Kronenkraniche als Spitzenreiter
Do., 23.02.2012
36. Antiquitätentage zeigen hochwertige Antiquitäten
Mit Blasebalg und Messingwalze, auf der sich 20 000 Nadeln befinden: Diese Spieluhr (Genf, um 1880), zu finden am Stand von bei Georg Britsch,lockt mit chinesischen Melodien und Biedermeier-Äußerem.
Münster -
Das Exlibris kündet von einem Engländer, der einst im Besitz des Buches war. Wem es zuletzt gehörte? „Aus Privatbesitz.“ Das ist alles, was Hanns-Gert Braun, Antiquitätenhändler aus Wuppertal, verrät. Diskretion ist oberstes Gebot in der Branche. Erst recht, wenn es sich – wie bei dem handgeschriebenen, filigran bebilderten, mit Blattgold reich verzierten Stundenbuch aus dem 15. Jahrhundert – auch vom Schätzwert her um eine Kostbarkeit handelt.
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68 000 Euro sind als Preis für dieses edle Nachschlagewerk genannt. Spitzenreiter unter den Exponaten, die 80 internationale Anbieter von heute an bei den 36. Antiquitätentagen in der Halle Münsterland präsentieren, ist das Buch nicht. So muss 240 000 Euro bei der münsterischen Galerie Ostendorff hinblättern, wer sich in das Bild „Die Kronenkraniche“ des Expressionisten Emil Nolde verguckt hat. Die beiden „Kanarischen Landschaften“, Heliogravuren in 110er-Auflage von Gerhard Richter, sind dagegen zusammen für rund 8000 Euro zu bekommen. In Preiskategorien wird aber nicht gedacht bei der von Kunstexperten begutachteten Antik-Messe, die in Fachkreisen beste Noten erhält. Als Maßstab gilt die Qualität, die „über die Jahre so gewachsen ist“, wie Projektleierin Andrea Sürder frohlockt, so dass Händler zurückkehren, die Jahre nicht da waren. Neulinge sind ebenfalls da – wie Josef Kleinheinrich (Münster), der Buchkunst präsentiert, oder Peter Rauch aus dem Raum Fulda, der Silber und Porzellan anbietet und „der schönen Messe wegen“ dabei ist. Auf „ziemlich einmalige“ 75 bis 80 Prozent, so Sürder, beläuft sich inzwischen der Anteil der Händler, die nach der Messe schon fürs nächste Jahr reservieren. Für Karl Brunnarius, Juror und Kunsthändler aus Bad Gandersheim, liegt dies darin begründet, dass Münster seit Jahren, „ohne Unterbrechung“, bei der Händlerauswahl ein sicheres Händchen beweise: „Das Angebot bildet die Nachfrage ab“, sagt Brunnarius. Was das für 2012 bedeutet? Weniger Möbel aus dem 18. Jahrhundert, weil zu teuer, mehr Biedermeier und Klassizismus, aber auch: weniger Jugendstil und Art Deco, um ein „diffuses Sammelsurium“ zu vermeiden. Unverwechselbar ist die Atmosphäre. Über die Präsentation der Exponate wacht ein Beirat, über deren Echtheit die Jury. Die Einteilung in sechs zentrale Plätze, um die sich die Stände gruppieren, hat sich als Orientierung auf der 6000 Quadratmeter großen Fläche bewährt. Auf der Hauptachse flaniert der Besucher erstmals über Auslegeware mit Kopfsteinpflastermuster. Die Sonderschau im Foyer zeigt Fotos des Niederländers Harry Klunder, die in einen Dialog treten mit Skulpturen des Amsterdamer Glaskünstlers Louis La Rooy. Klunder verfremdet durch Spiegelungen, La Rooy schafft Dynamik durch Form.
