Haiti Spendenaktion
Fr., 26.02.2010
Armut regiert die Hauptstadt Port-au-Prince
Der Präsidentenpalast ist wie ein Kartenhaus zusammengestürzt, das Wirtschaftsministerium zerbröselt und das Finanzministerium ein Haufen Schutt. Präsident Rene Preval hat sich zum Flughafen zurück gezogen, die Polizei ist faktisch verschwunden und die UN-Soldaten patrouillieren mit gepanzerten Wagen und aufgesetzten Maschinengewehren in der Stadt. „Haiti ist am Ende“...
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Port-au-Prince - Der Präsidentenpalast ist wie ein Kartenhaus zusammengestürzt, das Wirtschaftsministerium zerbröselt und das Finanzministerium ein Haufen Schutt. Präsident Rene Preval hat sich zum Flughafen zurückgezogen, die Polizei ist faktisch verschwunden, und die UN-Soldaten patrouillieren mit gepanzerten Wagen und aufgesetzten Maschinengewehren in der Stadt. „Haiti ist am Ende“, ist sich Gerard sicher.
Der gebürtige Haitianer ist vor einigen Jahren in die USA ausgewandert, hat sich dort als IT-Fachmann niedergelassen und kam zurück, um bei den Maltesern zu helfen. „Ein kleiner Funke reicht und Haiti brennt“, ist er sich sicher. Die Sicherheitslage ist höchst angespannt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen bei der Ausgabe von Nahrungsmitteln. Die Arbeitslosigkeit liegt momentan bei fast siebzig Prozent. Die Preise steigen rapide. In der Zeit nach dem Beben lagen die Benzinpreise bei über zwanzig Dollar pro Liter. Lebensmittelpreise haben sich teilweise verzehnfacht.
Schon vor dem Erdbeben war Haiti gefährlich. Entführungen gehörten zur Tagesordnung. „Teilweise waren es 60 bis 70 Kidnappingfälle pro Tag“, schildert Gerard die Kriminalität in Port-au-Prince, „Kriminalitität und Gewalt gehören zur Tagesordnung. Die Menschen sehen oft keinen anderen Weg. Wenige reiche Familien beherrschen die Wirtschaft. So kann man keinen Staat aufrechterhalten.“
Die Malteser-Chefin in Port-au-Prince, Beate Maass, war selbst Zeugin eines Mordes. Direkt vor ihrem Auto wurde ein Mensch erschossen. „Niemand kümmerte sich darum“, beschreibt sie den Fall, "die nächste Aufgabe wird es sein, einen Sicherheitsdienst für unser Büro zu engagieren."
Armut regiert die zerstörte Hauptstadt Haitis. Berge von Müll stapeln sich an den Straßenrändern. Aufräumarbeiten nach dem Beben gibt es nur wenig. Die Zerstörung zieht sich durch die ganze Stadt. Die Kathedrale ist in sich zusammengestürzt. Erzbischof Miot wurde getötet. Auf der Fahrt durch die Altstadt trifft man immer wieder auf Ruinen, in denen noch leblose Körper liegen.
Ein zusammengestürztes Kaufhaus, in dem über 60 Menschen nach wie vor verschüttet sein sollen, wird täglich weiter geplündert. Menschen kriechen durch Ritzen in den Schutthaufen und holen sich, was sie finden können. Ein beauftragter Wachdienst hat die Arbeit schon lange aufgegeben.
„Die Menschen hier sind ohne Zukunft“, ist sich der Malteserhelfer aus den USA sicher, „es gibt keinerlei Altersversorgung. Sieben bis acht Kinder pro Familie sind keine Seltenheit. Sie sollen die Vorsorge der armen Familien fürs Alter sein. Die ärmlichen Hüttensiedlungen am Stadtrand explodieren förmlich.“
Dabei hat Haiti die höchste Aidsquote in der Region, die sexuellen Übergriffe sind nach dem Beben stark angestiegen und führen bei den Hilfsorganisationen inzwischen zu größter Sorge.
Etwa 20 deutsche Organisationen arbeiten derzeit im Karibikstaat vor Ort. Der Flughafen in Santo Domingo in der benachbarten Dominikanischen Republik dient als Drehkreuz für Helfer aus aller Welt. Von hier aus werden im regelmäßigen Flugverkehr durch die vereinten Nationen die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen per Hubschrauber und Flugzeug nach Port-au-Prince geflogen.
Versorgungsschiffe aus mehreren Ländern liegen in der Bucht vor Anker. Unter ihnen ein US-Flugzeugträger und ein Krankenhausschiff des Roten Kreuzes.
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