Kultur Nachrichten
«Christa: Dramatisches Nürnberger Weihnachtsmusical

Freitag, 25.11.2011, 00:11 Uhr

Nürnberg - Nach Christkindlesmarkt und Christkind jetzt noch «Christa»: Die «Weihnachtsstadt» Nürnberg hat nun auch ein Weihnachtsmusical . Trotz Gänsehautfaktor erlebte das Premierenpublikum keineswegs ein Rührstück mit Happy End. Sie ist die strahlende Heldin auf der Bühne, aber auch im wirklichen Leben verblüfft sie mit ihrer Ausstrahlung: Als die bis dahin völlig unbekannte Nürnberger Gymnastin Cassandra Schüdt Anfang des Jahres beim Casting vorsang, kamen die Musicalmacher aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit einer Professionalität, die sonst nur erfahrene Musical-Darsteller an den Tag legen, gab sie Lieder aus dem Disney-Trickfilm «Arielle, die Meerjungfrau» zum Besten - und ließ selbst Profidarsteller alt aussehen. In den kommenden vier Wochen teilt sie sich die Titelrolle in dem am Donnerstag uraufgeführten Musical «Christa - eine Nürnberger Weihnachtsgeschichte» mit Gitti Rüsing . Der Autor und Komponist Andreas Rüsing verlegt die Handlung um das engelsgleiche Wirken des 17-jährigen Mädchens Christa in das Nürnberg des Mittelalters. Der 30-jährige Krieg bringt Verwüstung, die Pest für viele den Tod. Mit Not und Verzweiflung drohen Verrohung und Unmoral. In dieser Situation bringt die von Pfarrer Johannes vor dem Erfrieren gerettet Christa Licht ins Dunkel - zunächst im Pfarrhaushalt, später in der ganzen Stadt. Mit ihrer grenzenlosen Nächstenliebe am Weihnachtsabend bringt das Mädchen das lutherisch geprägte Weltbild des reformierten Nürnbergs fast ins Wanken. «Ist das noch Christentum? Ich bin verwirrt», fragt etwa Karsten Kenzel als Pfarrer Johannes, als Christa Nürnberger Waisenkinder beschenkt und der verzweifelten Prostituierten Veronika (Angelika Erlacher) im Pfarrhaus Asyl gewährt. Eine Verschwörung bringt Christa in der dramatischen Schlussszene schließlich den Tod. Das vom Verein Musical-Netzwerk Nürnberg mit schmalem Etat produzierte Musical ist trotz Gänsehautfaktor kein seichtes vorweihnachtliches Rührstück. Viele Szenen sind dramatisch, getragen von den Klängen eines gut harmonierenden Zehn-Mann-Orchesters. Allerdings streut Rüsing immer auch spielerische Elemente ein, etwa beim Tanz der Zwetschgenmännlein. Trotz der Mischung aus Musicalprofis, ambitionierten Nachwuchsdarstellern und Laien erleben die Zuschauer ein vergleichsweise homogenes Ensemble. Dass der Heilig-Geist-Saal nicht gerade der ideale Aufführungsort für ein Musical ist, verkraftet die Inszenierung genauso wie das knappe Budget fürs Bühnenbild. Statt aufwendiger Requisiten setzt Regisseurin Anne Klinge auf gelungene Projektionen. Mal wird der Zuschauer in das Pfarrhausinnere versetzt, mal findet er sich in einer mittelalterlichen Gasse wieder, mal im Rotlichtviertel an der Frauentormauer. Trotz der bis zum 31. Dezember geplanten 30 Aufführungen geht der von engagierten Musicalfans getragene Verein nicht von einem großen Gewinn aus. «Wir wären froh, wenn wir am Ende Null auf Null rauskommen», sagt Produktionsleiterin Sybille Mantau. Dabei setzt der Verein auch auf Besucher des Christkindlesmarkts. Der ist nämlich nur wenige Meter vom Aufführungsort entfernt.

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