Fr., 10.03.2017

Alex-Talk am 14. März Straffällig, schuldunfähig – und dann?

Unter dem Titel „Gefangene Geheimnisse“ entstanden unter der Regie der Kölner Künstlerin Cony Theis dieses Titelmotiv aus dem gleichnamigen Buch sowie weitere eindrucksvolle künstlerische Porträts von Patienten aus der Christophorus-Klinik und anderen forensischen Kliniken.

Unter dem Titel „Gefangene Geheimnisse“ entstanden unter der Regie der Kölner Künstlerin Cony Theis dieses Titelmotiv aus dem gleichnamigen Buch sowie weitere eindrucksvolle künstlerische Porträts von Patienten aus der Christophorus-Klinik und anderen forensischen Kliniken. Foto: Cony Theis

Münster - 

Der Lebenslauf von Thomas B. (Name von der Redaktion geändert) liest sich wie so viele Werdegänge forensischer Patienten: Aufgewachsen in schwierigen familiären Verhältnissen, kam er im Alter von 15 Jahren erstmals mit dem Gesetz in Konflikt. Es folgten weitere kleinere Rechtsverletzungen, bis er wegen mehrfacher Körperverletzung angeklagt wurde. Im Prozess stellte ein psychiatrischer Gutachter eine Intelligenzminderung aufgrund einer frühkindlich erworbenen Hirnschädigung fest, infolge dessen ihm das Gericht eine Schuldunfähigkeit attestierte. Die Gefahr weiterer Straftaten wurde als hoch eingestuft, sodass eine Einweisung in die forensische Klinik ausgesprochen wurde.

Heute lebt Thomas B. in der Christophorus-Klinik, der forensischen Klinik für intelligenzgeminderte Patienten der Alexianer in Amelsbüren. Er geht dort täglich in die hauseigene Werkstatt zur Arbeit, spielt in seiner Freizeit gerne Fußball und bereitet sich unter engmaschiger ärztlicher und therapeutischer Begleitung Schritt für Schritt auf die Rückkehr in ein normales und dauerhaft straffreies Leben vor.

„Trotz aller Bemühungen um Normalität und Verständnis für unsere Patienten haben schuldunfähig straffällig gewordene Menschen in unserer Gesellschaft nach wie vor einen schweren Stand“, skizziert Prof. Dr. Dieter Seifert, Ärztlicher Direktor der forensischen Klinik und selbst seit vielen Jahren als erfahrener Gerichtsgutachter tätig.

Das Ringen um Akzeptanz erweist sich nach Ansicht Seiferts dabei nach wie vor als „eine mühsame, aber für die Allgemeinheit auch lohnenswerte Arbeit“ – ein Fazit, das sich schlichtweg anhand der niedrigen Rückfallrate behandelter Maßregelpatienten ablesen lässt.

„Gleichwohl gehört die Entstehung und das Betreiben forensischer Kliniken auch aus politischer Sicht mit zu den größten Herausforderungen in unserer Gesellschaft“, unterstreicht die Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink aus Münster. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen hat den Entwicklungsprozess der Christophorus-Klinik von Anfang bis heute als Kommunal- und Bundestagspolitikerin verfolgt und betont: „Gemeinsames Ziel des Maßregelvollzugs und der Politik ist eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung, damit die Wiedereingliederung psychisch kranker Rechtsbrecher gelingen kann“.

Beim nächsten Alex-Talk am kommenden Dienstag (14. März) werden Klein-Schmeink und Seifert neben Eindrücken aus dem Klinikalltag auch ihren jeweiligen Blickwinkel auf den Maßregelvollzug darstellen und die Gäste anschließend zu einer Diskussion über dessen gesellschaftlichen Stellenwert einladen.

Zum Thema

Der Vortrag am Dienstag (14. März) beginnt um 18 Uhr in der Alexianer-Waschküche, Bahnhofstraße 6. Eintrittskarten sind zum Preis von vier Euro ab sofort im WN-Ticket-Shop, Prinzipalmarkt 13-14, erhältlich, Kartenreservierungen sind unter E-Mail alextalk-muenster@alexianer.de möglich. Der gesamte Kartenerlös kommt der WN-Spendenaktion zugute.

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4693403?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F57398%2F