Do., 21.10.2010

Kultur Nachrichten Sammlung in Bewegung

Das Architekturmodell zeigt, wie sich Alt- und Neubau ergänzen sollen.Foto: (Staab)
Von unserem Redaktionsmitglied Harald Suerland

Münster - Braucht der Mensch noch Kunstmuseen? Hat er es nötig, sich Gemälde oder Zeichnungen in einem solchen Kulturgebäude anzusehen, wenn er sie sich aus allen Ecken der Welt in guter Reproduktionsqualität auf den heimischen Computer holen kann?

Solche Fragen stellen sich nicht etwa Menschen, die ihre Freizeit vorwiegend am Flatscreen verbringen, sondern Museumsexperten wie Dr. Hermann Arnhold aus Münster. Der Direktor des LWL-Landesmuseums hat jetzt eine Reihe mit dem vielsagenden Titel „Neubau.Gespräche“ eröffnet - die gewaltige Baustelle nebenan, die vom Abriss und Neubau eines Teils des Museumsgebäudes kündet, ist ja nicht zu übersehen.

Arnhold, der selbst die provokativen Fragen nach dem Sinn der Sache an den Anfang der Reihe stellte, zeigt, dass Münster sich in guter Gesellschaft befindet: Von Bremen bis München, vom französischen Metz bis Leipzig gibt es derzeit Um- und Neubauten großer Museen. Vielfach ist die Situation mit Münster vergleichbar: Ein schöner Altbau bleibt bestehen, ein Neubau aus den siebziger Jahren hingegen wird abgerissen und ersetzt. Weit zu reisen braucht man auch nicht, um ein rasch berühmt gewordenes Beispiel zu finden: Das neue Museum Folkwang in Essen verspricht als herausragendes Projekt der Kulturhauptstadt 2010 auch in den kommenden Jahrzehnten ein Besuchermagnet zu bleiben. Offensichtlich gibt es die Sehnsucht der Menschen nach echten Bildern anstelle bloßer Abbildungen, nach Begegnung mit der Kunst.

Was kann Münster in diesem Zusammenhang erreichen? Arnhold will solche Fragen mit Interessenten und Experten erörtern, will die Vorträge als Einladung verstanden wissen, über das neue Museum zu diskutieren. Und hat selbst eine klare Vorstellung, wie man das Westfälische Landesmuseum für ein großes, überregionales Publikum positionieren kann.

„Wir werden weniger ausstellen, aber häufiger wechseln“ - so deutet er im Gespräch mit unserer Zeitung an, dass mehr Bewegung in die Präsentation der eigenen Sammlung kommen wird. Für das neue Haus, in dem Alt- und Neubau organisch miteinander verbunden sein werden, steht zunächst ein chronologischer Rundgang im Zentrum, „damit die Besucher sich jederzeit orientieren können“. Innerhalb dieser Chronologie aber wird es „thematische Erzählungen“, wird es sogar Überschreitungen der Epochen geben. Also nicht 15 Flügelaltäre in einem Raum, nicht Kunstgeschichte „von der Steinzeit bis zum Raumschiff“ aufgereiht - sondern zum Beispiel Madonnen-Darstellungen aus dem Mittelalter und der Gegenwart in schönem Kontrast. Wie man es zwischenzeitlich auch in der Präsentation unter dem Titel „Aufgemischt“ schon sehen kann.

Für die eigene Sammlung - Arnhold nennt stolz die Zahl von 350 000 Objekten - steht dreimal so viel Ausstellungsfläche zur Verfügung wie für die Wechselausstellungen: Das Verhältnis ist genau so gewollt und zeigt, wo der Schwerpunkt liegt, spricht aber keineswegs gegen außergewöhnliche Ausstellungen. Der Museumsdirektor liebt das Wort „Blockbuster“ nicht, wenn es lediglich den Import fremder Groß-Ausstellungen wie „MoMa“ in Berlin meint, spricht aber mit großem Respekt von der publikumsträchtigen Monet-Schau in Wuppertal. „Ich habe nichts gegen große Ausstellungen“, betont Arnhold: Alle drei Jahre soll auch Münster künftig mit internationalen Schauen Besucherströme locken, wie „Orte der Sehnsucht“ es gezeigt hat. Und die vielen Museumsumbauten, von denen Hermann Arnhold spricht, dokumentieren auch einen Anspruch: „Sie sehen, in welcher Liga wir mitspielen wollen.“

» Die „Neubau.Gespräche“ gehen weiter: In diesem Jahr sprechen noch Jan Hoet (langjähriger Leiter des Marta in Herford) am 18. November um 19 Uhr über „Es lebe die Provokation! Museale Erfolgsbausteine“ und Hartwig Fischer vom Museum Folkwang in Essen am 2. Dezember um 19 Uhr über „Die schönste Museumsbaustelle der Welt“.

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