Mi., 19.01.2011

Kultur Nachrichten Meisterwerke mit vielen musikalischen Farben

Von unserer Mitarbeiterin Heike Eickhoff

Münster - Was haben Haydn , Fauré und Beethoven gemeinsam? Sie malten ihre Meisterwerke mit vielen musikalischen Farben - mal dezenter, mal kräftiger, aber immer mit großer Intensität. Fabrizio Ventura zeigte sich am Dienstag im vierten Sinfoniekonzert als genialer Meister der Farbpalette des Sinfonieorchesters. Die Musiker ließen sich hörbar gern darauf ein.

Am Anfang stand Joseph Haydns Sinfonie Nr. 88. Haydn komponierte sie bewusst für Paris und zauberte hier mit einfallsreicher Melodik. Der immer wieder verblüffend schlichte zweite Satz, kompositorisch ein Spitzenprodukt eben durch diese angebliche Schlichtheit, kam wie ein kleines Volkslied daher: Die Oboe, fein vom Fagott begleitet, sang sich elegant durch ihr Solo. Überhaupt strahlte sie in diesem Konzert sehr hell. Darunter legten gut gelaunte Streicher einen duftigen Blütenteppich aus. Der tänzerische dritte Satz, mit klassischem Einsatz der Pauken garniert, kokettierte im Trio durch die dezenten Bordunklänge mit einem kultivierten Dudelsack. Mit den verspielten Wechseln zwischen Celli und Geigen endete der vierte Satz, wahrlich „con spirito“.

Gabriel Fauré nahm sich Shakespeares „The Merchant of Venice“ als Inspirationsquelle seiner Bühnenmusik „Shylock“ (op.57). Heraus kam ein hörenswertes Werk für Tenor und Orchester. Andrea Shin sang gefühlvoll von der Liebe, denn Fauré betonte die Liebesgeschichte des Dramas. Die Streicher gefielen schon in der etwas melancholischen Introduktion. Feinsinnig und kontrastreich ging es ins folgende „Entrácte“, um mit Shin danach das verträumte „Madrigal“ vorzutragen. Mit zarten Pastelltönen zeichnete Ventura den folgenden Satz. Die kleine, aber feine Streicherserenade des „Nocturne“ und ein fröhliches „Final“ mit dramatischem Unterton folgten. Vor der Pause ein „kleines Geschenk“, so Ventura, für das Publikum: Faurés traumhafte Pavane (op. 50).

Ludwig van Beethoven bevorzugte andere Farben als Haydn und Fauré: Fast frühlingshaft ungestüm begann die 8. Sinfonie (op.93). Wie ein unerbittliches Uhrwerk tickt der zweite Satz. Ob Beethoven damit Werbung für das Metronom machen wollte, so heißt es in Anekdoten, oder einfach nur ein paar fröhliche Tage hatte, mag dahingestellt sein. Eher ein lustvoll parodierter Ländler als ein Menuett ist der dritte Satz. Viel Klarinette im Trio, perfekt zwischen klassischem Spiel und ein bisschen Schabernack angelegt, bereiteten dem Publikum hier einfach Freude. Der vierte Satz kam vital daher, überlegt in der Gegenüberstellung verschiedener Klangfarben im Orchester. Das Publikum im Großen Haus der Städtischen :Bühnen applaudierte lange und kräftig.

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