Fr., 30.08.2013

Von seiner weichen Seite Macho-Mime Benno Fürmann entdeckt im Babelsberger Diplom-Film „Nachthelle“ einen weiblichen Teil

Das Erspüren der Situation ist etwas, das sich der 41-Jährige auch in der zehnten Einstellung der gleichen Szene nicht nehmen lassen will. „Da geht es um Energien“, sagt er.

Das Erspüren der Situation ist etwas, das sich der 41-Jährige auch in der zehnten Einstellung der gleichen Szene nicht nehmen lassen will. „Da geht es um Energien“, sagt er. Foto: Volker Muth

Berlin - 

Er

Von Julia Gottschick

Erweiß selbst, wie er wirkt. Männlich, markant, geradlinig. Ein Macher-Typ, knallhart und katastrophenresistent. Und nun spielt Benno Fürmann ausgerechnet diesen Bernd. Einen weichen, nachdenklichen Charakter. Einen Menschen, der ausgleicht, auslotet. Und die, die er liebt, nicht auflaufen lässt. „ Nachthelle “ heißt der Abschluss-Film der Potsdam-Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen, in dem besagter Bernd mit einem für ihn heiklen Thema konfrontiert wird: der offenen Beziehung. Einer Liaison zweier Menschen, die sich zwar lieben, aber auch anderem – anderen – gegenüber aufgeschlossen sind. Mit unserem Redaktionsmitglied Julia Gottschick sprach Fürmann über die Dreharbeiten und darüber, warum er junge Filmemacher unterstützt.

Herr Fürmann, Sie haben grade drei Wochen in einer Waldhütte in Brandenburg gedreht. Wie fühlte sich das an?

Fürmann: Ich mochte den Ort nicht, das war ein dunkles Hexenhaus im Nirgendwo. Schon der Weg dahin, durch endlose Kiefernwälder . . . Ich bin kein Freund von Kiefern, die sind freudlos, düster, monochrom.

Kiefern stehen auch in der Toskana an der Küste, da haben die was Lichtes, was von Urlaub. Wo war Benno Fürmann das letzte Mal im Urlaub?

Fürmann: Allein in Äthiopien, auf Bergtour. Und in diesem Sommer in Italien auf Stromboli, mit meiner Tochter Zoe (11). Die war genervt, weil ich schon beim Frühstück vom Mittagessen geredet habe. Ich liebe einfach Essen, die italienische Küche. Tomaten, die noch nach Tomaten schmecken, auf Büffelmozarella . . .

Hatte Ihre Tochter Angst vor dem Vulkan?

Fürmann: Nee, überhaupt nicht. Der puffte die ganze Zeit so vor sich hin – das sah nachts sehr schön aus. Ich war vorher nicht sicher: Kann ich da überhaupt gut schlafen, finde ich Ruhe? Aber das ging hervorragend.

In „Nachthelle“ spielen Sie in einem Hochschul-Film, der 2015 in der ARD ausgestrahlt werden soll. Wieso unterstützen Sie junge Filmemacher?

Fürmann: Ich hatte Bock, meinen Sommer mit diesen Leuten zu verbringen. Mit Hauptdarstellerin Anna Grisebach verbindet mich eine Freundschaft – und der Film profitiert von dieser Nähe.

Benno Fürmanns Bernd ist ein sensibler Typ, der früher mit Anna zusammen war und nun einen Mann liebt. Wie war es, einen Homosexuellen zu spielen?

Fürmann: Das war nicht leicht für mich, ich hätte’s nicht mit jedem spielen können. Genauso wie ich es nicht mag, eine Frau zu küssen, die mir nicht sympathisch ist. Als Bernd habe ich den weicheren Part, bin in der Rolle meinem Mann verfallen. Mit Kai Ivo Baulitz als Marc und mir ist das Paar gut, aber gegen den Strich besetzt. Ich hab da eine neue Seite in mir entdeckt.

Man spürt: Bernd fühlt sich unwohl mit der offenen Beziehung. Wie hält es Benno Fürmann mit der Treue?

Fürmann: Wie viel Exklusivität verträgt der Mensch in einer Beziehung, wenn er darin permanent unfrei ist? Ist die Tür nicht ganz zu, wird es luftiger. Mir hat aber andererseits noch keine Frau gesagt: Ich will eine offene Beziehung. Dem Partnerzu reichen, ist sicher das schönste Gefühl. Aber wie machst du das über 20 Jahre?

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