Münster liebt Skulptur-Projekte
Schau 2017 kommt noch besser an als die früheren Ausstellungen

Münster -

Aufwallender Ärger über den parkenden Sattelzug von Tom Burr und Cosima von Bonin vor dem Landesmuseum und der schönen Moore-Skulptur – geschenkt: Die Münsteraner lieben die Skulptur-Projekte, und das mehr denn je.

Sonntag, 17.09.2017, 10:09 Uhr

Unter den Werken gibt es in diesem Jahr mit dem Unterwasser-Steg von Ayse Erkmen auch einen ganz klaren Favoriten der Münsteraner.
Unter den Werken gibt es in diesem Jahr mit dem Unterwasser-Steg von Ayse Erkmen auch einen ganz klaren Favoriten der Münsteraner. Foto: Grafik wn

Die Bedeutung der Ausstellung für das Image der Stadt wurde noch nie so hoch eingeschätzt wie diesmal: 57 Prozent der im Münster-Barometer Befragten messen den Skulptur-Projekten eine „sehr große Bedeutung“ zu, lediglich fünf Prozent halten die Ausstellung für unbedeutend für das Münster-Image. 2007 hielten laut damals erhobenem Münster-Barometer am Ende der Schau 42 Prozent der Befragten die Skulptur-Projekte für sehr bedeutsam für die Außenwirkung der Stadt, 1997 waren es 37 Prozent.

Weniger Skepsis

Die Menge der Skeptiker angesichts der modernen Kunst in der eigenen Stadt nimmt ab: 2007 gab es laut Münster-Barometer rund 25 Prozent Skulptur-Ablehner, heute sagen nur noch rund zwölf Prozent der Münsteraner, die Ausstellung gefalle ihnen nicht.

Mehr Lob für 2017

Nur nach der aktuellen Ausstellung gefragt, bekommen die Skulptur-Projekte 2017 mehr Lob als in der Befragung über die Vorgänger-Ausstellung 2007. Interessant ist das Urteil der Münsteraner in der Rückschau: Gefragt nach dem direkten Vergleich mit der 2007er Ausstellung sagten 23,2 Prozent der Münsteraner, die jetzige Schau gefalle ihnen besser, 49,5 Prozent finden sie genauso gut. 36,3 Prozent sagen aktuell, die Skulptur-Projekte vor zehn Jahren habe ihnen besser gefallen als die aktuelle Schau.

Zurück in die Gegenwart: In diesem Jahr haben zehn Prozent der Münsteraner an einer Führung zu Werken der Skulptur-Projekte teilgenommen, 2007 sagten das im Münster-Barometer sogar 16,7 Prozent.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Die Mehrheit hat Werke gesehen

Aktuell haben 55 Prozent der Münsteraner gezielt Skulpturen der Ausstellung angeschaut, 31,7 Prozent sagen, sie hätten „nebenbei“ Werke der Ausstellung besucht. 13,2 Prozent der Münsteraner haben die Skulptur-Projekte bisher noch gar nicht gesehen.

Klarer Favorit: Ayse Erkmens Steg

Unter den Werken gibt es in diesem Jahr mit dem Unterwasser-Steg von Ayse Erkmen auch einen ganz klaren Favoriten der Münsteraner. Immerhin 72 Prozent der Befragten, die die Ausstellung besucht hatten, sagten, sie hätten eine Lieblingskulptur, und von ihnen nannten 41,1 Prozent spontan den Steg. Außerdem sehr beliebt ist der Brunnen von Nicole Eisenman an der Kreuzschanze. Ansonsten verteilt sich die Liebe der Münsteraner zu den Skulpturen. Immerhin 28 der 36 Werke wurden als Lieblinge genannt, manche nur von einem einzigen Befragten. Der sperrige Lastwagen vor dem Landesmuseum ist übrigens auch dabei, der Mehrheit gefällt er aber nicht: 30 Prozent mögen ihn „überhaupt nicht“.

 

Zeitraffer-Video: Skulptur-Projekte „On Water“

 

Fotos, Videos, Wissenswertes: Alle Informationen zu den Skulptur-Projekten in Münster finden Sie hier

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