„Ich habe meine Würde verloren“

Mo., 19.12.2011

  • Derzeit 5 von 5 Sternen.

Artikelbewertung

Vergewaltigte Mädchen leiden / Bildungszentrum eröffnet Kindersoldaten Chance auf selbstständiges Leben

Schwere Wasserkanister transportieren die jungen Frauen auf Fahrrädern. Sie haben in den Kriegswirren viel Leid erlitten, so wie die 21-jährige Cécile (vorne). Foto: (xx)

Schwere Wasserkanister transportieren die jungen Frauen auf Fahrrädern. Sie haben in den Kriegswirren viel Leid erlitten, so wie die 21-jährige Cécile (vorne). Foto: xx

Münster - 

C­écile Matemba ist 21 Jahre alt. Eine hübsche junge Frau, die Schritt für Schritt ins Leben zurückfindet. Sie hat mit Hilfe der Gemeinde St. Jean in Musonoie /Kolwezi Wertschätzung erfahren und Selbstvertrauen gewonnen. „Nur zu gerne singt sie im Kirchenchor“, erzählt Kaplan Hilarius, der in St. Ida Gremmendorf das Wort Gottes verkündet und mit Herzblut seinem kongolesischen Heimatort verbunden ist.


Gute Kontakte unterhält der Geistliche zum dortigen Pfarrer Jean Pascale Mushid, der sich über die Fortschritte von Cécile freut. Doch wenn sie sich erinnert an die sieben vergangenen Jahre ihres Lebens, schießen ihr Tränen in die Augen. Dann sagt sie: „Ich habe meine Würde verloren.“

Google-Anzeigen

Kaplan Hilarius kennt ihre bittere Geschichte. Sie hat keine Eltern mehr, war allein und hilflos, als sie im Alter von 13 Jahren von Soldaten entführt wurde. Cécile kochte für die Kriegsführer und bediente sie, sorgte dafür, dass deren Kleidung ordentlich war. Doch nach einem Ortswechsel wurde sie von Soldaten geschnappt und brutal vergewaltigt. Immer und immer wieder musste das wehrlose Mädchen die abscheulichen Grausamkeiten über sich ergehen lassen, wurde immer stiller – doch ihre verletzte Kinderseele schrie vor Schmerz. Einige der Soldaten, die anstanden, um das Mädchen zu missbrauchen, erschossen sich gegenseitig, wenn es nicht schnell genug ging. Zurück blieb eine traumatisierte Cécile, die nun Vertrauen aufbaut, zu den Menschen in der kongolesischen katholischen Heimatpfarre von Kaplan Hilarius. „Sie ist im Gesundheitszentrum der Gemeinde beschäftigt und gewinnt ihr Lachen zurück.“

Übergriffe auf Leib und Leben haben im Kongo unzählige Mädchen erlitten, weiß Kaplan Hilarius. Jungen und Mädchen seien ihren Familien entrissen worden, um als Kindersoldaten eingesetzt zu werden.

Auf Druck der Internationalen Völkergemeinschaft sind sie aus der Armee entlassen worden. Traumatisiert, ohne familiäre Bindungen und ohne schulische Ausbildung soll ihnen in einem Bildungszentrum eine Zukunft eröffnet werden. Lehrer und Senioren aus der katholischen Kirchengemeinde möchten ihnen bei einer handwerklichen Ausbildung helfen – damit sie ihren Lebensunterhalt allein verdienen können. Schreiner, Maurer, Schneider und Kfz-Mechaniker: Sie alle sind Familienväter und möchten den geschundenen Kindersoldaten, die mit ihren Kindern spielen, Orientierung geben. Damit sie nicht aus den traurigen Erinnerungen an ihrem jungen Leben verzweifeln.

Noch mühen sich die Jugendlichen für einen Hungerlohn in Bergwerken ab, schlafen in erbärmlichen Hütten – werden aber von der dortigen Kirchengemeinde nicht ausgegrenzt und mit Essen versorgt.

Auch der St.-Ida-Gemeinde liegt die Zukunft dieser jungen Menschen sehr am Herzen. Genauso wie den WN-Lesern, die mit ihren großzügigen Spenden Lebensperspektiven schenken.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 5 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 5/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Artikel



Standort

 

WN-Immo Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

WN-Aktionen

Immer mehr drin
Exklusive Angebote für WN-Kunden - wie funktioniert das? mehr...
Anzeige