Fr., 04.06.2010

Kultur Nachrichten Wörterreise über den Weißwurstäquator

Prof. Stephan Elspaß (l.) und Dr. Markus Denkler von der Kommission für Mundart- und Namenforschung.Foto: (kok)
Von unserem Redaktionsmitglied Harald Suerland

Münster - Wenn der Sonnabend zum Samstag wird oder der Lauch den Porree verdrängt - dann werden Sprachforscher neugierig. Wie Stephan Elspaß, Professor an der Universität Augsburg und Herausgeber eines „Atlas zur deutschen Alltagssprache“, in dem dargestellt werden soll, wo im deutschen Sprachgebiet welche Varianten des Wortschatzes und der Grammatik verwendet werden. In der Vortragsreihe über die Regionalsprachen im 21. Jahrhundert erzählte er von seinem Verfahren, per Internet-Befragung mehrerer Tausend Menschen eine riesige Datenmenge über die gesprochene Sprache zu erhalten, die ausgewertet und in farbige Atlaskarten übertragen wird: Klar etwa, dass der „Bierfilz“ besonders in Bayern viele Punkte auf der Deutschlandkarte bekommt, der „Bierdeckel“ hingegen nördlich des Mains.

Manche Sprachvariante südlich des Weißwurstäquators erwartet man vielleicht: Wer etwa würde sich in unserer Region schon einen „Zahn reißen“ lassen? Zu den versteckteren Merkwürdigkeiten gehört, dass der Mensch aus dem Norden „hier“ steht und der Mensch aus dem Süden „da“, obwohl sich beide an derselben Stelle befinden. Spannend ist die Erkenntnis, dass politische Grenzen zu Sprachgrenzen werden können: Den „Fleischer“ kennen vor allem Bewohner der früheren DDR, andere gehen zum „Metzger“ oder „Schlachter“ - obwohl auch die zur Fleischer-Innung gehören.

Zum vorläufigen Fazit des Sprachforschers Elspaß gehört, dass sich alte Dialekte (wie das Platt) tatsächlich im Schwund befinden, dass der Wandel aber zu einem größeren Varietätengefüge, zu neuen Dialekten führt. Und während der Samstag und der Lauch ihre sprachliche Karriere von Süden nach Norden fortsetzen, spricht man bei uns nach wie vor von „Pusemuckel“: Nur ein Bayer würde von „Hintertupfingen“ reden, verrät der Sprachatlas.

» Am 15. Juni um 18.30 Uhr spricht Jens Lanwer im Vortragssaal der Medienhauses Aschendorff (An der Hansalinie 1 in Münster) über „Mundarten in aller Munde. Zum Phänomen der Laienimitation in Alltagsgesprächen“.

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