Do., 01.12.2016

Folterorgien-Prozess Opfer leidet unter psychischen Folgen der Tat

Dritter Prozesstag: Am Donnerstag schilderte das heute 19-jährige Opfer die Tat vom 28. Mai 2016 aus seiner Sicht.

Dritter Prozesstag: Am Donnerstag schilderte das heute 19-jährige Opfer die Tat vom 28. Mai 2016 aus seiner Sicht. Foto: Max Keldenich

Lüdinghausen/Münster - 

„Ich hatte wirklich Todesangst“, am dritten Verhandlungstag um die Folterorgie am Kanal in Lüdinghausen schildert das Opfer, ein heute 19-Jähriger, wie er den Tag im Mai erlebt hat. Dass er die mitangeklagte 17-Jährige vergewaltigt haben soll, bestreitet er heftig.

Von Max Keldenich

Mit leiser, stockender Stimme schildert der heute 19-jährige angehende Landwirt vor dem Landgericht am Donnerstag, wie er am 28. Mai 2016 von drei jungen Erwachsenen fast zu Tode gequält wurde. Immer wieder habe er gefragt: „Was soll das?“ Doch er bekam keine Antwort von zwei maskierten Tätern, die Handschuhe trugen, ihn mit einem Schlagstock auf den Kopf schlugen und ihn mit Fußtritten malträtierten. Sie hätten nur gesagt: „Hast du einen Bruder? Dann ist er bald auch ein Vergewaltiger.“

Seine Internetbekanntschaft habe außerdem eine leere Eisteedose zerschnitten, sie mit einem Feuerzeug erhitzt und ihm auf die Brust gedrückt. Dann sei er gefesselt, immer wieder geschlagen und später mit seinem eigenen Gürtel gewürgt worden. „Sie haben gesagt: Nie wieder soll jemand was von dir sehen. Sie wollten ihre Kleidung verbrennen. Niemand sollte etwas davon erfahren. Ich hatte wirklich Todesangst.“

Opfer bestreitet Vergewaltigung

Die 17-jährige Mitangeklagte hatte ihrem späteren Opfer eine Vergewaltigung unterstellt und dies zwei Freunden erzählt, die dann an dem 20-jährigen Mann Rache nehmen wollten. Eine Vergewaltigung streitet der junge Mann aber auch am Donnerstag heftig ab.

Es ist ihm peinlich, wenn er über die Sexpraktiken mit seiner Bekanntschaft redet. Bei Nachfragen des Richters schweift sein Blick mitunter ab. Doch nach seiner Darstellung war der Geschlechtsverkehr einvernehmlich. „Sie hat mir nie gesagt, dass sie etwas nicht will.“ Die 17-Jährige bleibt unterdessen bei ihrer Version: „Ich habe ihm gesagt, ich will nicht. Es war nicht einvernehmlich.“

Erhebliche psychische Folgen

Es bestehen Zweifel, ob die 17-Jährige den Ernst der Lage wirklich erkannt hat. Ihre Mutter bringt ihr am Donnerstag das Motto-Shirt ihres Abiturjahrgangs mit, worüber sie sich sehr freut. Bei den Schilderungen des Nebenklägers hört sie jedoch regungslos zu.

Er könne seine Ausbildung zum Landwirt weiter fortführen und spüre nur gelegentlich Schmerzen am Arm. Damals hatten ihm die Angeklagten erhebliche Schnittverletzungen zugefügt, die er am Donnerstag im Gericht präsentiert. Vor allem die psychischen Folgen der Tat sind für ihn erheblich: „Alleine im Dunkeln habe ich sehr oft Angst“, sagt der 20-Jährige.

Der Prozess wird am nächsten Donnerstag (8. Dezember) fortgesetzt.

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