So., 22.10.2017

Stadtheimatbund feiert Premiere Neues Historienspektakel über kriegsmüde Münsteraner

Ein tolles Bühnenbild und viele begeisternd agierende Laienschauspieler präsentierten am Samstag das neue Historienspektakel des Stadtheimatbundes zum Westfälischen Frieden.

Ein tolles Bühnenbild und viele begeisternd agierende Laienschauspieler präsentierten am Samstag das neue Historienspektakel des Stadtheimatbundes zum Westfälischen Frieden. Foto: hpe

Münster - 

Aus dem herkömmlichen Historienspiel zum Westfälischen Frieden ist ein künstlerisch wertvolles Schauspielspektakel geworden. Die Premiere des Stadtheimatbundes am Samstag war ein voller Erfolg.

Von Helmut P. Etzkorn

Die Sehnsucht nach dem Ende von Krieg, Gewalt und Not ist 1648 groß. Die plündernden Schweden haben die Höfe rund um Münster heimgesucht, noch immer wird im Rathaus um die Verträge für den Frieden gerungen. Das „einfache Volk“ leidet und ist den schon 30 Jahre währenden Krieg einfach satt.

Markus Kopf und Hans-Peter Boer ist es gelungen, für den Stadtheimatbund und mit vielen Laienschauspielern auf der Bühne aus einem ziemlich oberflächlich bleibenden Historienspiel vergangener Jahre eine mitreißende Theateraufführung zu machen.

Die Premiere am Samstag fasziniert schon durch das Bühnenbild. Im Hintergrund ein großes Bild vom ausgebombten Münster als Mahnung, wie flüchtig Frieden auch nach Verhandlungen sein kann. Daneben aufgestellt großformatige Maskenköpfe aus der Werkstatt der Wolbecker Realschüler. Sie stellen die Porträts der Gesandten da. Der Platz des Westfälischen Friedens verwandelt sich in einen mittelalterlichen Marktplatz.

Fotostrecke: Historienspektakel im Rathausinnenhof

Es geht nicht um die große Politik, die hinter den Mauern mehr zäh als flüssig verhandelt wird. Es geht um die Menschen, die leiden. Die Markthändlerin, die nichts mehr zu verkaufen hat. Den Bäcker, dem seine Existenz weggebrannt wurde. Die Familie, die ihren Vater bei der Schlachterei vor den Toren der Stadt verloren hat. Das Dorf, über das die Pest seinen schwarzen Todesmantel gelegt hat. Das alles wird nicht nur authentisch, gestenreich und manchmal auch mit viel Wortwitz erzählt. Sondern schwungvoll in Szene gesetzt von den Hochschulsportlern der Uni. Und immer wieder bereichert vom Paulinum-Bläserensemble mit zeitgenössischen Melodien. Ein dramaturgischer Mix, der gefällt.

Eine Stunde Schauspiel, bei der es den vielen Zuschauern keinen Moment langweilig wird. Der Spagat, unerhaltend zu sein, historische Abläufe zu vermitteln und den unvergleichbar wertvollen Verhandlungssieg über den Krieg dem Menschen von heute nahe zu bringen, gelingt mit Bravour.

„Vivat Pax“ berührt die Menschen gerade in einer Zeit, wo in vielen Ländern der Friede brüchig zu sein scheint.

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