Stopp in der Autostadt verpasst
Wolfsburg und der ICE - Eine Beziehung ohne Halt?

Wolfsburg -

Es ist schon wieder passiert - und zwar dreimal. Im vergangenen Jahr verpassten erneut ICE-Züge den Halt in Wolfsburg. Die Bahn will sich bessern. Wird 2018 alles planmäßig laufen?

Dienstag, 02.01.2018, 15:01 Uhr

Stopp in der Autostadt verpasst: Wolfsburg und der ICE - Eine Beziehung ohne Halt?
Nach 2011 und 2016 verpassten wieder ICE-Züge den Halt in der VW-Stadt. Die Bahn bemüht sich um Verbesserung. Foto: dpa

Zwischen Wolfsburg und den Fernzügen der Deutschen Bahn wollte es 2017 wieder nicht wirklich klappen. Dreimal verpasste ein ICE den Halt in der Stadt. Da die Bahn Ende 2016 einmal und im Jahr 2011 ebenfalls dreimal binnen kurzer Zeit an Wolfsburg vorbeifuhr, sprechen böse Zungen mittlerweile von einer Tradition. Ob sich diese 2018 brechen lässt, und Stadt und ICE wieder planmäßig zueinander finden, ist offen.

Sobald ein ICE versehentlich nicht in Wolfsburg hält, verweist die Bahn auf die jährlich über 500.000 Fahrten im Fernverkehr mit fast drei Millionen Stopps. Die eigentliche Botschaft dahinter liefert das Unternehmen direkt mit: „Das versehentliche Auslassen eines Halts ist eine Ausnahme“.

Zumindest in Wolfsburg dürften inzwischen Zweifel aufgekommen sein. „Das Problem gibt es auch andernorts, Wolfsburg ist aber mittlerweile das prominenteste Beispiel“, beschrieb „ Pro Bahn “-Sprecher Karl-Peter Naumann die Situation nach dem letzten Vorfall im November.

Die Nachricht, dass ein ICE an Wolfsburg vorbeigerauscht ist, entlockt also vielen nur noch ein Schmunzeln und kurzes Achselzucken. Aber nicht nur für die betroffenen Reisenden sind Umwege und Verspätungen ein Ärgernis. Die Bahn könnte auf die süffisanten Texte in den Kommentarspalten der Zeitungen sicher gut verzichten. Und auch bei Twitter dürften den Nutzern allmählich die Witze mit den Hashtags ICE und Wolfsburg ausgehen.

Auch Bundesliga-Freikarten halfen nicht

„Das ist ein Trauerspiel, das ist äußerst ärgerlich“, kommentierte ein Sprecher der Stadt im Jahr 2011 die verpassten Halte. 2017 gab es mit der Bitte um Verständnis keine Stellungnahme mehr.

Es kriselt und das Vertrauen sinkt. Sicher auch, weil 2011 ein ranghoher Bahnvertreter Wolfsburgs Oberbürgermeister versichert hatte, dass die Deutsche Bahn den Stopp nun wirklich nicht mehr vergessen wolle. Mit Freikarten für ein Bundesliga-Heimspiel hatte der VfL Wolfsburg damals bei Lokführern für den Halt geworben. Und nun doch die neue Pannenserie.

Baustellen als Begründung

Als einen Grund für die verpassten Stopps 2017 nennt die Bahn mittlerweile Baustellen auf der Strecke zwischen Wolfsburg und Berlin. „Durch die Bauarbeiten sind spezielle Fahrpläne notwendig“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Lokführer seien nun darauf hingewiesen worden, auf die speziellen Fahrpläne während der Bauphasen zu achten.

Für „Pro Bahn“-Sprecher Naumann sind Baustellen eine schlüssige Begründung dafür, dass Lokführer Wolfsburg schlichtweg vergessen. „Unregelmäßigkeiten erhöhen die Chance, etwas zu vergessen“, sagte er. Grundsätzlich systematische Fahrpläne und eine bessere interne Kommunikation von Sonderfahrplänen könnten seiner Meinung nach auch helfen.

Die kuriosesten Polizeigeschichten des Jahres 2017 aus NRW

1/8
  • DARTH VADER BRAUCHT GELD:

    Die Dorstener Polizei hatte es vor gar nicht langer Zeit mit einem wahren Schurken zu tun: mit „Darth Vader“ aus Sternen-Saga „Star Wars“. Sie suchte nach einer Unbekannten, die mit Maske und Umhang des dunklen Lords Geld vom Konto einer Frau aus Essen abgehoben hatte. Die Macht war nicht auf der Seite der mutmaßlichen Betrügerin. Im Januar meldete die Polizei, man habe die 28-Jährige ermittelt. In ihrer Wohnung fand man Maske und Umhang.

    Foto: Friso Gentsch, dpa (Symbolbild)
  • WEIT SPUCKEN UND TIEF FALLEN:

    Im April fiel ein Student in Witten acht Meter tief von einem Balkon - weil er bei einer Party seine Weitspuck-Fähigkeiten beweisen wollte. „Er hat in seinen Spuckversuch einige Wucht reingelegt“, analysierte ein Polizeisprecher. Ob er das Wettspucken zumindest gewann, wurde nicht aktenkundig. Der Student kam wie durch ein Wunder ohne lebensgefährliche Verletzungen davon - weil er auf ein parkendes Auto prallte.

    Foto: Wilfried Gerharz (Symbolbild)
  • ZANKAPFEL HUNDEHÄUFCHEN:

    Hundekot ist echt ärgerlich. In Essen eskalierte der Streit um einen Haufen aber derart, dass es am Ende einen Schwerverletzten und eine Festnahme gab. Zunächst stritten sich nach Polizeiangaben ein Hausmeister und eine Hundebesitzerin wegen „Nichtentfernens von Hundekot“. Dann mischten sich auch noch der Sohn und der Enkel der Dame in den Zwist ein. Irgendwann traf zudem der Sohn des Hausmeisters ein. Wie sehr der Streit außer Kontrolle geriet, lässt sich an seiner Verletzung ablesen: Er wurde von einer Pfefferpistole aus kurzer Entfernung im Gesicht getroffen.

    Foto: Markus Kampmann (Symbolbild)
  • PAPA HAT ZU TUN:

    In Köln brach ein Mann nachts in eine Bank ein, während sein elf Jahre alter Sohn und seine Frau draußen warteten. Als Polizisten samt Diensthund aufkreuzten, gaben sich Mutter und Kind weitestgehend ahnungslos. Auf dem Handy des Jungen fanden die Beamten aber eine recht eindeutige Nachricht des Mannes: Er könne aktuell nicht aus einem Loch krabbeln, da sei ein Hund. Die Polizei versprach, das Jugendamt werde über die „nächtlichen Aktivitäten der Familie in Kenntnis gesetzt.“

    Foto: Colourbox.de
  • SALAMI-TAKTIK:

    Wurst auf Brot: gut. Wurst auf Auto: nicht gut. Dennoch nutzte in Rahden im Kreis Minden-Lübbecke ein Mann eine Salami, um damit ein vorbeifahrendes Auto zu bewerfen. Als der Fahrer ausstieg, um den Aggressor zur Rede zu stellen, sprühte dieser auch noch Pfefferspray. Nach Angaben der Polizei war der Salami-Werfer betrunken. Warum er aber genau zu der Wurst griff, blieb erstmal sein Geheimnis.

    Foto: Colourbox.de
  • ALLE MEINE ENTCHEN... SIND WEG:

    Im Sommer beschäftigte ein mysteriöses Verschwinden von Entenküken Siegburg. Augenzeugen gaben entsprechende Beobachtungen von einem örtlichen Weiher zu Protokoll. „Wir haben den Fall, dass da irgendwas im Wasser die Küken wegfrisst oder einsaugt“, konstatierte der Leiter der städtischen Grünflächenabteilung. Es schossen Theorien ins Kraut, auch Hundebesitzer waren in Sorge um das Leben ihrer Tiere. Ein Monster in Siegburg? Der Verdacht fiel dann auf einen Wels.

    Foto: Sigmar Syffus (Symbolbild)
  • UNGLEICHES PS-DUELL:

    Ein Zwölfjähriger in Dortmund nahm im Juli die Verfolgung eines flüchtigen Lastwagenfahrers auf - auf einem Tretroller. Er entschied das ungleiche Duell sogar für sich, die Polizei berichtete begeistert. Der Fahrer hatte einen Stromkasten gerammt, der Junge das beobachtet. Er verfolgte den Brummi, bis dieser wieder parkte und gab die Information an die Polizei weiter.

    Foto: Colourbox.de (Symbolbild)
  • BADEMANTEL-BOTSCHAFTEN:

    Ein Mann im Bademantel auf dem Dach ließ im März Nachbarn bei Aachen aufschrecken. Sie dachten, er wolle springen und alarmierten die Polizei: Der Mann sei habbackt und spreche auch noch mit sich selbst. Wie sich herausstellte, war die Situation fehlgedeutet worden. Beim Streichen auf dem Dach habe er sich mit Farbe bekleckert, erzählte der Mann. „Also habe ich mich geduscht und mir den Bademantel angezogen.“ Blöderweise klappte danach der Fernseher nicht richtig. Er war beim Streichen wohl an die Satellitenschüssel gekommen. Also wieder rauf aufs Dach, um das Ding zu richten - im Bademantel. Weil das nicht gleich klappte, habe er ein wenig geschimpft.

    Foto: Colourbox.de (Symbolbild)

Problem als Teil der Lösung

Die Hoffnung ist, dass der ICE-Halt in Wolfsburg nach 2017 auch beim Bahnpersonal verstärkt im Bewusstsein verankert ist. Dabei könnte das Problem selbst sogar Teil der Lösung werden. „Wolfsburg ist dadurch so populär, dass alle Lokführer sicher mehr darauf achten“, meinte Naumann. Aufeinander zu achten, soll sich bekanntermaßen positiv auf eine Beziehung auswirken. Ob sich die Halte-Pannen in Zukunft damit wirklich verhindern lassen, will mit Sicherheit aber niemand sagen.

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