Di., 15.09.2015

„Das Rheingold“ in Minden Kammerspiel mit starken Göttern

Das Orchester scheint hinten im Rhein zu sitzen, weil Mindens Orchestergraben zu klein für Wagners große Besetzung ist.

Das Orchester scheint hinten im Rhein zu sitzen, weil Mindens Orchestergraben zu klein für Wagners große Besetzung ist. Foto: Dorothée Rapp

Minden - 

Richard Wagners „Ring“ in Minden: Da reibt man sich verwundert die Augen, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Domstadt in Ostwestfalen gar kein operntaugliches Theater hat. Eigentlich.

Von Christoph Schulte im Walde

Trotzdem sind hier schon seit 2002 regelmäßig auf Initiative des örtlichen Wagner-Verbandes Inszenierungen zu erleben, die hohen künstlerischen Ansprüchen genügen. Zuletzt „Tristan und Isolde“, nun das „ Rheingold “, das letzte Woche Premiere feierte – fast zeitgleich mit dem „Ruhr-Rheingold“ der Ruhrtriennale in Bochum. In Minden jetzt also ein „Wesergold“?

Das kann man durchaus so sagen, denn was sich Regisseur Gerd Heinz hat einfallen lassen, ist maßgeschneidert auf die Situation vor Ort. Da es keinen ausreichend großen Orchestergraben gibt, saß die Nordwestdeutsche Philharmonie auf dem hinteren Teil der Bühne. Vorn wurde gesungen und gespielt. Das sorgte für einen intimen Rahmen, für eine Kammerspiel-Atmosphäre, in der es nicht um große Effekte gehen konnte – vielmehr standen die Beziehungen des Wagnerschen Opern-Personals untereinander im Zentrum. Frank Philipp Schlößmann hat dazu einen überdimensionalen Ring in das fast quadratische Bühnenportal gesetzt, eine Wendeltreppe installiert, die hinauf in den Rang führt. Ein kleiner Felsen für Alberich und die Rheintöchter, dazu noch sinnfällige Videosequenzen von Matthias Lippert – das war’s. Und es war überzeugend!

Weiterer Vorteil der engen Platzverhältnisse: Fast jedes Wort war zu verstehen. Wo hat man das schon? Und gesungen wurde ausgezeichnet. Von einem eigens zusammengestellten erstklassigen Ensemble: Renatus Mészár (Münsters legendärer Alberich) sang den Wotan, Heiko Trinsinger den Alberich, Thomas Mohr gab einen markanten Loge, Evelyn Krahe eine schaurig mahnende Erda. Toll auch Dan Karlström als Mime – ein perfektes Rollenporträt. Gediegen auch alle übrigen Solisten und das von Frank Beermann geleitete, fein nuanciert spielende Orchester.

Wagner in Minden: das zeitigte auch diesmal wieder reiche Aktivitäten in der ganzen Stadt. Schulen beschäftigten sich mit dem Werk, Ausstellungen wurden organisiert, der Jugendclub des Theaters machte Vermittlungsangebote, Lesungen fanden statt. Alles andere also als ein Event nur für die Gutsituierten. Getragen von Sponsoren und vor allem vielen einzelnen Personen, die hier bürgerschaftliches Engagement bewiesen.

Und das geht weiter: der „Ring“ wird Jahr für Jahr wachsen – bis zur zyklischen Aufführung im Herbst 2019.

                        

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