Fr., 02.11.2007

Elternalarm Interviews Studierende aufgepasst: Mietverträge bitte lesen!

Wenn junge Menschen zum Studieren nach Münster kommen, mieten sie meist auch zum ersten Mal in ihrem Leben eine Wohnung an. Welche Fehler können dabei passieren? Welche Rolle spielen überhaupt Studierende auf dem Wohnungsmarkt? Darüber sprach WN-Redakteur Klaus Baumeister mit Ulla Fahle vom Mieter(innen)-Schutzverein Münster.

Stimmt der Eindruck, dass sich der Wohnungsmarkt für Studierende entspannt hat?

Fahle: Diesen Eindruck habe ich auch.

Was sind die Gründe?

Fahle: Es gibt zwei Aspekte, die da in Frage kommen. Zum einen wächst die Zahl der Studierenden aus dem Umland, die aus Kostengründen zu Hause wohnen bleiben und nach Münster pendeln. Zum anderen machen wir die Beobachtung, dass viele Vermieter ihre Wohnungen lieber Studierenden anbieten als anderen Einzelpersonen.

Welche Personengruppen meinen Sie?

Fahle: Zum Beispiel Senioren mit geringer Rente oder arbeitslose Singles.

Sind also Studierende für Vermieter eine lukrative Zielgruppe?

Fahle: Bezogen auf das Marktsegment der preisgünstigen Kleinwohnung auf jeden Fall. Überdies sind Studierende viel flexibler. Nehmen wir die klassische Drei-Zimmer-Wohnung, die früher an eine Familie vermietet wurde. Hier kann eine Studenten-WG einziehen. Der Vermieter schließt drei Einzelzimmer-Verträge ab und erzielt so eine höhere Gesamtmiete.

Biete Zehn-Quadratmeter-Bude mit Toilette auf dem Flur für 300 Euro Kaltmiete – sind solche Angebote Studi-Latein oder Realität?

Fahle: In der Praxis habe ich damit kaum zu tun. Es gibt unverändert Wohnraum mit einem sehr niedrigen Standard, wo zum Beispiel noch mit Öfen geheizt wird. Diese Wohnungen sind dann aber auch entsprechend günstig.

Wuchermieten sind kein Thema?

Fahle: Da muss man differenzieren. Die klassischer Wuchermiete beginnt dann, wenn der Mietpreis 50 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Solche Fälle sind mir aus den vergangenen Jahren nicht bekannt. Verträge, bei denen die Miete 20 bis 30 Prozent über der Vergleichsmiete liegt, bekomme ich aber regelmäßig auf den Tisch.

Was sind typische Anfängerfehler, wenn Studierende nach Münster kommen und eine Wohnung mieten?

Fahle: Sie lesen nicht den Mietvertrag , den sie unterschreiben. Manchmal ist in den Verträgen ein Kündigungsausschluss vermerkt, was rechtlich zulässig ist. Kündigungen sind auf beiden Seiten für einen Zeitraum von zwei Jahren oder auch fünf Jahren ausgeschlossen. Studierende ziehen aber gern auch während des Studiums noch einmal um. Dann wird ein solcher Vertrag zum Problem. Ferner achten viele Studierende nicht auf die Nebenkosten. Sie sollten kritisch hinterfragen, ob die monatliche Vorauszahlung, die etwa für Wasser, Abwasser, Müllabfuhr und Heizung berechnet wird, auch realistisch ist. Sonst erleben besonders Erstsemester bei der Jahresabrechnung eine böse Überraschung.

Wie kann man solche Fehler vermeiden?

Fahle: Wohnungsinteressenten sollten sich vom Vormieter oder von einem anderen Mieter in dem Haus eine Jahresabrechnung zeigen lassen.

Welchen Grund haben Vermieter, den monatlichen Abschlag bei den Nebenkosten niedrig anzusetzen?

Fahle: Vermieter wissen, dass Wohnungssuchende häufig nur auf die Gesamtmiete schauen. Bei Angeboten, bei denen die Nebenkosten im Vergleich zur Grundmiete sehr gering sind, ist deshalb Vorsicht geboten.

Viele Partys, viel Ärger mit den Nachbarn: Stimmen eigentlich diese Klischees über Studierende?

Fahle: Das ist eine schwierige Frage. Zunächst einmal mache ich die Erfahrung, dass viele Studierende ein weitaus weniger ausschweifendes Leben führen, als ihre Eltern vermuten oder auch befürchten. Der Druck im Studium ist beträchtlich. Gleichwohl können sich Konflikte innerhalb einer Hausgemeinschaft ergeben, weil Studierende meist einen anderen Tagesrhythmus haben als Berufstätige. Sie stehen später auf, gehen abends aber auch später ins Bett.

Welche Rolle spielen die Eltern, wenn Studierende ihre erste Wohnung mieten?

Fahle: Eine große. Häufig ist es so, dass die Erstsemester eigenständig auf Wohnungssuche gehen. Wenn es aber konkret darum geht, einen Mietvertrag abzuschließen, schalten sie die Eltern ein. Das hängt auch damit zusammen, dass die Eltern neben der Miete auch die Kaution bezahlen oder eine Eltern-Bürgschaft stellen. Wenn sich die Studierenden dann in Münster eingelebt haben, neue Freunde kennen und die Frage neu überdenken, wo sie wohnen möchten, organisieren sie die nächste Wohnungssuche meist eigenständig.

Warum machen Sie beim „Elternalarm“ mit?

Fahle: Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, Studierende und ihre Eltern zu informieren und sie vor Fehlern zu warnen, die teuer werden können. Was muss man beachten bei einer Untervermietung? Welche rechtlichen Aspekte sind bei Wohngemeinschaften wichtig? Wie sieht es aus mit Tieren in der Wohnung? Wie bekommt man seine Kaution zurück? All das sind Fragen, auf die wir eingehen können.

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