Kopfkino am Beach: „The Chambers“
Fifty Shades of Crossover

Greven -

Bei der elften Auflage des Open-Air-Klassik-Konzerts am Beach hat die Kulturinitiative die „Chambers“ auf die Bühne geholt. Schon nach dem ersten verjazzten Tschaikowski-Stück, der Eröffnungs-Miniatur aus dem „Nussknacker“ war klar: Dieser Abend wird ein Fest für die Musik.

Montag, 10.07.2017, 20:07 Uhr

Chillen am Beach: Die ungezwungene Atmosphäre bei den Klassik-Open-Air lockte auch diesmal wieder viele Zuhörer in die Emsause.
Chillen am Beach: Die ungezwungene Atmosphäre bei den Klassik-Open-Air lockte auch diesmal wieder viele Zuhörer in die Emsause. Foto: Jens Keblat

Nein, David Christian Bongartz war natürlich nicht da, sonst hätten sie am Beach wohl die Bühne gestürmt. Aber weil jeder den Geigengott, Rockstar und das Sexsymbol unter seinem Künstlernamen David Garrett kennt, lässt sich an ihm am besten erklären, was das denn ist, Crossover. Bach geht aber auch, denn Crossover, die Verwurstung fremder Ideen für die eigene Musik, gab es schon lange vor der Globalisierung und vor allem in der Klassik: Béla Bartók tütete Volksmusik um, Mozart mogelte Opernmelodien in seine Sakralmessen, und was wäre der Jazz ohne den Blues des Monsieur Claude Debussy?

Jetzt, endlich, bei der elften Auflage des Open-Air-Klassik-Konzerts am Beach, traute sich die Kulturinitiative – obwohl es überhaupt kein Wagnis war, die „Chambers“ auf die Bühne zu holen. Schon nach dem ersten verjazzten Tschaikowski-Stück, der Eröffnungs-Miniatur aus dem „Nussknacker“ war klar: Dieser Abend wird ein Fest für die Musik, denn die jugendliche Dynamik, die da über den Bühnenrand schwappte, setzte das Kopfkino in Gang und brachte die Musikfreunde zum Träumen und Schwärmen.

Woran der Temperamentsbolzen Venetia Ese Giwa einen gewichtigen Anteil hatte. Die aus Nigeria stammende stimmgewaltige Sängerin ist zwar öfter in der Kirche zu hören, wo sie sich als Gospelsängerin hervortut, am Beach aber gab sie sich, ganz in Gold und Schwarz, als „Black magic Woman“. Und die Jazzabteilung der „Chambers“ konnte gleich mal mit Nachdruck hören lassen, was man in Köln, Deutschlands Jazz-Hauptstadt, so alles lernen kann.

„The Chambers“ bringen das Publikum am Beach zum Träumen und Schwärmen

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  • Kopfkino an der Ems: Fifty Shades of Crossover Foto: Jens Keblat
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  • Kopfkino an der Ems: Fifty Shades of Crossover Foto: Jens Keblat
  • Kopfkino an der Ems: Fifty Shades of Crossover Foto: Jens Keblat

Die „Chambers“, das sind Solisten und Stimmführer der „Jungen Philharmonie Köln“, die mit ihrem Konzertmeister Artem Komonov einen hoch professionellen, virtuosen Violinisten hat, der für Sarasates „Zigeunerweisen“ begeisterten Zwischenapplaus bekam. Aber auch die ander Musiker zeigten ausdrucksstarke und einfühlsame Kennerschaft, die sie nicht zuletzt den Arrangements des famosen Marc Gertsel zu verdanken haben.

Die Streicher geigten russische Weisen und beweinten mit den Beatles die Einsamkeit der Eleanor Rigby, träumten von Ennio Morricones „Cinema Paradiso“ und wehten mit Schostakovichs schmachtendem Jazz-Walzer einen Hauch Erotik über die Emsauen. (Von der sich ja Stanley Kubrick in „Eyes wide Shut“ und Lars von Trier in „Nymphomania“ verführen ließen.)

Panik vor der Panflöte? Muss nicht sein, denn was der Moldawier Ion Malcoci aus den Holzröhrchen herausholt, hat nichts mit diesen nachgemachten Indios zu tun, die in den Einkaufszonen pausenlos „El Condor pasa“ dudeln. Malcoci spielt, fast gleichzeitig, riesige Intervalle, rasend schnelle Läufe, beherrscht die Doppelblastechnik und flötet schwebende Tremoli herbei, die das Fassungsvermögen schier übersteigern.

Einer fehlt noch, dem das dickste Lob gehört: Jon Boutin, Sänger, Trompeter, Musikdirektor, Musical-Star, Songschreiber, Roncalli-Beschaller, Synchronsprecher und Jobim-Versteher und an diesem Abend auch Venetia Giwas Duo-Partner bei „Hey Jude“, der damals bislang längsten Single. Und hätten sich die Zuschauer nicht längst das rauchen abgewöhnt, hier hätten sie die Feuerzeuge rausgekramt. Nun ja, sie summten mit und klatschten den Rhythmus und wollten die Musiker auch beim abschließenden, allzu zuckerschnutigen „We are the World“ nicht von der Bühne lassen. Und Chambers-Manager Lutz Dollfuß, der den Abend etwas zu leger und hemdsärmelig moderierte, gab dem Publikum, wonach es rief: Noch einen Beatles-Song und als Rausschmeißer den ollen Hummelflug. Den Geschwindigkeitsrekord dafür auf der Geige hält – nein, nicht David Garrett, sondern der Brite Oliver Lewis, der sich im bisher unerreichtem Eiltempo von einer Minute und 3,356 Sekunden durch das Stück gerapselt hat.

Und was bleibt unterm Strich? Da grätscht ja gerne der gute alte Franz Grillparzer dazwischen mit dem Spruch: „Beschriebene Musik ist halt wie ein erzähltes Mittagessen.“ Recht hat er, also: nächstes Mal selber hingehen, träumen und schwärmen.

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