Mo., 05.04.2010

Kultur Diese Schrift stammt von Liszt

Von unserem Mitarbeiter Chr. Schulte im Walde

Münster - Es sind viele, viele Briefe , die Laura Grüber inzwischen gesichtet und gelesen hat. Briefe an den Komponisten Anton Urspruch , über den die Musikwissenschaftlerin zurzeit ihre Doktorarbeit am Institut für Musikwissenschaft der Uni Münster schreibt. Anton Urspruch, 1850 in Frankfurt geboren und 1907 dortselbst gestorben, war zu Lebzeiten ein hoch geachteter Musiker. Als junger Student genoss er die Freundschaft und große Anerkennung seines Lehrers Franz Liszt in Weimar . Und der hat seinem Schüler und Freund auch etliche Briefe geschrieben, die sich im Nachlass Urspruchs finden.

Kürzlich stieß Laura Grüber bei Durchsicht dieser Briefe überraschend auf einige Notenblätter. „Die Handschrift, das stand sofort fest, war nicht die von Urspruch“, erläutert Grüber, deren Blick für Urspruchs Schreib- und Notenschrift inzwischen äußerst geschärft ist. Doch schnell stellte sich heraus, was das für Noten waren, die da so unerwartet in der gesammelten Korrespondenz steckten: „Die drei Zigeuner“ und „Die stille Wasserrose“ - zwei Lieder von Franz Liszt.

Das eine, die „Zigeuner“, wurde offenbar von einem namenlosen Kopisten fein säuberlich und mit großzügigen Zeilenabständen auf das Notenpapier gebracht - zu dem Zweck, dass der Meister höchstpersönlich vor Drucklegung noch einmal drüber schaut und korrigiert. Diese Gelegenheit nutzte Liszt auch ausgiebig, strich mit kräftigen roten und blauen Stiften den bereits komponierten Beginn des Liedes und ersetzte ihn eigenhändig durch einen neuen. Auch im weiteren Verlauf änderte Liszt noch manche Details - und in dieser Fassung aus letzter Hand findet sich das Lied auch in der Gesamtausgabe der Werke Liszts.

Noch spannender ist „Die stille Wasserrose“, denn diese Notenschrift ist mit ziemlicher Sicherheit ein Autograf. „Schrift- und Notenbild entsprechen, wenn man sie mit anderen Originalen vergleicht, der Handschrift Liszts“, berichtet Laura Grüber. Ihre Recherchen ergaben, dass für den Erstdruck dieses Liedes beim Verlag kein Original, sondern nur eine von Liszt durchgesehene Abschrift verfügbar war. Diese befindet sich heute im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Das Autograf aber liegt - in Münster. Sicher aufbewahrt in einem Tresor mit dem Nachlass von Anton Urspruch, den seine Enkelin Veronica Kircher in ihre Obhut genommen und der wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich gemacht hat.

Zwei Erkenntnisse bringt dieser Noten-Fund: Zum einen gestattet er einen Einblick in die Arbeitsweise von Franz Liszt und zeigt, dass er selbst die für den Notenstich angefertigte Reinschrift noch abänderte, wenn er es für nötig hielt. Zum anderen belegt er die enge Beziehung zwischen Liszt und Anton Urspruch. Laura Grüber: „Dass Liszt ihm offensichtlich Autografe überlassen hat, zeugt von dem vertrauten Verhältnis, von der Freundschaft zwischen den beiden.“

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