So., 19.12.2010

Kultur Nachrichten Wir sind das Dorf

Von unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy

Münster - Haben Sie schon mal Münsterländer auf Plattdeutsch rappen sehen? In der Komödie „De Lüü van´n Lehmpott “ kann man solche Raritäten genießen. Die Komödie um einen heimkehrenden Auswanderer, der sein Geburtskaff in ein Museumsdorf verwandeln will, und um einige liebenswerte Dörfler schöpfte am Samstagabend in der Regie von Hannes Demming im Kleinen Haus aus dem Vollen. Zugleich nahm Demming als Regisseur Abschied, genoss die warmen Dankesworte des Generalintendanten Wolfgang Quetes für 15 Jahre Regie-Arbeit. „Bleiben Sie der liebenswertesten Sparte unseres Hauses treu“, so lautete die Botschaft des Intendanten und des scheidenden Regisseurs ans Publikum.

Da darf man doch aus vollem Herzen „Jau!“ sagen; denn wenn ehrenamtliche Akteure 60 Mal im Jahr proben und dann eine solche Leistung zeigen, dann braucht niemandem um die Niederdeutsche Bühne bange zu sein, auch wenn das Niederdeutsche im Münsterland langsam erodiert.

Demmings Nachfolger Hermann Fischer führte als „Verteller“ und Küster des Dorfes Lehmpott durch den Abend. Konrad Hansens Stück lebt vom Zusammenprall der Moderne mit der alten Zeit. Eine Zeit lang scheint es dem großspurigen Auswanderer und Heimkehrer, dem argentinischen Rinderbaron Fernando Rethwisch (prima: Bernd Artmann) zu gelingen, die Dörfler für sein nostalgisches Vorhaben zu gewinnen. Im dörflichen Kosmos treffen wir in seltener Dichte auf ganz unterschiedliche Quer- und Quaterköppe. Auf Gustav zum Beispiel (herrlich: Bernd E. Bäumer), der als Bestatter bei jedem mit dem Zollstock für den Sarg Maß nimmt, oder auf Tante Käthe (die münsterländische Heidi Kabel: Monika Rappers), die gerne mit ihrem Hannes im Himmel plaudert, oder auf die Kartenlegerin Luzie (spielfreudig: Uschi Niehues), die nicht nur die Zukunft vorhersagt, sondern die Männer auch mit üppigen Rundungen becirct. Liebenswerte Typen hat Hannes Demming hier im Kaff-Kosmos (Bühnenbild mit angedeuteter Überwasserkirche von Kerstin Beyer) zusammengefügt, und die sprechen nicht nur hervorragend, sondern zeigen Spielfreude bis hin zu Volkstanzeinlagen und Choralgesang.

Wie sich das alles dreht, wendet und fügt, das wird nicht verraten. Die Niederdeutsche Bühne leistet ganze Arbeit und verdient viele ausverkaufte Auftritte. » Die nächsten Aufführungen sind am 2. Januar (So.) um 17 Uhr und am 15. Januar (Sa.) um 19.30 Uhr.

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