Do., 22.09.2016

Brandserie in Lengerich Hat 55-Jährige sechs Feuer gelegt?

Mit Hilfe des Gelenkmastwagens der Feuerwehr mussten am 21. April Bewohner des Hauses Bodelschwinghstraße 15 aus ihren vier Wänden geholt werden. Starker Rauch verhinderte die Flucht durchs Treppenhaus.

Mit Hilfe des Gelenkmastwagens der Feuerwehr mussten am 21. April Bewohner des Hauses Bodelschwinghstraße 15 aus ihren vier Wänden geholt werden. Starker Rauch verhinderte die Flucht durchs Treppenhaus. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Lengerich/Münster - 

Mit dem Gelenkmast-Fahrzeug hat die Feuerwehr am 21. April die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Bodelschwinghstraße gerettet. Im Keller war ein Brand ausgebrochen. Als mutmaßliche Brandstifterin für dieses und fünf weitere Feuer am gleichen Tag muss sich seit Donnerstag eine 55-Jährige aus Lengerich vor dem Landgericht Münster verantworten.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Sechs Brände haben am 21. April Feuerwehr und Polizei in Lengerich in Atem gehalten. Unter anderem mussten Bewohner des Hauses Bodelschwinghstraße 15 von Balkonen geholt werden, weil das Treppenhaus in Folge eines Feuers im Keller total verraucht war. Vor dem Landgericht Münster muss sich nun eine 55 Jahre alte Frau verantworten, der die Staatsanwaltschaft zur Last legt, für die Brandserie verantwortlich zu sein.

Schwere und vorsätzliche Brandstiftung lautet der Vorwurf. Insgesamt geht es um sechs Fälle es. Die Anklage geht davon aus, dass die Frau vermindert schuldfähig ist.

Psychologin als Zeugin

Zum Prozessauftakt vor der achten Großen Strafkammer wurden als Zeugen unter anderem der gesetzliche Betreuer der 55-Jährigen gehört und eine Psychologin. Die kümmert sich derzeit im Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn um die Angeklagte. Von „Schizophrenie“ war die Rede und davon, dass die Lengericherin in der Zeit vor den ihr zur Last gelegten Taten die Einnahme von Medikamenten abgebrochen hatte.

Sie stammt aus Recklinghausen, war zeitweise in der LWL-Klinik Lengerich untergebracht, lebte zuletzt mit ihrem Mann aber in der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Aakämpe und wurde vom Reha-Verein ambulant medizinisch betreut.

Die 55-Jährige erklärte zu Beginn der Verhandlung, dass sie keine Angaben machen wolle. Immer wieder verdeckte sie ihr Gesicht mit den Händen, vor allem wenn es um Schilderungen zu den einzelnen Taten ging. Schließlich mischte sie sich aber doch in das Geschehen ein.

Zwei Mitarbeitern der Postenbörse warf sie mit teilweise ziemlich deutlichen Worten vor, die Unwahrheit zu sagen. Dort soll sie das erste Feuer gelegt haben. Ein 27-Jähriger berichtete, dass er an der Laderampe auf einen glühenden Karton und die Angeklagte aufmerksam geworden sei. Er sei der Frau, die er bereits als Kundin gekannt habe, nachgerannt und habe die Polizei verständigt. Sie habe ihn dann angebettelt, dass er sie laufen lassen möge. „Der lügt, wenn er den Mund aufmacht“, kommentierte die 55-Jährige diese Schilderungen.

Eine Kollegin des 27-Jährigen sagte vor Gericht aus, dass die Polizei die Frau für sie überraschenderweise nicht mit zur Wache genommen habe. Sie habe in der Folge gesehen, wie die 55-Jährige zwischen zwei Häusern an der Bodelschwingh-straße verschwunden sei. „Die wohnt da doch gar nicht“, habe sie noch gedacht. Wenig später brannte im Gebäude Bodelschwinghstraße 7 ein kleiner Papierstapel, der im Treppenhaus unter den Briefkästen gelegen hatte. Eine 78-Jährige schilderte, dass sie und ihr Enkel die Flammen gelöscht hätten.

Ein weiteres Feuer in einem Mehrfamilienhaus gab es an der Schillerstraße 24. Dort griff eine 14-Jährige ein. Mit Streumittel habe sie die Flammen gelöscht, so die Schülerin vor Gericht. Glimpflich verlief es auch an der Eislaufwiese nahe des Aldi-Marktes am Kreisverkehr Ladberger Straße und nahe der Reithalle. Dort wurden Reisig und eine Hecke angezündet.

Anders an der Bodelschwinghstraße 15: In dem Mehrfamilienhaus soll die 55-Jährige in einem Kellervorraum einen Sessel in Brand gesetzt haben. In der Folge kam es zu starker Rauchentwicklung, die es Bewohnern unmöglich machte, durchs Treppenhaus ins Freie zu entkommen. Ein Maler, der seinerzeit im dritten Stock des Hauses arbeitete, berichtete, dass er vor einer „schwarzen Wand stand“, als er die Wohnungstür aufgemacht habe.

Der 39-Jährige war es wohl auch, der die mutmaßliche Täterin unbeabsichtigt einließ. Weil er mit einem Vertreter der Hausverwaltung verabredet gewesen sei, habe er beim Schellen der Klingel ohne Bedenken die Haustür geöffnet. Zu ihm hochgekommen sei dann aber niemand. Dafür habe er wenige Minuten später Brandgeruch wahrgenommen.

Tatorte auf dem Heimweg der Angeklagten

Durch den Vorfall an der Postenbörse kam die Polizei der 55-Jährigen schnell auf die Spur. Eine Beamtin erläuterte vor Gericht, dass alle Tatorte auf dem Heimweg der Angeklagten gelegen hätten. Zu Beginn einer ersten Vernehmung habe die Frau die Taten gestanden, später jedoch alles abgestritten. „Es wurde dann immer konfuser“ mit immer neuen Geschichten.

Das Urteil soll am Freitag, 30. September, gesprochen werden.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4323058?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F