Di., 27.09.2011

Kultur Nachrichten Anton Urspruch war kein Kleinmeister

Von unserem Mitarbeiter Christoph Schulte im Walde

Leverkusen - Behaupte niemand, solche Ansichten gäbe es heute nicht mehr: dass der Mann es zu sagen - und die Frau stets zu gehorchen hat. Man braucht nicht lange zu suchen, um heute wieder auf dieses antiquierte Rollenverständnis zu stoßen. Und wenn die Frauen dagegen aufbegehren, wenn sie die Macho-Männerrollen unterlaufen? Dann sind wir mitten in Anton Urspruchs Oper „Das Unmöglichste von Allem“, 1897 uraufgeführt und nun nach über 100 Jahren wieder neu entdeckt. Im Forum Leverkusen feierte sie Premiere.

Lope da Vega schuf mit seiner Komödie „El mayor imposible“ die Grundlage für Urspruchs Libretto, das eigentlich alle Zutaten für eine Erfolg versprechende Komödie enthält: Liebe, Eifersucht, Verkleidungen und Verwechselungen, Anklänge an die Commedia dell´ arte. Im Kern geht es - wie in Mozarts „Cosi fan tutte“ - um eine Wette. Nur wird hier nicht die Treue der Frauen auf die Probe gestellt, sondern das Vermögen der Männer, eine verliebte Frau von ihrem Liebsten abzuhalten. Roberto behauptet das im Hinblick auf seine Schwester Diana, doch - und das ahnt man schon - am Ende all der Intrigen und ernsten Späße gibt es nichts, was die Frau vom Mann ihrer Träume fernhalten könnte.

Anton Urspruch gelang mit seiner Oper ein musikalisches Feuerwerk. Man hört Anklänge an Wagner, erlebt wunderschöne Ensembles im Geiste Mozarts und Rossinis. Doch wird auch klar: Bei allen Zitaten ist Urspruch kein Kopist, schafft vielmehr seine ganz eigene Tonsprache, die Dank durchgängiger Brio-Stimmung an keiner Stelle langweilt. Urspruch spielt mit der (konterkarierten) Erwartungshaltung des Hörers. Wer den Komponisten für einen „Kleinmeister“ gehalten hat, liegt falsch.

Regisseur Peter Pachl , Spezialist für Ausgrabungen auf dem Gebiet der romantischen Oper, bringt diese Rarität in ihrer ursprünglichen Fassung auf die Bühne. Ausstatter Robert Pflanz und Thilo Zürn legen ein riesiges Tuch im pink-grauen Army-Look aus, das wechselnde Spielorte darstellt - eine pfiffige Sache! Ganz abgesehen von den witzigen Kostümen, in denen die Protagonisten immer wieder urkomische Momente produzieren.

Sicher hat Urspruchs Komödie durchaus Chancen, öfter auf Opernbühnen gespielt zu werden. Wobei dann Kürzungen wünschenswert wären und vielleicht eine behutsame Modernisierung der Sprache.

Die Akteure jedenfalls hatten Freude an diesem „Unmöglichsten“, das Orchester des Sorbischen National-Ensembles Bautzen unter Dirigent Israel Yinon auch.

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