Mi., 02.11.2011

Kultur Nachrichten Diana Damrau in München gefeiert

München - Wenigstens muss Rolando Villazón nicht abstinent sein. Immer hat Hoffmann eine Flasche in der Hand, und wenn einmal nichts zu trinken greifbar ist, reicht ihm die Souffleuse aus der Tiefe ein Glas. Amüsant und tiefgründig zugleich kommt die Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Opéra fantastique «Les Contes d'Hoffmann» (Hoffmanns Erzählungen) im Münchner Nationaltheater daher. Und sie bescherte dem verwöhnten Premierenpublikum am Montagabend zwei Stars am Opernhimmel, freilich in unterschiedlicher Verfassung: eine nach der Babypause glänzend aufgelegte Diana Damrau in den Partien aller drei Geliebten des Titelhelden, und einen Rolando Villazón, dem der große Glanz zumindest derzeit fehlt. Drei Dramen in einem - so fasst die Muse Niklausse die gescheiterten Liebschaften des Hoffmann am Ende zusammen («Denn groß ist man durch Liebe, doch größer noch durch Leid»). Regisseur Richard Jones vereint die einzelnen Orte der Handlung im 19. Jahrhundert zu einem weitgehend unveränderten Bühnenbild, in dem nur das Mobiliar wechselt. Dafür lässt er Farben sprechen. In Luthers Weinstube dominiert Braun, Spalanzanis physikalisches Kabinett ist in Grün getaucht, Crespels Wohnung scheint mal lila, mal schwarz. Mit Regie-Gags geht der Brite sparsam um. So wird aus einem zunächst unscheinbar an der Wand stehenden Sekretär plötzlich eine Bar, eine riesige Tabakspfeife stößt Rauchwölkchen aus, die nacheinander die Namen der Geliebten Olympia , Antonia und Giulietta formen. Hinter einem kitschigen Venedig-Bild verbirgt sich ein Minisafe, in dem ein Maxidiamant auf die Prostituierte wartet. Da ist nichts aufgesetzt, wird kaum etwas verfremdet, lässt der Regisseur (Bühnenbild: Giles Cadle, Kostüme: Buki Shiff) die Handelnden agieren, ohne sie am Gängelband zu führen. Villazón darf das berühmte Couplet vom Wicht Kleinzack («flick-flack, klick-klack») mit großen Glupschaugen spitzbübisch-komödiantisch vortragen. Diana Damrau hampelt erst als Puppe Olympia im Barbie-Kostüm wie die Prinzessin aus dem Animationsfilm mit Armen und Beinen, ehe sie leichenblass im Totenkleid ihre Liebe gesteht. Doktor Miracle führt sich auf wie Frankenstein persönlich und holt die Riesenspritze aus dem Arztkoffer. Diana Damrau schafft es an einem Abend, drei Charaktere in Gesang und Darstellung auf sich zu vereinen. Sie bewältigt mühelos die schwierigsten Koloraturen im Lied der Olympia, um kurz darauf als dem Tod geweihte Antonia stimmlich ins dramatische Fach zu wechseln und am Ende kokett glucksend die Kurtisane Giulietta zu geben. Ihr Sopran scheint auf dem Höhepunkt angelangt - die Damrau kann alles. Leider kann Rolando Villazón derzeit nicht alles. Zwar gelingen dem dennoch vom Publikum gefeierten Tenor fast alle Spitzentöne, doch der Stimme fehlt es an Strahlkraft und Glanz, mitunter gar an Volumen. In Mittellage und Tiefe ist ein kratziger Belag unüberhörbar. Die sängerischen Defizite gleicht Villazón freilich durch hinreißend komödiantische Auftritte aus. In den weiteren Rollen glänzen Angela Brower als Niklausse, John Relyea in den Partien der vier Bösewichte sowie Kevin Conners als Cochenille, Pitichinaccio und Frantz. Der aufstrebende Constantinos Carydis am Pult führt Solisten, Chor - traumhaft schöner Männerchorklang - und Orchester der Bayerischen Staatsoper schwungvoll durch die Partitur. Bayerische Staatsoper

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