Alex-Talk zu Alzheimer-Erkrankungen
Experten erläutern neue Forschungsergebnisse

Münster -

Es ist wie bei so vielen komplexen Erkrankungen: Von einer einfachen Behandlung oder gar nur einem einzigen Medikament als wirksame Lösung gegen die gefürchtete Alzheimer-Erkrankung sind die aktuellen medizinischen Erkenntnisse nach wie vor weit entfernt.

Montag, 05.02.2018, 12:02 Uhr

Forscher wissen heute, dass das Gehirn nicht vom Immunsystem des Körpers unabhängig funktioniert. WN-Redakteur Stefan Werding moderierte den Alex-Talk, hier mit Dr. Judith Alferink (kleines Bild).
Forscher wissen heute, dass das Gehirn nicht vom Immunsystem des Körpers unabhängig funktioniert. WN-Redakteur Stefan Werding moderierte den Alex-Talk, hier mit Dr. Judith Alferink (kleines Bild). Foto: dpa/A. Große Wöstmann

Gleichwohl zeigten die Einblicke in die aktuelle Forschung, die Dr. Judith Alferink beim Alex-Talk den rund 110 Interessierten gab, dass die Experten immer besser verstehen und nachweisen können, welche komplexen Vorgänge bei neurodegenerativen Erkrankungen im Gehirn ablaufen:

„Wir wissen heute, dass auch bei Erkrankungen wie Alzheimer und Depressionen entzündliche Prozesse im Gehirn ablaufen“, skizzierte die Chefärztin des Alexianer-Krankenhauses und Leiterin der Forschungsgruppe „Immunbiologie psychischer Erkrankungen“ an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Münster. Dieser Erkenntnis komme insofern eine Schlüsselfunktion zu, weil man lange geglaubt habe, das Gehirn sei vom übrigen Immunsystem des Körpers abgekoppelt. „Lange haben wir das Gehirn als immunprivilegiert betrachtet, also von der Immunantwort des Körpers ausgenommen. Später ging man davon aus, dass die Immunantwort des Gehirns bei Alzheimer lediglich eine Begleiterscheinung der schädlichen Ablagerungen ist“, so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Unter dem Fachbegriff der „Neuroinflammation“ hätte die Forschung dann allerdings Entzündungsprozesse im Gehirn nachweisbar gemacht, die offensichtlich mit der Alzheimer-Erkrankung einhergehen: „Wir konnten in unseren Untersuchungen mit dem sogenannten Chemokin einen Entzündungsfaktor nachweisen, der bei Alzheimer-Patienten im Blut erhöht ist.

In einem zweiten Schritt ist es uns in Modellversuchen gelungen, diese entzündlichen Prozesse quasi zu blocken, wodurch wir auch die kognitiven Defizite mindern konnten“, erklärte Alferink.

Gleichwohl sei die Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf den menschlichen Organismus noch lange nicht greifbar, denn die Entzündungsreaktion sei eben nur einer von mehreren Faktoren bei der Erkrankung. „Auch ein gesunder Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung, aber auch genetische Veranlagungen beeinflussen die Entstehung und den Verlauf der Alzheimer- Krankheit“, betonte Alferink.

Weiterhin gebe es in der aktuellen Forschung Hinweise, dass Veränderungen des Immunsystems auch die Entstehung anderer psychischer Erkrankungen beeinflussen können: „So kann schon ein traumatisches Erlebnis oder sonstiger negativer Stress in jungen Jahren noch Jahrzehnte später entzündliche Prozesse im Gehirn und somit beispielsweise auch Depressionen auslösen.“

Eindringlich appellierte die Expertin, alle auf dem Markt üblichen Nahrungsergänzungsmittel nur bei wirklichen Mangelerscheinungen zu nehmen: „Zink beeinflusst beispielsweise den Eisentransport im Gehirn und kann somit dosisabhängig durchaus auch negative Effekte haben.“

Dagegen werde bei einem Vitamin-D-Mangel diskutiert, dass dieser insbesondere bei sehr niedrigen Werten das Risiko für eine Demenz erhöhe.

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