Mi., 02.07.2008

Elternalarm Literatur Neues Buch: Wie denken Studierende über ihre Familien?

Wie denken junge Menschen über ihre Eltern, ihre Großeltern, ihre Familie? Wie sehen sie die Familie der Zukunft? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Schreibwerkstatt an der Uni Münster , inspiriert durch das Projekt „ Elternalarm – Münsters Studierende bekommen Besuch“. Unter Leitung der Germanistin Prof. Dr. Cornelia Blasberg hat eine Herausgeber-Team die besten 33 Beiträge gesammelt und in dem Buch „Familiengeschichte(n) zwischen gestern und morgen“ veröffentlich. WN-Redakteur Klaus Baumeister hat die Geschichten gelesen:

Vorsicht! Dieses Buch ist nichts für Menschen mit einem fest gefügten Familienbild! Nichts für Menschen, die in der aktuellen Debatte über die Zukunft unserer Gesellschaft mit Begriffen wie „Herdprämie“ oder „Gebärmaschine“ um sich werfen. Dieses Buch ist aber auch nichts für Kulturpessimisten, die da meinen, die Familie gehe sowieso den Bach runter.
An der Universität Münster haben über 60 Germanisten „ihre“ Familiengeschichte geschrieben. Die 33 besten Beiträgen fanden Eingang in ein Buch, herausgegeben von der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Cornelia Blasberg und anderen, erschienen im Aschendorff-Verlag in Münster.
Die Essays, Kurzgeschichten und Porträts sind sehr persönlich, sehr mutig, sehr authentisch, sehr vielfältig. Hier kommt eine junge Generation zu Wort, die alle Vorzüge und Nachteile einer anhaltenden Individualisierung erlebt hat.
Scheinbar Banales wird zum Ankerpunkt der Reflexion: Da sitzt eine junge Frau am Bett ihres schwer pflegebedürftigen Großvaters und bedauert es, nie mit ihm über die Nazi-Zeit gesprochen zu haben. Da unterhält sich ein junges Paar darüber, wer von beiden im Falle einer Heirat seinen Namen aufgibt. Da blättert eine Autorin in den Fotoalben ihrer Eltern und lässt dabei das eigene Leben Revue passieren.
Besonders die ältere Leserschaft wird erstaunt sein, mit welcher Offenheit intime Dinge angesprochen werden. Von Adriana Morcovic zum Beispiel stammt der wunderschöne Satz: „Wäre sie (meine Mutter) nicht meine Mutter, dann würde ich ihr meine Freundschaft anbieten.“ Und Silvia Schürmann schreibt: „Ich war nicht geplant und habe es nur dem glücklichen Zufall zu verdanken, dass meine Mutter die Pille nicht vertrug, dass ich heute auf der Welt bin.“
Auch Provozierendes ist zu finden: „Väter sind etwas Zufälliges. Es ist völlig irrelevant, ob es sie gibt oder nicht“, schreibt Greta Jäger.
Fazit: Wer wissen will, wie die nachwachsende Generation „tickt“, der sollte dieses Buch lesen.

Cornelia Blasberg (u.a.), Familiengeschichte(n) zwischen gestern und morgen, Verlag Aschendorff , 9,80 Euro.

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