Mi., 19.10.2016

Prozess vor dem Landgericht Gewalt-Rausch im Schlafzimmer

Seit Montag muss sich ein 57-jähriger Mann vor dem Landgericht verantworten. Er soll seine Mutter getötet haben.

Seit Montag muss sich ein 57-jähriger Mann vor dem Landgericht verantworten. Er soll seine Mutter getötet haben. Foto: kal

Münster - 

Der Prozess gegen einen 57-jährigen Münsteraner ist am Mittwoch fortgesetzt worden. Ihm wird vorgeworfen, seine 88-jährige Mutter getötet zu haben.

Von Martin Kalitschke

Den Ermittlern bietet sich ein Bild der Verwüstung – und der Grausamkeit. Am 13. April betreten sie zum ersten Mal jenes Haus, in dem an einem bis heute nicht bekannten Zeitpunkt in den zwei Wochen zuvor eine 88-jährige Frau getötet wurde. Ein Teil der Räume ist mit Unmengen an Müll gefüllt, und dort, wo die Leiche der Frau am 13. April entdeckt wurde, finden sich auch deutliche Hinweise auf die grausame Tat.

Für die muss sich seit Anfang der Woche der 57-jährige Sohn der 88-Jährigen vor dem Landgericht verantworten . Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Unterbringung im Maßregelvollzug, also in einer psychiatrischen Klinik (wir berichteten). Unter anderem soll er unter einer Psychose leiden. Vor Gericht hat er sich bislang nicht zum Tatvorwurf geäußert. Auch am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch schweigt er.

Sein Bruder hatte die tote Mutter am 13. April bäuchlings neben ihrem Bett liegend entdeckt. Er benachrichtigte die Polizei, die in den Folgetagen intensiv nach Spuren suchte.

Über das erschütternde Ergebnis sprachen am Mittwoch zwei Polizeibeamte. So war der Boden in jenem Zimmer, in dem die Frau zu Tode kam, mit Müll – darunter Verpackungen von Schokoriegeln – bedeckt. Spuren des Angriffs, der dem Sohn zur Last gelegt wird, fanden sich auf dem Bett, aber auch an verschiedenen anderen Stellen. Die Beamten entdeckten zersplitterte Flaschen, einen zerstörten Lampenfuß, einen etwa 15 Zentimeter großen Kieselstein – an allem haftete Blut. Blutspuren sicherten die Beamten auch an den Wänden. Sie deuten darauf hin, dass der Täter mit intensiver Gewalt, fast so wie im Rausch, auf die alte Frau losging. Blutspuren fanden die Beamten auch im Zimmer des Sohnes, eine Etage höher – unter anderem an seiner Kleidung.

Daneben entdeckten sie zahllose Buch- und Zeitschriftentitel, die sich mit alternativen Behandlungsmethoden auseinander setzen. Pendelei, Kristallsteinheilung, Magnetketten, Wurzel-Chakra. So hoffte die Mutter, die Epilepsie des Sohnes in den Griff zu bekommen. In einer Kladde, die neben der Toten lag, hatte sie detailliert Buch über die Handlungserfolge geführt.

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