Zieht „Giftfahne“ in de Brinke?
Verseuchtes Grundwasser im Warendorfer Norden

Warendorf -

Gebaut werden könnte im neuen Baugebiet „In de Brinke“ ab 2020. So der Zeitplan der Stadt. Doch der Traum vom Eigenheim könnte einen bitteren Beigeschmack bekommen. Denn in der Bauleitplanung für das Gebiet „In de Brinke“ und Stadtstraße Nord wird auf eine mögliche Schadstoffbelastung des Grundwassers hingewiesen.

Dienstag, 13.03.2018, 18:03 Uhr

Nach gutachterlicher Untersuchung könnte sich das auf dem Grundstück der ehemaligen Reinigung bis 2003 ins Erdreich eingesickerte Lösungsmittel Tetrachlorethen sehr wohl in Richtung des neuen Baugebietes „In de Brinke“ bewegen. Die giftige Hinterlassenschaft der ehemaligen Reinigungsfirma befindet sich im Nordwesten Warendorfs im Grundwasser und wandert die nächsten 40 Jahre in Richtung Ems. Um das verunreinigte Wasser zu säubern, lässt der Kreis seit dem Jahre 2014 rund um die Uhr Sanierungspumpen laufen – ein immenser Aufwand.
Das Neubaugebiet "In de Brinke". Foto: Planungsbüro NWP

Es steht ganz oben auf der Agenda der Stadt Warendorf: das Neubaugebiet „In de Brinke“ im Warendorfer Norden. In dem Gebiet sind 450 Wohneinheiten vorgesehen, die Hälfte davon Einfamilien- und Doppelhäuser. 28 Grundstücke bleiben Mehrfamilienhäusern vorbehalten, sieben davon für den sozialen Wohnungsbau. Für 2019 ist die Erschließung geplant. Zeitgleich soll mit der Vermarktung der Grundstücke begonnen werden. Gebaut werden könnte dann ab 2020. So der Zeitplan der Stadt.

Bitterer Beigeschmack beim Eigenheim

Doch der Traum vom Eigenheim könnte einen bitteren Beigeschmack bekommen. Denn in der Bauleitplanung für das Gebiet „In de Brinke“ und Stadtstraße Nord wird auf eine mögliche Schadstoffbelastung des Grundwassers hingewiesen. Wie hoch die Belastung sein wird und welche Grundstücke am nordwestlichen Rand des neuen Wohngebietes davon betroffen sein könnten, können zurzeit weder Stadt noch Kreis sagen.

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„Wer will denn ein Grundstück kaufen, dessen Erdreich belastet ist?“ fragt sich Richard Henschen, dessen Grundstücke mit der postalischen Anschrift An der Tönneburg 21 - 25, ebenfalls von der Verseuchung im Erdreich betroffen seien. Und Henschen beklagt: „Der Wohnwert unserer Immobilien sinkt. Weder die Politik noch die Stadt sprechen das Thema an.“

Nach gutachterlicher Untersuchung könnte sich das auf dem Grundstück der ehemaligen Reinigung bis 2003 ins Erdreich eingesickerte Lösungsmittel Tetrachlorethen sehr wohl in Richtung des neuen Baugebietes „In de Brinke“ bewegen. Die giftige Hinterlassenschaft der ehemaligen Reinigungsfirma befindet sich im Nordwesten Warendorfs im Grundwasser und wandert die nächsten 40 Jahre in Richtung Ems. Um das verunreinigte Wasser zu säubern, lässt der Kreis seit dem Jahre 2014 rund um die Uhr Sanierungspumpen laufen – ein immenser Aufwand. Aber mit Erfolg. Durch die drei Sanierungsbrunnen hätte bisher eine Verlagerung der Schadstofffahne in Richtung Ems verhindert werden können, hieß es im vergangenen Jahr.

Stadt warnt vor Panikmache

Und die Stadt warnte bereits bei der Aufstellung der Bauleitplanung vor Panikmache und sieht keine Gefahr für die Realisierung des Baugebietes: Die Grundstücke im künftigen Wohngebiet „In de Brinke“ werden an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. In der Beschlussvorlage zur Bauleitung heißt es auch: „Angesichts der wandernden Grundwasserverunreinigung sollten alle Maßnahmen, bei denen Grundwasser freigelegt, gefördert oder genutzt werden soll, rechtzeitig mit dem Amt für Umweltschutz des Kreises zur Wahrung von bodenschutz-, wasser- und gesundheitlichen Belangen abgestimmt werden sollten.“ Das betrifft zum Beispiel Brunnenbohrungen oder Grundwasseraustritt beim Ausheben der Baugrube.

Das Geld für die Grundwassersanierung (425 000 Euro) reicht noch bis Herbst 2019. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten (Ausfiltern der chemikalischen Verunreinigung) werden die dann noch im Grundwasser vorhandenen Restbelastungen sich langsam Richtung Ems bewegen und nach Jahren den nordwestlichen Rand des geplanten Wohngebietes zwischen „In de Brinke“ und „Stadtstraße Nord“ erreichen. Erst zu diesem Zeitpunkt, so die damalige Aussage von Carsten Rehers, Chefs des Kreisumweltamtes, könne verlässlich gesagt werden, wie hoch die Restbelastungen im Grundwasser noch sein werden und welche Grundstücke am nordwestlichen Rand des neuen Wohngebietes davon berührt werden. Rehers räumte aber ein: „Durch die Sanierung kann keine Trinkwasserqualität erreicht werden.“

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