Chorfestival am Emsstrand
Ein Straßenfeger

Greven -

Jede Menge begeisterte Zuschauer, viele Zugaben - das Chorfestival am Beach am Freitagabend war ein absolutes Highlight. Und das Schöne: Es war zwar kalt, aber es blieb trocken.

Sonntag, 22.05.2016, 13:05 Uhr

Stimmgewaltig: Die Männer vom MGV Concordia.
Stimmgewaltig: Die Männer vom MGV Concordia. Foto: Stefan Bamberg

Emsstrand, Freitagabend um kurz vor halb elf. Harald Meyersicks Blicke schweifen durchs Publikum. „Habt Ihr noch Zeit?“, fragt er die Besucher des Chor-Festivals in Showmaster-Manier. Die Zuschauer? Frösteln ein bisschen oder auch ein bisschen mehr, einige teilen sich Decken. Doch sie bleiben sitzen.

Und ob sie noch Zeit haben. Die Faustregel – drei Stücke pro Chor – wird gegen Ende sichtlich großzügig ausgelegt – was sich als goldrichtige Reaktion auf die nicht aufhörenden Zugabe-Zugabe-Rufe entpuppt. Irgendwie wollen sie alle noch nicht ins Bett, selbst die kleinsten Zuhörer bleiben hellwach. Das vierte Chorfestival , es raubt Schlaf und Atem.

Von Folklore bis Pop, ob a cappella oder mit Band, vom i-Männchen bis zum rüstigen Rentner – die musikalische und menschliche Vielfalt sind das Erfolgsrezept eines echten Straßenfegers . Der beginnt am späten Nachmittag, und zwar mit Smartphones. Vielen Smartphones. Logisch, Eltern und Großeltern der Grevener Grundschüler wollen den großen Auftritt ihrer Sprösslinge für die Nachwelt festhalten.

Zum Beispiel den der „Marien-Cantinis“: „Selbst der Stau auf der A2 ist mit Dir blitzschnell vorbei und die Plörre von der Tanke schmeckt wie Kaffee auf Hawaii“, interpretieren sie zum Auftakt Namikas „Lieblingsmensch“, an der Trommel famos begleitet vom syrischen Musiklehrer Abdullah Tamaa . Martin-Luther- und Josefs-Grundschüler glänzen erst solo, dann gemeinsam mit allen drei Schulchören. In den Startlöchern stehen derweil bereits die evangelischen Kinderchöre: Im einheitlichen Quietschgrün schmettern sie die WM-Hymne „Auf uns“ – und lauschen wenig später Songs aus ganz ferner Zeit.

Franz-Walter Lanwer und seine „Beat-Club-Singers“ eröffnen nämlich das Erwachsenen-Programm, unter anderem mit Chers „Shoop-Shoop-Song“. Cher? Die ist just 70 geworden, oder: „Zumindest die meisten Teile von ihr“, haut Lanwer den Gag des Abends raus. Weiter geht‘s mit einer Reise durch Europa: „Harmonie“ bietet russische Folklore, der Cäcilienchor Münster und der Gesangverein Billerbeck-Aulendorf wecken Urlaubsgefühle: „Komm‘ ein bisschen mit nach Italien“ erklingt.

Doch nicht nur die dort besungene „Nacht in San Remo“ ist so wunderschön. Auch am Emsdeich wird’s jetzt richtig lauschig: Minütlich füllen sich die letzten freien Plätze. „It‘s raining men“ gibt das Ensemble „Hochkant“ aus Rheine zum Besten – gut, dass es nur Männer regnet.

Doch ABBA kommt ja eh aus kühleren Gefilden – beim ewig-coolen Schweden-Pop können alle mitmachen. Verschnaufpause? Fehlanzeige! Meyersick präsentiert nun „seine Ladies“, den Frauenchor aus Emsdetten. „Treffen die sich eigentlich zum Proben oder zum Plaudern?“, wundert sich der Chorleiter manchmal. Die Damen nehmen diese liebevolle Frotzelei musikalisch gekonnt aufs Korn, Antwort offen. Aber, kein Zweifel: Singen können sie so oder so fantastisch.

Es geht auf die Zielgerade: Der Gemischte Chor Greven, MGV Concordia und das Musikschul-Ensemble „Vocale“ überzeugen, Uta Rodenbergs „Scales“ reißen mit.

Längst ist es dunkel am Beach: Rammsteins „Engel“, grandios dargeboten von „Voice Cappella“, kommen so noch etwas schauriger rüber. Der Popchor Münster beendet das große Chöre-Schaulaufen am Strand im besten Grönemeyer-Stil: „Was soll das?“ Jetzt müssen alle nach Hause. „Was soll das?“ – Eine berechtigte Frage . . .

Chorfestival am Grevener Emsstrand

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