Kultur Nachrichten
Mo., 15.03.2010
Einblicke in eine archaische Welt
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Osnabrück - Dieses Bild flimmert jeden Abend über die Mattscheibe: verhüllte Frauen, ohne jeden Anschein von Individualität, beherrscht und herumkommandiert von Männern. Alltag überall dort, wo aus europäischer Sicht noch steinzeitliche Verhältnisse herrschen. Ein schwer nachvollziehbares Frauenbild, das nun auf der Opernbühne problematisiert wird. Am Samstag brachte das Theater Osnabrück „Neda - der Ruf“ zur Uraufführung. Presse, Funk und Fernsehen waren reichlich vertreten und neugierig auf das Werk des 1958 in Teheran geborenen Komponisten Nader Mashayekhi.
Mashayekhi geht weit zurück in die persische Geschichte, begegnet dem noch heute hoch verehrten, 1209 gestorbenen Dichter Nizami und seinen Märchen über Fitna, Nuschabe und Turandot (die Puccini bereits in eine Oper aufgenommen hat). In allen dreien spiegeln sich die subversiven Utopien des Dichters: Visionen von Gleichberechtigung, vom Ende männlicher Unterdrückung.
Regisseurin Carin Marquardt inszeniert plakativ auf einer einfach strukturierten Bühne. Das passt gut zum Libretto. Dort wird immer wieder holzhammerartig vermittelt: Die Emanzipation der Frau muss weiter vorangetrieben werden. Eine Botschaft, der jeder zustimmt, die jedoch sehr an der Oberfläche vermittelt wird.
Neda - das ist auch der Vorname einer Studentin, die in Teheran auf offener Straße erschossen wurde. Ein Schock, der ihn mitten in der Arbeit an seiner Oper ereilte, so Nader Mashayekhi. Doch für das Bühnengeschehen hat dieser sinnlose Tod keine erkennbare Relevanz. Aus dem archaisierenden Beginn des Werks mit seinen statischen Klängen entwickelt sich ein breiter musikalischer Strom, der trotz einer Vielzahl kleiner und kleinster Aktionen insgesamt doch recht gleichförmig vorüberzieht. Dirigent Daniel Inbal hat die schillernde Musik fest im Griff, ganz herausragend wird gesungen: vom Opernchor und von den acht Solisten, die so manche technische Klippe zu meistern haben, obgleich Mashayekhi sehr sanglich komponiert.
Eine Oper eines persischen Komponisten in Osnabrück - die fällt nicht einfach vom Himmel, sondern ist Frucht einer jahrelangen Beziehung. Im Rahmen des „Morgenland-Festivals“ gastierte das „Tehran Symphony Orchestra“ in der Domstadt, die Osnabrücker unternahmen im Gegenzug eine viel beachtete Tournee in die iranische Hauptstadt. Ein Brückenschlag zwischen zwei Kulturen, wichtiger denn je. „Neda - der Ruf“ ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.
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