Mi., 22.12.2010

„WG“ in der dritten Lebensphase Niederdeutsche Bühne brilliert mit dem hintergründigen Stück „Champagner to‘t Fröhstück“

Münster - 

Alle reden vom demografischen Wandel, von Pflegenotstand und altersgerechtem Wohnen. Die Niederdeutsche Bühne in Münster bringt das Thema mit dem launigen Stück „Champagner to‘t Fröhstück“ auf die Tagesordnung, sprich auf die Bühne des Kleinen Hauses in Münster – mit Mutterwitz und Schwung, Running Gags, Konflikten und Versöhnungen in der dritten Lebensphase sowie einem anrührenden Schluss. Das gab nach der stimmigen Premiere am Ersten Adventssonntag langanhaltenden Applaus und sogar stehende Ovationen. Keine Frage: Die Niederdeutsche Bühne ist wieder richtig „up to date!“

In seiner ersten Regie als neuer Vorsitzender der Niederdeutschen Bühne hat Hermann Fischer ein Stück ausgesucht, das wunderbar in unsere Zeit passt. Autor Michael Wempner (49) agiert als Stückeschreiber ganz auf der Höhe aktueller Generationenprobleme, und Hannes Demming hat den Stoff über eine fidele, aber weiß Gott nicht konfliktfreie Alten-WG ins „Mönsterlänner Platt“ übertragen. Stück und Sprache zünden kräftig. Dabei haben wir es hier nicht mit einem derben Schwank oder einer eindimensionalen „Kummelge“, sondern mit einem durchaus hintergründigen Stück mit treffendem Witz zu tun. In einer zeitlosen Altbauwohnung (Bühnenbild: Kerstin Bayer, Kostüme: Helgard Classen-Seifert)) treffen der pensionierte Firmenbesitzer Valentin Müller (prächtig aufgelegt: Hannes Demming) und die handfeste Seniorin Marie Stratmann (spiel- und sprechfreudig: Elisabeth Georges) aufeinander. Aus der Wohungsnot heraus gründen sie eine WG. Beide fühlten sich zuvor als Senioren bevormundet. Müller durch den Sohn, der ihn ins Pflegeheim abschob, Stratmann von ihrer Tochter, die ihr sogar das Konto sperren ließ.

Mit den beiden bereits in der Mitte des Lebens stehenden „Kindern“ Lukas Müller (Uli Tarner) und Sophie Stratmann (Uschi Niehues) kommt die nachfolgende Generation ins Spiel. Diese kann die Sondertouren der Alten nun so gar nicht nachvollziehen. Doch die fidele Senioren-WG weiß sich entsprechend zu wehren. Nicht nur gegen den falschen Verdacht des Bilderklaus, sondern auch gegen die trippelnde Treppenhaus-Trine Frau Schäfer, der Annerose Schäfer ganz viel Schwung mitgibt und die wohl nicht von ungefähr an Heidi Kabel in dem Ohnsorg-Schlager „Tratsch im Treppenhaus“ erinnert. Mit dem Hauswirt und Vermieter Heiner Koslowski (knorrig: Bernd Artmann) und dem in solchen Stücken üblichen Polizisten mit Namen Petersen (Thomas Holznienkemper) ist die muntere Besetzung zwischen Altbauwohnung und Treppenhaus komplett. Das Stück verfügt über die richtige Mischung aus Wortwitz und Ernst, als Running Gag funktioniert das doppelte Klatschsignal, bei dem das Fenster zur Straße vom Bühnenrand in die Mitte fährt, und der Hauswirt Koslowski muss ertragen, dass sein polnischer Name permanent verdreht wird. Dank der Besetzung der Hauptrollen mit Hannes Demming und Elisabeth Georges, aber auch in der passgerechten Ausstattung der Nebenrollen gelingt ein natürliches, pointiertes und zügiges Spiel. In diesem Stil darf es in den nächsten Jahren weitergehen, dann bleibt die Niederdeutsche Bühne nicht nur ihrer Sprache treu, sondern auch dicht am Puls der Zeit.

Die nächsten Aufführungstermine: 18.12, 18 Uhr, 25.12., 18 Uhr, 1.1., 17 Uhr. Karten unter ' 0251/59 09 100, Gruppenbestellungen unter ' 0251/ 59 09 200.

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