Di., 19.01.2016

Improvisations-Experte Ralf Schmitt Über die spontane Würze im Leben

Wie das Kaninchen vor der Schlange, so erstarren viele vor der Angst vor Fehlern, meint Impro-Experte Ralf Schmitt.

Wie das Kaninchen vor der Schlange, so erstarren viele vor der Angst vor Fehlern, meint Impro-Experte Ralf Schmitt. Foto: was

Münster - 

Improvisations-Experte Ralf Schmitt gestaltete die jüngste Folge der Vortragsreihe WN-Wissensimpulse.

Von Annette Waschbüsch

Niedlich ist es ja, das Riesenkarnickel auf der Bühne. Dumm nur, dass das flauschige Gewohnheitstier immerzu im Weg rumsteht. Was genau es auf sich hat mit dem „Kaninchen-Feeling“ und anderen Bremsklötzen für flexible Lösungen und spontane Ideen, das zeigte Improvisations-Experte Ralf Schmitt am Montag in seinem Beitrag zur Vortragsreihe WN-Wissensimpulse.

Spontanität steht hoch im Kurs – wer möchte schon der verknöcherte Bedenkenträger sein. „Wir wollen spontan sein“, sagt Schmitt. „Aber gleichzeitig wollen wir absolute Sicherheit.“ Es ist also auch die Furcht, die den Schritt durch die verlockende „Spontanitäts-Tür“ so schwer scheinen lässt. Doch so mächtig das „Kaninchen-Gefühl“ auch ist – glaubt man Schmitt, lässt es sich in etwa so einfach abstreifen, wie das Kaninchen-Kostüm, dass der Improvisations-Profi nach ein paar Minuten zur Seite legt. Doch so wünschenswert die spontane Würze im Leben auch scheint, so selten trete sie in Erscheinung, sagt Schmitt: Nur drei mal sei der Durchschnittsdeutsche in seinem Leben spontan – zumindest statistisch gesehen. „Nämlich immer dann, wenn er verliebt ist“, erklärt Schmitt. Eine weitere spontane Phase komme dann oft noch im Alter. „Dann ist es nämlich eh egal.“ Wer liebt, ist also spontan, glaubt der Impro-Experte, der unter anderem Schauspieler am Hamburger Improvisations-Theater Steife Brise ist. Denn Verliebte befolgten automatisch eine der Grundregeln der Spontanität: „Sag Ja.“ Denn: „Mit einem Ja geht es weiter. Mit Nein hört es auf“, fasst Schmitt zusammen und gibt seinen Zuhörern auch gleich eine „Übung To Go“ mit auf den Weg: „Sagen sie Ja statt Nein, genau 30 Minuten lang, wann immer sie wollen, aber wenn, dann konsequent.“

Wer Ja sagt, muss allerdings auch Mut haben – nämlich den Mut zu Scheitern. „Gerade in Deutschland ist das aber oft ein großes Problem“, sagt Schmitt. Dabei liege im Unperfekten ein großes Potenzial. „Wissen sie wie Viagra erfunden wurde“, fragt Schmitt. „Das sollte eigentlich ein Blutdruckmittel sein.“ Doch das vermeintlich gescheiterte Präparat wurde für den Pharmakonzern zur veritablen Goldgrube. Fehler seien also nicht unbedingt eine Katastrophe.

„Da sollte man sich nach dem Motto richten: Entweder ich gewinne, oder ich lerne“, rät Schmitt und umschreibt damit das, was er sonst seine „Fuckup-Regel“ nennt. Zumal Spontanität immer auch einen Regelbruch bedeute.

Graue Theorie bleibt nichts an diesem Abend. Mal stiftet Schmitt sein Publikum zum Geschichtenerfinden an, mal improvisiert er ein Interview zum Thema „Nacktschnecken-Ballett“ – spontan und aus dem Bauch heraus. Denn das sei die dritte Spielregel der Spontanität: „Sie kommt aus Kopf und Bauch.“

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