Mo., 06.06.2011

Der neue Thriller von Jonas Winner Nichts ist, wie es scheint

Der freie Journalist Florian Baumgartner bekommt den lukrativen Auftrag, eine Reportage über den umstrittenen Filmemacher David Mosbach zu schreiben. Erst zögert Baumgartner - schließlich ist Mosbach ein alter Freund - doch dann lässt er sich auf das Angebot ein und freut sich auf das Wiedersehen. Als Baumgartner jedoch aus Madrid im winterkalten Berlin eintrifft, erfährt er, dass Mosbach vermisst wird. Eine Spurensuche beginnt, die immer mehr zum Horrortrip wird. Baumgartner muss tief in die Szene der sogenannten Snuff-Filme eindringen, deren Konsumenten sich an realen, auf die Leinwand gebannten Verbrechen ergötzen. Dreht sein alter Freund tatsächlich solche Filme? Experimentiert er mit Menschen - oder ist doch alles nur ein großer Schwindel? Plötzlich, ohne jede Vorwarnung, sitzt Mosbach in der Hotelbar neben ihm. Nach der ersten Wiedersehensfreude merkt Baumgartner, dass er Mosbach, mit dem er sich all die Jahre so verbunden fühlte, eigentlich gar nicht kennt - denn Mosbach war es, der ihn nach Berlin lockte. Was plant er, was hat er mit Baumgartner vor? Baumgartner realisiert, dass er das schlimme Ereignis, dessentwegen er Berlin vor Jahren verlassen hatte, in der Rückschau beschönigt und verdrängt hat und dass es die Freundschaft, nach der er sich die ganze Zeit in seinem selbst gewählten Exil sehnte, für ihn nicht mehr gibt. Baumgartner steht vor den Trümmern seines Lebens - nichts ist mehr wie zuvor und alles ist anders, als es scheint.

Spannend sind die Einblicke in die Kunst der menschlichen Verdrängung, in die Abgründe von Verrat und zerstörten Träumen. Allerdings nimmt das Buch für sich selbst in Anspruch, „wie ein Film von David Lynch“ zu sein. Aber der Vergleich ist überzogen - Lynch ist doch noch ein ganz anderes Kaliber. Selbst Baumgartner, die Hauptfigur, hat Schwierigkeiten, den verwirrenden Ideen des ungewöhnlichen Filmemachers Mosbach zu folgen - ähnlich geht es dem Leser. Trotzdem ist das Buch gut geschrieben - es ist faszinierendes Kopfkino.

Beate Schräder

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