Prozess wegen fahrlässiger Tötung
Fahrer hatte „Angst um sein Leben“

Westerkappeln/Ibbenbüren -

Vor dem Amtsgericht Ibbenbüren ging es erneut um das tödliche Drama, bei dem ein Streitschlichter an einer Tankstelle überfahren worden war. Der Fahrer war wiederum vor zwei Brüdern aus Westerkappeln geflüchtet. „Total aufgelöst“ und „stark eingeschüchtert“, so beschrieb ein Polizeibeamter am zweiten Verhandlungstag den Gemütszustand des 25-jährigen Reckers.

Dienstag, 17.04.2018, 17:04 Uhr

Zwei Brüder aus Westerkappeln müssen sich vor dem Amtsgericht Ibbenbüren wegen Nötigung, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung verantworten.
Zwei Brüder aus Westerkappeln müssen sich vor dem Amtsgericht Ibbenbüren wegen Nötigung, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung verantworten. Foto: Sabine Plake

Der Polizist berichtete, der Fahrer des Autos habe ihm berichtet, dass er überfallen und verprügelt worden sei. Es habe sich angefühlt, als ob er „Angst um sein Leben“ hatte, beschrieb der Polizist.

Weil er den Streit schlichten wollte, kam der 73-jähriger Ibbenbürener vor gut einem Jahr ums Leben. Vor Gericht steht derzeit das Brüderpaar aus Westerkappeln, das unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist. Nicht, weil sie das Auto gefahren haben. Aber die Männer sollen bei dem Vorfall so lange auf den damals 25-jährigen Recker eingeschlagen haben, bis dieser in Panik mit seinem Auto flüchten wollte. Beim Zurücksetzen hatte er mit der geöffneten Fahrertür sowohl die zwei Brüder als auch den 73-Jährigen umgeworfen und danach den Senior mehrfach überfahren.

Gutachten zum Unfall vorgestellt

Ein Gutachter mit Schwerpunkt Unfallanalytik erläuterte dann vor Gericht sein Gutachten. Demnach konnte der Fahrer beim Rückwärtssetzen offenbar nur den jüngeren Bruder sehen, nicht aber den älteren Bruder und den Streitschlichter. Alle drei waren beim Zurücksetzen umgefahren und weggeschleudert worden. Auch wenn der Fahrer sich umgedreht hätte, hätte er den 73-Jährigen aufgrund der Sichtverhältnisse (Dunkelheit; Strahler) nicht sehen können.

Der Recker habe 4,3, Meter zurückgesetzt und dabei „anständig beschleunigt“, so der Gutachter. Nach weiteren drei Sekunden sei er dann vorwärts gefahren. Der 73-Jährige habe da vor der Haube des Pkw gelegen, im sogenannten „toten Winkel“. Vom Fahrersitz aus habe man ihn nicht erkennen können. Dann habe er den Mann überrollt. Ob es sein könne, fragte das Gericht, dass der Fahrer das nicht bemerkt habe und annahm, sein Auto sei nicht in Ordnung. Das wollte der Gutachter nicht ausschließen. Er als erfahrener Fahrer hätte wohl gemerkt, dass da etwas unter seinem Auto liege. Aber man müsse auch die „sehr stressige Situation“ berücksichtigen.

Der zweite Sachverständige an diesem Tag war Rechtsmediziner. Er gab an, dass der 73-Jährige ein „komplexes Verletzungsbild“ hatte. Neben Kopf- und Extremitätenverletzungen habe er umfangreiche Vielfachverletzungen vor allem im Bauch- und Brustbereich gehabt, ein sogenanntes Polytrauma. Wann welche Verletzung letztlich tödlich war, das könne er allerdings nicht beantworten.

Vorgeschichte des Streits

Die Auseinandersetzung an der Tankstelle zwischen dem Recker und den Brüdern hatte, wie berichtet, offenbar eine Vorgeschichte. Dabei ging es um eine eventuelle Heirat des jüngeren Bruders und der Schwägerin des Fahrers. Die kam aber nicht zustande, weil der Schwiegervater des Fahrers und Vater der möglichen Braut nicht mitspielte. Es habe viele Beleidigungen und Drohungen gegeben, erklärte der Westerkappelner, der dann den Recker, seinen ehemaligen Freund, zur Rede stellen wollte. Der Recker habe ihn verraten und verpetzt.

Als er ihn dann an der Tankstelle getroffen habe, habe „ich schwarz gesehen“. So kommentierte er auch das Video, dass noch einmal angeschaut wurde. Immer wieder habe er ihn deswegen angeschrien, warum er „Scheiße verbreite“ und seine Freunde „auf ihn hetzt“. Der Recker habe keine Antwort gegeben. Warum er denn trotzdem immer wieder auf ihn eingeschlagen habe ? Darauf erklärte sein Anwalt, sein Mandant gebe zu „ihn grundlos und ohne rechtfertigenden Anlass angegriffen zu haben“. Der jüngere Bruder beteuerte allerdings, „ich wollte nicht, dass da jemand so krass zu Schaden kommt“.

Nächster Verhandlungstermin ist Dienstag, 24. April, ab 9.30 Uhr im Saal 14 des Amtsgerichts. Dann werden die Plädoyers erwartet. Auch das Urteil soll fallen.

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