So., 23.06.2013

David Garrett spielt vor 13 500 Gästen vor dem Schloss in Münster Bunte Weltreise auf vier Saiten

Prima aufeinander eingespielt: David Garrett (l.) und Franck van der Heijden, der als musikalischer Leiter ebenfalls gekonnt in die Saiten greift.

Prima aufeinander eingespielt: David Garrett (l.) und Franck van der Heijden, der als musikalischer Leiter ebenfalls gekonnt in die Saiten greift. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Es schon nach 22.45 Uhr, als David Garrett seine Violine in Münster zur Seite legt. Zuvor noch hat er sich vom Nebel der in den Zuschauerblöcken stehenden Bühne durchpusten lassen wie einst Michael Jackson bei „Wetten, dass...?“ und den „Earth Song“ als Zugabe präsentiert. Da dreht und wendet sich der Stargeiger wie eine gequälte Kreatur und lässt den Bogen über die Saiten flitzen. Hinter ihm erglühen die riesigen Videowände mit farbenprächtigen Bildern einer schönen, aber auch geschundenen Erde.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Es ist schon nach 22.45 Uhr, als David Garrett seine Violine in Münster zur Seite legt. Zuvor noch hat er sich vom Nebel der in den Zuschauerblöcken stehenden Bühne durchpusten lassen wie einst Michael Jackson bei „Wetten, dass..?“ und den „Earth Song“ als Zugabe präsentiert. Da dreht und wendet sich der Stargeiger wie eine gequälte Kreatur und lässt den Bogen über die Saiten flitzen. Hinter ihm erglühen die riesigen Videowände mit farbenprächtigen Bildern einer schönen, aber auch geschundenen Erde.

Keine Frage: David Garrett sucht an diesem Abend den Kontakt zu einem generationenübergreifenden Publikum. 13 500 Stühle sind praktisch komplett besetzt, noch einige Tausend Zaungäste lassen sich jenseits der verblendeten Zäune kostenlos akustisch bedienen, und die Phonstärke reicht aus, um auch die Besucher der Nacht der Offenen Kirchen in Münster bis zum Domplatz zu erreichen.

Die netteste Szene des Abends ist eigentlich die, als Garrett eine junge Studentin aus Münster auf die Bühne bittet. Da sitzt sie dann etwas schüchtern, wird mitsamt einem jugendstilartigen Rahmen auf die Videowand projiziert und schaut ergriffen zu, wie Garrett das rumänische Folklorestück „Hora staccato“ in die Saiten hämmert und dabei die Finger in irrwitziger Geschwindigkeit auf dem Griffbrett wirbeln lässt.

Garrett, der im Programmheft wie ein androgynes Zauberwesen aussieht, aber auf der Bühne mit T-Shirt, Hänge-Jeans, offenen Knobelbecher-Schuhen und Haarknoten wie ein etwas reiferer Soziologiestudent von nebenan daherkommt, präsentiert ein stark an Rock- und Pop-Rhythmen orientiertes „Music“-Programm. Selbst Klassiker wie der letzte „Sommer“-Satz aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder das „Scherzo“ aus Beethovens Neunter werden nicht nur durch die Neue Philharmonie Frankfurt, sondern stets auch durch die wummernde Begleitband verstärkt. Deren Schlagzeuger Jeff Lipstein knüppelt sich beherzt in die Magengruben der Gäste. Musikalisch und technisch gibt es da nichts zu meckern, wenn man mal eine gewisse stilistische und phonstarke Monotonie außer Acht lässt, die Migräne-Patienten nerven würde.

Garrett beherrscht sein Instrument mit traumwandlerischer Sicherheit, die dennoch ahnen lässt, wie viel Übungsschweiß und Übungsfleiß dahinterstecken. Ob bei Aram Chatschaturjans Säbeltanz oder dem „Viva la vida“ von Coldplay, ob bei einem donnernden „Thunderstruck“ von AC/DC oder einem feinen, pizzicato gespielten „Tico Tico“ – Solist, Band und Orchester unter der Gesamtleitung von Franck van der Heijden sind stets voll auf der Höhe, und man spürt, dass die gesamte Truppe Spaß am Musizieren hat.

Schade, dass die wie ein riesiger schwarzer Schuhkarton wirkende Bühne fast das komplette münsterische Schloss abdeckt. Damit die Gäste aber auch visuell alles mitbekommen, werden die Musikstücke und von Akteuren des Deutschen Fernsehballetts auf dieser musikalischen Weltreise präsentierten Tänze in prächtigen Bildern auf die Riesenleinwände übertragen.

Wer mehr Schloss, mehr Klassikstimmung, mehr musikalische Konzentration erleben will, der kann dies demnächst wieder beim Lichterfest Nordkirchen oder ganz regelmäßig bei Sinfoniekonzerten in Münster. Die sind ganz sicher kostengünstiger – aber eben ohne David Garrett.

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