Ein Starker wird schwach

Mi., 08.02.2012

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TV-Reportage über Rudi Assauer war zugleich Teil einer größeren Medien-Inszenierung

Ein Starker wird schwach : TV-Reportage über Rudi Assauer war zugleich Teil einer größeren Medien-Inszenierung

Rudi Assauer in einer Szene der Reportage „Ich will mich nicht vergessen“, die das ZDF am Dienstag zeigte. Foto: Screenshot

Herten - Ein Buch, dazu ein Interview und eine Fernsehdokumentation – sieht alles nach einer präzise geplanten Medienkampagne aus, um die Verkaufszahlen anzuheizen. Und es funktioniert ja auch: Rudi Assauers autobiografisches Werk „Wie ausgewechselt“ stürmte kurz nach seinem Erscheinen am 2. Februar die Bestsellerlisten.

Von Harald Suerland

Der Macher und Macho, dem die unheilbare Alzheimer-Krankheit allmählich die Kontrolle über das eigene Tun entschwinden lässt, hat genau jene tragische Fallhöhe, die die Menschen interessiert: Ein Starker wird schwach. Kein Wunder, dass auch die halbstündige ZDF-Reportage mit dem Titel „Ich will mich nicht vergessen“ großes Interesse auf sich zog: 2,5 Millionen Zuschauer (15,8 Prozent) waren am späten Dienstagabend um 23.15 Uhr dabei, mehr als doppelt so viele wie bei Thomas Gottschalks Vorabend-Geplauder.

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Die Stärke dieser Reportage war ihre bewusste Verknappung, ihre Form des Andeutens, die an Hemingways Eisberg-Prinzip erinnerte: Der größere Teil blieb ungesagt. Die Filmemacherin Stephanie Schmidt, die eigentlich nur geplant hatte, mit dem (vermeintlich gesunden) Rudi Assauer ein persönliches Gelsenkirchen-Porträt zu erarbeiten, holte weder zum großen Aufklärungsbeitrag über das Thema Demenz und Alzheimer aus, noch ließ sie sich auf die familiären Fehden ein, die zwischen Assauers Ehefrau Britta und seiner Tochter Bettina entstanden sind.

Stattdessen zeigte sie, furchtbar authentisch und doch nicht voyeuristisch, Assauer beim vergeblichen Suchen nach vertrauten Namen oder beim frustrierenden Erlebnis, in einer Klinik einfache Gedächtnisaufgaben nicht mehr lösen zu können. Szenen, die unkommentiert genauso für sich sprachen wie die Aussagen der Assauer-Tochter, die sich zurückgedrängt fühlte und den Vater schließlich zu sich in die Wohnung holte.

Hier allein fehlte als Pendant ein Statement von Assauers Ehefrau. Auch hätte man sich noch andere Menschen aus Assauers beruflichem Umfeld gewünscht als den Reporter Werner Hansch, der seine Freundschaft zu „Rudi“ etwas selbstgefällig zelebrierte. Aber insgesamt funktionierte das Prinzip, durch Andeutungen und authentische Bilder eines Prominenten Einblicke in eine gefürchtete Krankheit zu geben.

Dass die Sendung für einen späteren Zeitpunkt geplant war und „aufgrund der aktuellen Ereignisse“ vorgezogen wurde, wie eine ZDF-Sprecherin sagte, scheint allerdings Teil der Medien-Inszenierung zu sein. Jetzt werden wohl noch mehr Menschen das Buch kaufen. Wiederholt wird der Film auf ZDF info an diesem Donnerstag um 23.30 Uhr und auf 3sat am 13. März (0.50 Uhr). Außerdem ist die Dokumentation in der ZDF-Mediathek im Internet zu sehen.


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