den Spielen werde ich mich definitiv testen lassen.

Badminton war ja jahrelang eine asiatische Domäne. Wie groß ist die Chance, in diese Phalanx einzubrechen?

Schnaase: Die Europäer drängen ja schon nach vorn. Carolina Marin (Spanien) ist zwei Mal hintereinander Weltmeisterin geworden. Man sieht den Wandel ja auch am Teilnehmerfeld für Rio.

Und wie sind im Schießen die Karten gemischt?

Wenzel: Die USA mit Kim Rhode, Italien, wo Schießen Volkssport ist, China und Thailand sind Favoriten. Deutschland ist auch mit dabei. Ich glaube, dass die Tagesform den Ausschlag gibt. Beim Schießen entscheidet der Kopf, die Technik ist ausgereizt. Olympia wird zwischen den Ohren entschieden.

Frau Schnaase, mit Union Lüdinghausen spielen Sie in der Bundesliga. Hält die deutsche Eliteklasse dem internationalen Vergleich stand?

Schnaase: Im Damen-Einzel ist das gar kein Vergleich zu EM oder WM, dass man sich im Ernst messen kann ...

. . . Muss man was ändern?

Schnaase: Definitiv ja! Aber es gibt ja auch immer diesen Zwiespalt zwischen individuellen und Vereinsinteressen. Ich habe zwei Jahre in Großbritannien gespielt, da war es ganz anders. In der Bundesliga spielst Du natürlich immer gegen die gleichen Gegner – irgendwann musste ich mich entscheiden, ich habe da auch an die Familie gedacht . . .

. . . die in Rio dabei sein wird?

Schnaase: Na klar: Mutter, Vater, meine beiden Brüder und mein Freund. Sie haben alle gemeinsam ein Quartier gebucht.

Wenzel: Meine Familie drückt mir von zu Hause aus die Daumen.

Badminton ist die leise Sportart, ist im Wortsinn federleicht. Was macht denn die Faszination, die davon ausgeht, aus?

Schnaase: Es ist eine ungeheuer komplexe Sportart. Kraft, Schnelligkeit, Athletik, Kondition: Man muss schon ein guter Athlet sein.

Schießen ist dagegen laut wie ein Donnerhall . . .

Wenzel: . . . und faszinierend. Natürlich will man so viel wie möglich treffen. Es ist eine Frage der Körperbeherrschung und der Technik gleichermaßen. Wenn nur Nuancen beispielsweise in der Körperhaltung nicht stimmen, funktioniert es nicht. Da ist sehr viel Psychologie mit im Spiel. Unser Wettkampf in Rio beginnt und endet am 12. August. Wenn du da morgens mit dem falschen Fuß aufstehst, klappt’s nicht.

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