Mi., 26.09.2012

Interview mit dem Elternalarm-Erfinder Alles begann mit einer Umfrage für die Zeitung

Interview mit dem Elternalarm-Erfinder : Alles begann mit einer Umfrage für die Zeitung

Auch nach acht Jahren macht ihm der Elternalarm noch Spaß: Der Journalist Klaus Baumeister Foto: Oliver Werner

Münster - 

Ins Leben gerufen wurde der Elternalarm vom münsterischen Journalisten Klaus Baumeister. Im Interview mit der WN-Redaktion erzählt er die Geschichte des Hochschul-Projektes.

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Wie kamen Sie auf die Idee?

 

Baumeister : Der Elternalarm ist das Abfallprodukt einer Zeitungsrecherche. Ich habe 100 Studierende in Münster nach ihren Familienkontakten befragt. Das Ergebnis: Der münsterische Student fährt im Durchschnitt 15 Mal im Jahr nach Hause und erhält drei Mal Besuch von den Eltern. Bei 50 000 Studierenden kommt man so auf die gewaltige Zahl von 150 000 Elternbesuchen. Mir erschien es ratsam, diese anonymen „Elternströme“ wenigstens von Zeit zu Zeit sichtbar zu machen. Übrigens hat die Uni Münster inzwischen mit Hilfe einer Online-Befragung, an der knapp 2000 Studierende teilgenommen haben, herausgefunden, dass es nicht drei, sondern 5,9 Elternbesuche im Jahr sind.

 

Seit wann gibt es den Elternalarm?

 

Baumeister: Das Konzept habe ich 2004 erarbeitet und dann der Stadt Münster und den Hochschulen vorgestellt. Der erste Elternalarm startete als Pilotprojekt im November 2005. Zunächst fanden die Elternalarm-Wochenenden jährlich im Herbst statt. 2008 schwenkten wir auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus um, weil der Aufwand doch sehr hoch ist und wir Abnutzungserscheinungen vermeiden möchten.

 

Was wird geboten?

 

Baumeister: Zum Standardprogramm gehören immer drei zentrale Veranstaltungen: die unterhaltsame Eröffnungsshow, die Stadtführung und der Mensabrunch. Darüber hinaus bieten die Hochschulen dezentrale Informationsblöcke an: Vorlesungen, Führungen durch die Institute und mehr. Mancher Dekan begrüßt die Eltern auch mit einem Glas Sekt. Ferner erhalten die Eltern mit dem „Elternausweis“ einige Vergünstigungen, etwa ein kostenloses Busticket oder Preisnachlässe bei Kulturveranstaltungen.  

 

Was versprechen Sie sich vom Elternalarm?

 

Baumeister: Als Journalist profitiere ich vom Elternalarm nicht unmittelbar. Mein Engagement im Team erfolgt ehrenamtlich. Für die Stadt ist das Projekt interessant, weil die Eltern von Studierenden eine touristisch interessante Gruppe sind. Die Hochschulen sehen in dem Elternalarm  sicherlich ein Mittel zur Imageförderung. Aus vielen Briefen, Mails und telefonischen Rückmeldungen weiß ich, dass die Eltern ausgesprochen dankbar darauf reagieren, am Studienort ihrer Kinder wahrgenommen zu werden. Das ist auch mein ganz persönlicher Antrieb, an dem Projekt  mitzuarbeiten.

 

Wie ist die Resonanz auf die Veranstaltung?

 

Baumeister: Wir haben über die Jahre hinweg in etwa konstant 1000 Besucher. Gemessen an der Zahl von 50 000 Studenten erreichen wir nur eine Minderheit. Was die Zusammensetzung der Besuchergruppen betrifft, stellen wir einen Wandel fest. Früher kamen in der Tat nur die Eltern, heute kommen oftmals auch Geschwister und Freunde.

 

Was sagen die Studenten dazu?

 

Baumeister:  Wir erleben an den Elternalarm-Wochenenden ganz überwiegend gut gelaunte und sehr entspannte Studenten. Ich vermute, dass jene Studierende, die keinen Besuch wünschen, ihre Eltern erst gar nicht einladen. Wäre der Elternalarm eine Zwangsbeglückung, würde er sicherlich nicht funktionieren.

 

Welche Hochschulen sind beteiligt?

 

Baumeister: Grundsätzlich ist der Elternalarm offen für alle acht Hochschulen in der Stadt. Konkret beteiligen sich die beiden größten an der Programmgestaltung, die Westfälische Wilhelms-Universität und die Fachhochschule Münster.

 

Lohnt sich die Veranstaltung?

 

Baumeister: Unter finanziellen Gesichtspunkten sicher nicht. Dafür ist der Aufwand zu groß und die Teilnehmerzahl zu klein. Der eigentliche Erfolg wird sich möglicherweise erst dann einstellen, wenn die Hochschulen im Zuge des demografischen Wandels die Studenten umwerben müssen.

 

Sollen Eltern der Uni nicht lieber fern bleiben?

 

Baumeister: Von der Grundschule bis zur Uni machen Ausbilder inzwischen die Erfahrung, dass die Eltern die Lernbedingungen ihrer Kinder nicht mehr kommentarlos hinnehmen. Natürlich besteht die Gefahr, dass übereifrige Eltern unselbstständige Kinder erziehen. Gleichwohl können die Bildungseinrichtungen diesen Trend nicht ignorieren, sie müssen darauf reagieren. Aus vielen Gesprächen mit Studenten weiß ich, dass sie den Elternalarm als probates Mittel betrachten, um das Elterninteresse am Studienort zu „kanalisieren“. Frei nach dem Motto: „Dann muss ich nicht selbst den Gästeführer spielen.“ Ganz abgesehen davon entspricht das Klischee der nervigen Mutter und des genervten Sohnes nur selten der Realität. Viele Studenten betrachten ihre Eltern als Ratgeber. Die Zeiten, in denen der Beginn eines Studiums einherging mit einem Bruch mit dem Elternhaus, sind längst vorbei. 

 

 

 

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