Do., 12.09.2013

Tanzen Ganz schön kompliziert: Tänze aufzeichnen

Als Choreologin muss Tatjana Thierbach vieles gleichzeitig im Blick haben. Foto: Sarah Klein

Als Choreologin muss Tatjana Thierbach vieles gleichzeitig im Blick haben. Foto: Sarah Klein Foto: dpa

Hast du schon mal Ballett-Tänzer gesehen, die alle zur gleichen Zeit das Bein heben oder schwierige Drehungen machen? So ein Tanzstück ist oft über eine Stunde lang – da kann man schon mal durcheinanderkommen: Wird jetzt zuerst der rechte oder der linke Fuß gehoben?

Von dpa

Hier würde Tatjana Thierbach schnell einen Blick auf das Papier vor sich werfen und Bescheid wissen. Sie arbeitet als Choreologin im Ballett. Choreologen zeichnen auf Papier genau auf, welcherwelche Bewegungen machen muss, damit das Ballett-Stück gut aussieht. «Choreologie ist wie eine Sprache, um Bewegungen aufzuschreiben», sagt Tatjana Thierbach. «Dabei gibt es ein System, das ähnlich wie Buchstaben, Worte und Sätze funktioniert.»

Aber nur sehr wenige können das, was Tatjana Thierbach aufschreibt, lesen. Vor sich hat sie einen dicken Ordner liegen. Darin ist auf Hunderten von Seiten ein einziges Ballett-Stück aufgeschrieben. Dafür hat sie Monate gebraucht. Die Linien, Striche, kleinen Kreise und Punkte sehen aus wie eine Geheimsprache. Tatjana Thierbach lacht: «Ja, das Lesen muss man tatsächlich üben. Das hier bedeutet zum Beispiel, dass der Tänzer seinen rechten Arm nach oben bewegen soll», sagt sie und zeigt auf einen Strich.

Jede Zeile besteht aus fünf Linien. Gelesen wird von links nach rechts - wie eine Zeile in einem Buch. «Ich habe verschiedene Zeichen, die stehen zum Beispiel für den Kopf oder die Beine», sagt die Choreologin. Bewegungen mit dem Kopf werden in der obersten Linie eingetragen, Bewegungen mit den Füßen dagegen in der untersten.

In einemsind auch die kleinsten Bewegungen genau festgelegt und müssen von den Tänzern genau so einstudiert werden. Tatjana Thierbach kann deshalb sogar aufschreiben, wie ein Tänzer seinen kleinen Finger halten soll. «Das Komplizierte ist, dass ja nicht nur ein Tänzer auf der Bühne tanzt, sondern mehrere», sagt die Choreologin. Bis zu 60 Tänzer muss sie schon mal gleichzeitig im Auge haben. Dabei darf sie bei ihren Aufzeichnungen nicht den Überblick verlieren. Denn sie ist so etwas wie die Dirigentin in einem Orchester.

«Ich studiere mit den Tänzern das gesamteein», erzählt sie. Sie bringt zum Beispiel neuen Tänzern bei, wie genau sie an welcher Stelle ihren Körper halten sollen, damit alles zusammen gut aussieht. Tatjana Thierbach hat selbst Ballett gelernt, sonst könnte sie vieles nicht vormachen. «Aber natürlich muss das bei mir nicht ganz so gut aussehen wie bei den Tänzern auf der Bühne», sagt sie. «Hauptsache, die Schritte stimmen.»

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