So., 01.05.2011

Kultur Nachrichten Kontemplatives vom Tonmaler

Von unserem Redaktionsmitglied Martin Borck

Gronau - Das Dröhnen eines Motorradauspuffs , das von draußen in die Kirche drang, wirkte wie ein Sakrileg . Drinnen entfalteten nämlich gerade Norwegens Tonmaler Jan Garbarek am Saxofon und die vier Sänger des englischen Hilliard-Ensembles Klangwelten, die die Zuhörer in tiefe Kontemplation versenkt hatten.

Die Musiker, die am Samstag im Rahmen des Gronauer Jazzfestes auftraten, vereinen entgegengesetzte Pole der Musik: Durchkomponiertes mit Improvisiertem, Musik aus der Frühzeit des Christentums und den Anfängen der Mehrstimmigkeit mit moderner Klassik, Folk­loristisches mit Sakralem, Ost und West.

Der elegisch-klagende Ton, den Garbarek seinem Instrument entlockt, bringt ebenfalls zwei Pole zusammen: Einerseits bildet der manchmal spröde Klang einen erheblichen Kontrast zu den ausgefeilten vokalen Harmonien des Ensembles; doch auf schier wundersame Weise verschmelzen sie zu einem sich ergänzenden und umschlängelnden Geflecht. Quasi in einem Akt der musikalischen Transzendenz.

Besonders ausgeprägt zeigte sich das gleich zum Auftakt des Konzerts: Die im Kirchenraum verteilten Sänger erzeugten Obertöne, deren irisierende Färbung jegliche Erdenschwere verloren hatte. Garbarek griff diese Stimmung kongenial auf.

Das Spiel mit dem Raum als musikalischem Faktor wiederholte sich im zweiten Teil des Konzerts. Countertenor David James, die Tenöre Rogers Covey-Crump und Steven Harrold sowie Bariton Gordon Jones brillierten mit ihrer höchst artifiziellen, aber dennoch ergreifenden Gesangskultur, die sie mit großer Lust an Perfektion darboten. Ein kleines Schmankerl waren in Pero­tins „Alleluia nativitas“ (aus dem 13. Jahrhundert) die kleinen Hoquetus-Passagen. Dabei werden die Stimmen in schneller Folge abwechselnd von Pausen durchsetzt, so dass der eine Sänger singt, während der andere pausiert.

Auch die Kompositionen des armenischen Kirchenmusikers Komitas Vardapet haben die Sänger offenbar völlig durchdrungen. Sie präsentierten harmonisch ausgefeilte Interpretationen. Als zeitgenössischer Komponist durfte Arvo Pärt nicht fehlen, der das Stück „Most Holy Mother of God“ für das exquisite Vokal-Quartett geschrieben hat.

Die Zuhörer in der ausverkauften Evangelischen Stadtkirche schwelgten im Wohlklang, der durchaus eine spirituelle Note hatte.

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