Mi., 30.11.2016

Van Suntum über Holocaustleugnung und Scharia-Polizei Professoren-Tweet bringt Studenten auf die Palme

Ulrich van Suntum

Ulrich van Suntum Foto: dpa

Münster - 

Ein Kommentar im Internet von Prof. Ulrich van Suntum von der Universität Münster sorgt für Ärger. Fachschaften üben scharfe Kritik. Auch die Uni-Spitze distanziert sich.

Von Karin Völker

Ulrich van Suntum ist bisweilen bissig in der Rede. Seinen Twitter­account hat der Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität „@Pietbull47“ genannt. Am 22. November twitterte van Suntum, der nebenbei Landesvorsitzender der Partei „Alfa“ ist, etwas, was unter einigen Studierenden für Empörung sorgt: „Heute: 88-Jährige wegen Holocaustleugnen: 2,5 Jahre Haft. Fünf Schariapolizisten: Freispruch. Droht demnächst Knast für Prophetenbeleidigung?“, schreibt der Professor.

14 kritische Kommentare meist von WWU-Angehörigen erntete der Tweet im Netz. Die Fachschaft Politikwissenschaften schickte eine eigene Stellungnahme herum: „Die Prognose einer Strafbarkeit für Prophetenbeleidigung ist polemisch und abwegig. Dies in einen Zusammenhang mit der Verurteilung einer Holocaustleugnerin zu stellen, ist in unseren Augen unerträglich“, heißt es da.

„Auch das Rektorat der Universität Münster hat sich in seiner letzten Sitzung bereits mit den Äußerungen von Prof. van Suntum beschäftigt“, sagt Uni-Sprecher Norbert Robers. „Das Rektorat und das Dekanat der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät distanzieren sich deutlich von den Äußerungen von Herrn Prof. van Suntum.“ Das Rektorat werde die Angelegenheit „zeitnah weiter verfolgen – allerdings intern, da es sich um eine Personalangelegenheit handelt“.

Van Suntum erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: „Es gibt in Deutschland ein Recht auf freie Meinungsäußerung, das auch für Professoren gilt. Nicht nur ich halte den Freispruch von Leuten, die offen für die Scharia in Deutschland eintreten und sich sogar polizeiliche Durchsetzungsgewalt dafür anmaßen, für falsch.“ Die Meinung der Holocaustleugner teilt der Professor aber nicht: „Dass die Leugnung des Holocausts zum einen idiotisch und zum anderen auch strafbewehrt ist, darüber sind wir uns einig. Ob man aber einer 88-jährigen Frau deswegen zweieinhalb Jahre Haft und damit faktisch lebenslänglich geben sollte, darüber kann und darf man geteilter Meinung sein“, so seine Erklärung.

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