So., 28.02.2010

Kultur Nachrichten Krise macht fett

Von Heike Eickhoff

Münster - Er kommt, reibt sich kurz die Hände und legt los. Richard Rogler ist routiniert und hellwach zugleich. Und er lässt sich genug Zeit, um nicht nur Lacher einzufahren. Denn Rogler hat was zu sagen.

Ein paar deftige Knaller zur Einstimmung: Der neuerdings auftretende Optimismus der Deutschen lässt ihn über elegante Umwege zur Wirtschaftskrise kommen. Die führt zur Flucht zum Discounter und anschließend mit dem Einkauf in die eigenen vier Wände. Roglers Fazit: „Früher ist der Deutsche in Krisenzeiten verhungert, heute wird er immer fetter!“

Die Demokratie habe derweilen eine neue Qualitätsstufe erreicht, denn das Volk erwarte von den Politikern nichts mehr. Umgekehrt aber ebenso. Freche Sprüche gehören ins Programm Roglers wie nachdenkliche Anstöße. Den Kulturstaatsminister Bernd Neumann fragte er indirekt: „Was machen sie eigentlich beruflich?“ Die politischen Parteien bekommen nacheinander ihr Fett ab: „Parteien sind in der Regel Vereine für Menschen, die sonst keine Freunde finden.“ Die eine Hand in der Hosentasche stolziert Rogler über die Bühne, schwatzt vor sich hin, doziert und hat die Zuhörer gut im Griff. Viele Lacher, ein paar bleiben allerdings im Halse stecken, belohnen ihn. Merkel, Rüttgers, Westerwelle hält er den Spiegel vor, zitiert die Bundeskanzlerin mit dem Ausspruch „Der Aufschwung ist jetzt unten angekommen“ und wird trotzdem, alter Hase und Menschenfreund, der er ist, nie beleidigend.

Lacher gab es allenthalben für den angeblichen Wunsch der Linken, Denkmäler von Gysi und Lafontaine vor allen Fabriken mit mehr als 100 Arbeitern aufstellen zu lassen. Kurz vor der Pause mit Inbrunst die These: „Der Mensch braucht keine Arbeit, er braucht ein Einkommen. Und da ist Arbeit die blödeste Möglichkeit!“

„Zweite Halbzeit, bitte schön!“ ruft Rogler nach Pausenende und schüttet ein weiteres Füllhorn spitzfindiger Geschichten aus. Ein bisschen Tagespolitik, ein bisschen kauzige Schilderungen sportlicher Aktivitäten. Die Qualen des Mannes beim Älterwerden und die Problematik hochbegabter Kinder sind bei ihm in den besten Händen, er scheint sich überall auszukennen. Immer wieder blitzt, besonders wenn es um die Chancen jüngerer Leute geht, aber echte Betroffenheit bei Rogler durch. Bitterböse kommt der Dialog eines Gefreiten der Bundeswehr mit seinem Vorgesetzten in Afghanistan daher. Klar, auch die Lachmuskeln werden hier traktiert, aber die Ernsthaftigkeit der Situation lässt Rogler deutlich werden. Am Ende erzählt er noch, wie er 20 unerwünschte Bonus-Basketbälle an seiner Tankstelle dort gegen vier unnötige Schwingschleifer getauscht hat. Das ist dann einfach nur lustig.

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