Kostenloser Nahverkehr
Stadtwerke: «Logistische Riesenherausforderung»

Münster -

Kostenloser Nahverkehr – das hört sich gut an. Doch ganz so einfach ist es nicht, warnen die Stadtwerke. Ein solches Projekt umzusetzen, bedeute eine „logistische Riesenherausforderung“.

Mittwoch, 14.02.2018, 21:02 Uhr

Kostenloser Nahverkehr: Stadtwerke: «Logistische Riesenherausforderung»
Kostenlosen Nahverkehr hat die Bundesregierung ins Gespräch gebracht. Foto: Oliver Werner

45 Millionen Menschen befördern die münsterischen Stadtbusse im Jahr. Die Zahl könnte auf 60 bis 70 Millionen Fahrgäste steigen, sollte der Nahverkehr – wie jetzt von der Bundesregierung ins Gespräch gebracht – kostenlos genutzt werden können. Diese geschätzte Zahl nannte am Dienstag Stadtwerke-Sprecher Florian Adler . Er hält den Regierungsvorschlag für grundsätzlich „interessant“ – sieht aber zugleich eine Reihe von offenen Fragen bei einer möglichen Umsetzung.

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Kosten

Beispiel Kosten: Aktuell nehmen die Stadtwerke mit Bustickets 32 Millionen Euro pro Jahr ein. „Damit wird der gesamte Fahrbetrieb finanziert“, so Adler – vom Tanken über die Fahrergehälter bis zur Anschaffung neuer Fahrzeuge. Nur: Wo kommt das Geld her, wenn keiner mehr Tickets kaufen muss? „Ich kann mir eine Lösung wie beim Semesterticket vorstellen“, sagt Adler – also eine Mobilitätsabgabe, die jeder Bürger entrichten muss.

Wenn mehr Fahrgäste unterwegs sind, steigen natürlich auch die Kosten – auf 45 Millionen Euro, vielleicht sogar noch mehr, schätzt Adler. „Schließlich müssen wir dann deutlich mehr Busse auf die Strecke schicken.“ Damit wird es wiederum auf den Straßen voller – es sei denn, die Zahl der Pkw nimmt, wie von der Regierung erhofft, mit Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs deutlich ab.

Einsparpotenzial

Auf der anderen Seite sieht Adler aber auch Einsparpotenzial: „Werbung für Tickets wäre ebenso überflüssig wie Ticketautomaten.“ So oder so: „Logistisch wäre ein solches Projekt eine Riesenherausforderung.“

Das sagt die Taxi-Branche

Als „Schnapsidee“ bewertet Wolfgang Michels vom Taxiruf Münster den Vorschlag der Bundesregierung. „Ich glaube nicht, dass das kommen wird.“ Falls doch, rechnet er „natürlich“ mit Nachteilen für seine Branche.

Das sieht Sven Kessler von der Taxi-Zentrale ähnlich, er fürchtet gar „verheerende“ Folgen. Doch auch er geht nicht von der Umsetzung dieser Idee aus, sieht unter anderem die Finanzierbarkeit als Problem. Zudem bezweifelt Kessler, dass bei kostenlosem Nahverkehr automatisch viele Pkw-Fahrer ihrer Auto zu Hause lassen.

Pro

Sozial gerechte Variante

Der kostenlose Nahverkehr ist ein guter Weg, den kompletten Verkehrskollaps in deutschen Großstädten zu verhindern. Er würde nicht nur die chronisch verstopften Straßen entlasten, sondern zeitgleich für sauberere Luft in den Innenstädten sorgen. Zudem handelt es sich um eine sozial gerechte Variante der Verkehrssteuerung, von der die Menschen einkommensunabhängig profitieren. Die zusätzlichen Kosten, die wahrscheinlich über Steuern umgelegt würden, sind zwar nicht wegzudiskutieren, aber nicht so hoch wie es der wirtschaftliche Schaden bei drohenden Fahrverboten wäre. Autofahrer sparen sich zudem Spritkosten, Parkgebühren und jede Menge Nerven. - Mirko Heuping

Contra

Viel zu teuer

Der Vorschlag, die Bürger in Deutschlands Städten kostenlos den öffentlichem Nahverkehr nutzen zu lassen, ist nicht an­nähernd finan­zierbar. Allein in Hamburg, so rechnen die dortigen Verkehrsbetriebe vor, würden Gratisfahrten für alle jährlich so viel Geld verschlingen wie der Neubau der Elbphilharmonie. Klar ist damit, dass die Idee der Bundesregierung, Fahrten mit dem ÖPNV kostenlos anzubieten, nur eine Beruhigungspille für die EU sein soll, um harte Maßnahmen gegen die Abgas-Wolken in manchen Metropolen zu verhindern. Letztlich sollte kein Bürger ein Interesse an einem solchen Schritt haben. Denn: Als Steuerzahler würde jeder massiv zur Kasse ge­beten. - Jürgen Stilling

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