Di., 28.10.2014

Tagung würdigt Verdienste Friedrich Althoffs, dem Münster seine Universität verdankt Der „Kultusminister“ aus Dinslaken

Dr. Bernd Haunfelder, direkter Verwandter Friedrich Althoffs, übergab dem aus Münster stammenden Dinslakener Bürgermeister Dr. Michael Heidinger (l.) einen Brief des Kulturpolitikers aus Familienbesitz.

Dr. Bernd Haunfelder, direkter Verwandter Friedrich Althoffs, übergab dem aus Münster stammenden Dinslakener Bürgermeister Dr. Michael Heidinger (l.) einen Brief des Kulturpolitikers aus Familienbesitz. Foto: Klaus Ulrich

Dinslaken/Münster - 

Wer sich mit der wissenschaftlichen Weltgeltung des Wilhelminischen Zeitalters beschäftigt, stößt immer wieder auf den Namen Friedrich Althoff. An den 175. Geburtstag des heimlichen Kultusministers und ihres bekanntesten Bürgers erinnerte jetzt die Stadt Dinslaken und lud zu einer wissenschaftlichen Tagung ein.

In seiner Eröffnungsrede streifte Bürgermeister Michael Heidinger das Leben Althoffs und verwies darauf, dass dieser ausgerechnet in jenen Universitätsstädten, die ihm ihre Gründung verdankten, vergessen sei und nannte dabei besonders Münster . Althoff , Sohn eines Domänenrats und der aus pommerschem Uradel stammenden Julie von Buggenhagen, blickte als Prädikatsjurist schon jung auf eine erstaunliche Karriere, ehe ihn 1882 der Ruf nach Berlin ereilte. Bis 1907 sollte der Ehrenbürger Münsters die Hochschulpolitik nachhaltig prägen. Nächstenliebe, Menschlichkeit und Gerechtigkeit traten dabei ebenso stark hervor wie staatliche und persönliche Autorität. Wilhelm II. gewährte ihm – und dies verweist auf seine ungewöhnliche Position – den unmittelbaren Vortrag. Gleichwohl war das „System Althoff“ nicht unumstritten, wie der Soziologe Max Weber bissig bemerkte. Der couragierte und uneitle Geheimrat griff nachhaltig in die Autonomie der Hochschulen ein, ließ Dekane wie Schulbuben aussehen und protegierte mit Erfolg Talente, darunter Franz Hitze. Dieser hatte keinerlei akademischen Weihen vorzuweisen. Althoff wusste geschickt die Industrie vor seinen Karren zu spannen und warb unglaubliche Summen ein.

Dass Münster eine Universität, Breslau und Danzig Technische Hochschulen und Posen eine Akademie erhielten, war wesentlich Althoffs Verdienst . Daneben lagen ihm Kliniken und Laboratorien am Herzen, ferner Naturwissenschaften, zumal in Göttingen, und er betrieb die Gründung der späteren Max-Planck-Gesellschaft. 1907 konnte er auf die Schaffung von fast 140 Einrichtungen zurückblicken. Seine aber wohl größte Leistung, wie Peter Schneck vortrug, war der Auf- und Ausbau der Charité zu einem der fortschrittlichsten medizinischen Zentren seiner Zeit.

Der Protestant stand allen Religionen vorurteilslos gegenüber, wie Gisela Marzin in ihrem Beitrag über „Althoff privat“ ausführte. Das rührendste Beispiel hierfür erwähnte Dieter Oelschlägel. Als die Universität Bonn 1890 nach nur vier Tagen die eingereichte Habilitationsschrift des jüdischen Geografen Alfred Philippson wegen Unbrauchbarkeit zurückgab, wies Althoff die Universität an, das Habilitationsverfahren unverzüglich wieder aufzunehmen und Philippson zu habilitieren. So geschah es dann auch. Dies war kein Einzelfall.

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