Do., 13.11.2014

Kulturelle Bildung gefordert / Bewegung beim „LWL-Museum“ „Kunst ist mehr wert als Geld“

Kulturstaatssekretär a. D. Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (l.) und  Prof. Thomas Sternberg (MdL, CDU) zeigen sich besorgt über die Ökonomisierung von Kunst.

Kulturstaatssekretär a. D. Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (l.) und  Prof. Thomas Sternberg (MdL, CDU) zeigen sich besorgt über die Ökonomisierung von Kunst. Foto: -loy-

Münster - 

Eine „erschreckende Begleitmusik“ klingt dem früheren NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) in den Ohren. Angesichts der aus seiner Sicht leichtfertigen Veräußerung von Kunstwerken aus Landesbesitz zeigte er sich beim „Jour fixe Kultur“ auf Einladung des münsterischen CDU-Landtagsabgeordneten und Kulturexperten Prof. Thomas Sternberg im Franz-Hitze-Haus in Münster besorgt über die wachsende „Ökonomisierung der Kunst“. „Bilder haben über den ökonomischen Wert hinaus einen Wert“, unterstrich Grosse-Brockhoff und warnte vor rund 25 Kulturvertretern aus Münster davor, Kunstwerke im öffentlichen Besitz als Bilanzposten oder finanzielle Verfügungsmasse ins Spiel zu bringen. Offenbar hätten nicht nur die Landesregierung, sondern mittlerweile auch die Kämmerer in den Kommunen diese Maxime völlig aus den Augen verloren.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Auf diesem Hintergrund einer grundsätzlicheren Betrachtung von Kunst und Kultur entwickelte sich im Hitze-Haus, das neuerdings über einige ausgediente Stühle aus dem NRW-Landtag verfügt, eine angeregte Debatte über die Zukunft der Kultur und die Misere fehlender kultureller Bildung. „Wann reden wir eigentlich über die Kunst, wann reden wir noch über die Frage von Hochkultur?“, fragte Grosse- Brockhoff und erhielt breite Zustimmung im Raum. In diesem Zusammenhang plädierte der Direktor der Westfälischen Schule für Musik, Ulrich Rademacher , dafür, Kulturwerte nicht nur rein materiell, sondern als das zu begreifen, „was uns bewegt“. Der Blick auf eine Originalpartitur von Beethoven sei das eine, die Empfindung, die das Spielen oder Hören der Musik auslöse, eben das andere.

Der Vorsitzende des Literaturvereins Münster , Hermann Wallmann , riet im Verlauf der Debatte dazu, „vor der eigenen Haustür zu kehren“. Die dicken LWL-Buchstaben im Otto-Piene-Kunstwerk am Landesmuseum in Münster bezeichnete er als „unglaubliche Ins­trumentalisierung eines Akro­nyms“. Was das Piene-Kunstwerk und den Namen des LWL-Museums anbetraf, rieten Grosse- Brockhoff und Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold vieldeutig dazu auf, etwas Zeit ins Land gehen zu lassen. Hinter den Kulissen, so scheint es, ist längst eine Rückorientierung auf den alten Namen des „Westfälischen Landesmuseums“ im Gange.

Dr. Klaus Anderbrügge, ehedem Kanzler der Universität Münster , regte neue Formen kultureller Bildung an, womit er das Fass zu einer lebhaftem Diskussion aufmachte. Vom WDR und den Volkshochschulen über ein Studium generale bis hin zu verpflichtendem, jahrgangsübergreifendem Fächerkanon mit Musik und Kunst in den Schulen reichte hier die Palette der mit kulturellem Eifer vorgetragenen Vorschläge.

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